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Peter Füssl · 05. Sep 2012 · CD-Tipp

Jessica Pilnäs: Norma Deloris Egstrom – A Tribute To Peggy Lee

Die vor zehn Jahren verstorbene, schwedischstämmige Norma Deloris Egstrom, besser bekannt unter ihrem amerikanischen Künstlernamen Peggy Lee, reüssierte als erste Sängerin gleichermaßen im Jazz- wie im Popbusiness, konzertierte mit den Orchestern von Benny Goodman oder Quincy Jones und war gleichzeitig 30 Jahre lang in den Hitparaden vertreten. Sie war zwölfmal für den Grammy nominiert, den sie auch zweimal erhielt, sie schrieb sich selber Welthits wie „Fever“ oder „Golden Earrings“ auf den Leib, war als Filmmusikkomponistin und auch als Schauspielerin überaus erfolgreich. Peggy Lee verkörpert den American Dream par excellence – von der mittellosen Kellnerin zum umjubelten Weltstar, und während in den USA ihr Name in einem Atemzug mit Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan oder Billie Holiday genannt wird, droht sie in Europa in Vergessenheit zu geraten.

Um dem entgegenzuwirken, hätte nichts Besseres passieren können, als diese wunderbare Hommage der 33-jährigen schwedischen Sängerin Jessica Pilnäs. Die studierte Ärztin, die nach eigener Erzählung schon mal eine geistig desorientierte Patientin durch spontanes Vorsingen des Charlie Chaplin-Songs „Smile“ aus einem tagelangen Schreikrampf gerettet hat, macht sich das vielseitige Repertoire Peggy Lees völlig stimmig zu eigen. Ihre äußerst angenehme, durch cooles Understatement geprägte Stimme steht ihrem großen Vorbild in Sachen Lässigkeit in nichts nach und wird durch die ungemein klugen Arrangements perfekt ins Rampenlicht gerückt. Durch den völligen Verzicht auf das Schlagzeug werden die eingängigen Melodien besonders betont, die Rhythmus-Arbeit wird von dem quirligen Vibraphonisten Mattias Stål und Bassist Fredrik Jonsson perfekt erledigt. Trompeter Karl Olandersson liefert beachtliche Soli und ist der ideale Dialogpartner für Jessica Pilnäs, kommentiert und unterstreicht ihre gesanglichen Aussagen zwischen romantischer Gefühlsseligkeit und augenzwinkernder Ironie stets mit dem passenden Ton. Und die Streicher des „Fleshquartet“ sorgen auf einigen Stücken für zusätzliche Abwechslung. Mit diesem angenehm unaufgeregten Album hat Jessica Pilnäs ein wunderschönes Denkmal für Peggy Lee gesetzt – und sich selbst gleich auch eines.
(ACT/Vertrieb: www.rottensteiner-pr.at)