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24.01.2019 |  Peter Füssl

James Blake: Assume Form

Der mittlerweile 30-jährige James Blake hat sein viertes Album überraschend auf den Markt geworfen, aber der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist noch lange nicht das Verblüffendste an „Assume Form“. Musste man sich angesichts seines 2016-er-Albums „The Colour in Anything“ um den völlig um sich selbst kreisenden, in tiefer Sinnkrise und Depressionen zu versinken drohenden Londoner fast schon Sorgen machen, so fand er nun nach seinem Umzug nach Los Angeles, einschlägigen Therapien und vor allem und am wichtigsten angesichts seiner öffentlich gemachten Liebe zur Schauspielerin Jameela Jamil zu Optimismus und Lebensfreude.

Nun sind Leidensgeschichten als Quell grandioser Alben bekanntlich Legende, aber der Umkehrschluss ist nicht unbedingt zwingend: Zwar hat sich Blakes Soundpalette merklich aufgehellt, werden Soul- und Motown-, aber auch Hip-Hop-Elemente unverfälschter integriert, wird seine Stimme weit weniger gepitcht oder sonstwie elektronisch verfremdet eingesetzt, aber das soll nicht heißen, dass James Blake nicht noch immer absolut auf der Höhe des von ihm selbst maßgeblich mitkreierten Post-Dubstep/Neo-R’n’B operieren würde. Noch immer würden seine einstmals wegweisenden musikalischen Ideen, die unzähligen kleinen Raffinessen genug Stoff für eine Master-Arbeit abgeben. Während Blake zuletzt fast nur noch mit sich selber im technisch generierten Chorgesang kommunizierte, lebt „Assume Form“ durchaus auch von den perfekt stimmigen Kooperationen mit den prominenten Rappern André 3000 und Travis Scott, dem DJ/Produzenten Metro Boomin, dem angesagten Neo-Soul-Sänger Moses Sumney und der ebenso experimentierfreudigen Flamenco-Pop-Innovatorin Rosalía. Am auffälligsten spiegelt sich die neu gewonnene Lebensfreude  freilich in den Texten wider: „I will assume form, I’ll leave the ether / I will just fall and be beneath her / I will be touchable, I will be reachable / ’Cause I can already see that this goes deeper” gibt Blake bereits im Opener und Titelstück von „Assume Form“ den Tenor des Albums vor. Und Songs wie „Don’t miss it” oder „I’ll Come Too“ („I’ve got nothing to lose / With you, with you, with you / I’m in that kind of mood”) beweisen, dass James Blake auch exzellent in Lovesongs kann – nicht nur überschäumend, sondern oft vorsichtig und hinterfragend, aber stets positiv gestimmt. Wer hätte das gedacht? (Polydor/Universal)

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