Das Nederlands Dans Theater 2 beim Bregenzer Frühling (Foto: Udo MIttelberger)
Peter Füssl · 31. Mai 2011 · CD-Tipp

Francois Couturier: Tarkovsky Quartet

Der russische Filmemacher Andrei Tarkovsky, der 1986 im Alter von 54 Jahren an Krebs gestorben ist, hat zwar „nur“ ein Dutzend Spielfilme bzw. Kurz- und Dokumentarfilme hinterlassen, übt aber mit seiner idealistischen Kunstauffassung bis zum heutigen Tag eine nachhaltige Wirkung auf alle Bereiche der zeitgenössischen Kunst aus. Dies lässt sich wohl in besonderem Maße vom französischen Pianisten François Couturier behaupten, der soeben einen Zyklus mit drei dem Regisseur gewidmeten Alben abgeschlossen hat.

Während er letztes Jahr „Un jour si blanc“  solo eingespielt hat, greift er nun auf sein großartiges Quartett mit der Cellistin Anja Lechner, dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier und Jean-Marc Larché am Sopransaxophon zurück, mit dem er 2006 schon das großartige Album „Nostalghia – Song For Tarkovsky“ veröffentlicht hatte und das künftig unter dem Namen „Tarkovsky Quartet“ firmieren wird. Mit neun Eigenkompositionen von François Couturier und drei Gruppenimprovisationen wird der Hörer in eine wunderschöne Welt meist melancholisch gefärbter Bilder entführt, die dem konzentrierten Connaisseur bei jedem Hören neue Fassetten eröffnen. Alle Titel beziehen sich irgendwie auf das Werk oder die Biographie Andrei Tarkovskys, was seinen Fans als kurzweiliges Ratespiel dienen mag. Couturier ließ sich bei einigen seiner Stücke aber auch von Bach, Pergolesi oder Schostakowitsch inspirieren, und es wird deutlich, dass ihn sein Angesiedelt-Sein in Jazz, Klassik, Weltmusik und vor allem auch in der zeitgenössischen Kammermusik zu großartigen, alle Genregrenzen sprengenden Projekten befähigt. Ein leises, stimmungsvolles, manchmal irgendwie hypnotisch und fast auch schon ein bisschen mysteriös wirkendes Album, das sich so richtig schön dazu eignet, beim Zuhören in eine ganz andere Welt abzudriften.
(EMC/Vertrieb: www.lotusrecords.at)