Christian Eisenberger – o.T., Acryl auf Leinwand (Foto: Kapi)
Peter Füssl · 18. Okt 2011 · CD-Tipp

Fatoumata Diawara: fatou

Und schon wieder ein neues Gesicht in der Riege starker afrikanischer Sängerinnen! Fatoumata Diawara wurde an der Elfenbeinküste geboren und als angeblich schwieriges Kind mit zehn Jahren zu ihrer strengen Tante nach Mali „verbannt“. Dort entdeckte man mit 14 ihr schauspielerisches Talent, was sie schließlich nach Paris führte, wo die heute 29-Jährige erfolgreich in Filmen und Musical-Produktionen mitwirkt. In einer zeitgemäßen „Hamlet“-Inszenierung sang Fatoumata Diawara einen ihrer Songs zur Gitarre und erregt zur eigenen Verblüffung große Begeisterung bei den Zuschauern – was letztlich ihr Debutalbum „fatou“ beim renommierten englischen Worldmusic-Label World Circuit zur Folge hatte.

Eine echte Erfolgsgeschichte also, aber Fatoumata Diawara hat nicht vergessen, was alles hinter ihr liegt, was sie erleiden musste, und was viele afrikanische Frauen heute noch durchmachen müssen. So wendet sie sich in ihren Songs dagegen, Kinder leichtfertig aus ihren Familien wegzugeben, prangert die immer noch praktizierte Beschneidung an, spöttelt übers Zwangsheiraten und bedauert die afrikanischen Flüchtlinge, die auf ihren manchmal jahrelangen „Irrfahrten“ in den goldenen Westen nicht selten sogar ums Leben kommen. Alle auf Bambara gesungenen Texte sind im Booklet ins Englische und Französische übersetzt und kommentiert. Es wäre aber ein fataler Irrtum, „fatou“ für eine eher traurige Angelegenheit zu halten, denn Fatoumata Diawara ist kein gebrochener, sondern ein ausgesprochen lebensfroher Mensch. Ähnlich ihrem großen Vorbild Oumou Sangare, versucht sie ihre anspruchsvollen Texte mit rhythmisch mitreißenden, melodisch einprägsamen Eigenkompositonen an die Frau/den Mann zu bringen. Produzent Nick Gold hat den funkigen Wassolou-Sound mit schlichten Folk-Elementen und ein paar Jazz-Einsprengseln kombiniert, die Fatoumata Diawaras emotionsgeladene Stimme exzellent zur Geltung bringen. Dass Ex-Led Zeppelin John Paul Jones auf einem Stück den Bass zupft und Drummer-Legende Tony Allen auf einem anderen die Trommeln rührt, darf man als Zeichen der guten Connections des Produzenten und als kleine Verbeugung vor dem Talent der jungen Sängerin werten. Die vermag aber auch ganz allein, sich selbst mit sparsamen Mitteln auf der Gitarre begleitend, voll zu überzeugen.
(World Circuit/Vertrieb: www.lotusrecords.at)