Neu in den Vorarlberger Kinos: „One Love" Biopic über Bob Marley (Foto: Paramount Pictures)
Peter Füssl · 22. Okt 2012 · CD-Tipp

Elliott Sharp’s Terraplane: Sky Road Songs

Der mit allen musikalischen Wassern gewaschene Avantgardist Elliott Sharp und der Blues haben ein inniges Verhältnis zueinander. Der Blues gibt dem mittlerweile auch schon 60-jährigen New Yorker Downtown-Hero alles, was man so braucht in diesem Business – die Riffs und Voicings all der Legenden, von den Cotton Field-Anfängen bis zu Hendrix, Kraft und Impulsivität, die emotionalen Berg- und Talfahrten, das Bauchgefühl. Sharp dankt es ihm, indem er ihn gnadenlos entstaubt, zum Bauch den Kopf dazustellt und alles durch die kritische Brille des neugierigen Experimentators betrachtet.

Das hat aber nichts Verkopftes an sich, sondern da geht es meistens unglaublich kraftvoll, geradlinig und schnörkellos zur Sache. Für das selbst extravagante Ideen tragende rhythmische Fundament sorgen in gewohnter Perfektion Bassist Dave Hofstra und Drummer Don McKenzie, die alten Mitstreiter Alex Harding und Curtis Fowlkes steuern interessante Klangfarben auf Baritonsaxophon und Posaune bei. Ganz dominant ins Schaufenster stellt Elliott Sharp aber die beiden Vokalisten, den stimmgewaltigen Eric Mingus und die ultracool agierende New Yorker Poetin, Slam-Poetry-Ikone und ehemalige „Black Rock Coalition“-Aktivistin Tracie Morris. Die dreizehn Eigenkompositionen (plus hidden track), zu denen auch Produzent Joe Mardin (Sohn des legendären Musikproduzenten Arif Mardin) einiges beigetragen hat, werden mit großer Leidenschaft und viel Explosivkraft interpretiert. Auf einem Stück, einer Hommage an Howlin’ Wolf, brilliert der mittlerweile verstorbene, legendäre Bluesgitarrist Hubert Sumlin noch einmal mit seinen unverwechselbaren Bluesimprovisationen, von denen sich nicht nur Elliott Sharp, sondern auch Clapton, Richards, Page und Hendrix beeinflussen ließen. Der Titel „Sky Road Songs“ bezieht sich auf die Zwiespältigkeit im Musikerleben, dauernd unterwegs sein zu wollen und sich gleichzeitig stets nach Hause zu sehnen. Eine innere Zerrissenheit, die sich als wunderbar kreative Antriebsfeder und äußerst bluestauglich erwiesen hat.
(yellowbird records/enja)