Concerto Stella Matutina: die junge, aus Ungarn stammende Solistin Bettina Simon, die sich zunächst mit ihrer Altblockflöte in einem Vivaldi-Konzert vorstellte. (Foto: Lilli Löbl)
Martina Nachbaur · 03. Mär 2026 · Kinder

Carneval – Eine tierisch-magische Reise für Kinder

Musiktheater mit tanzenden Tiergestalten

Mit der Produktion „Carneval“ verwandelt sich das SAL in Schaan Anfang März in einen lebendigen Theaterraum für junges Publikum. Zum ersten Mal ist die französische Compagnie Corps In Situ gemeinsam mit Artezia aus Luxemburg zu Gast. Sie präsentieren ein Musik- und Tanztheater für Familien und Kinder ab 4 Jahren. Frei inspiriert von Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ lädt das Stück zu einer poetischen, verspielten und visuell lebendigen Reise ein, in der Musik, Bewegung und Fantasie ineinandergreifen.

Ein musikalischer Klassiker neu erzählt

Ausgangspunkt ist Camille Saint-Saëns’ berühmtes Werk „Karneval der Tiere“ aus dem Jahr 1886 – ein Klassiker der Musikgeschichte. In 14 kurzen musikalischen Miniaturen porträtiert der Komponist mit Humor, feiner Ironie und großer Fantasie Löwen, Kängurus, Schildkröten, Schwäne und viele weitere Tiere. Die eingängigen Melodien, bekannt aus Konzerten, Filmen und Alltagskontexten, sind für viele Menschen eine prägende musikalische Erinnerung.
Für „Carneval“ wurde das Werk neu interpretiert und als Musik- und Tanztheater für Kinder auf die Bühne gebracht: spielerisch, lebendig und mit viel Raum für Fantasie.

Mit Kindern erprobt und weiterentwickelt

Die Idee zur Inszenierung entstand aus dem Wunsch, Kinder direkt anzusprechen und die Partitur szenisch mit Tänzer:innen und Musiker:innen umzusetzen. Inspiration lieferte auch der kleine Sohn der Choreografin, der das Verkleiden liebt – für Kinder ein spielerischer Weg, in andere Rollen zu schlüpfen und neue Seiten an sich zu entdecken. Auf Basis ihrer langjährigen Erfahrung im Tanz- und Musiktheater für junges Publikum entwickelte die Compagnie daraus eine rund 40-minütige Aufführung, die Humor, Bewegung und musikalische Präzision verbindet.
Über zwei Jahre hinweg entstand das Stück an der Schnittstelle von Tanz, Musik und Vermittlung. Eine Residenz in einem Kindergarten spielte dabei eine zentrale Rolle: Gemeinsam mit vier- bis fünfjährigen Kindern wurde Bewegungsmaterial erprobt und weiterentwickelt. So nahm „Carneval“ buchstäblich unter den neugierigen Blicken seines Zielpublikums Gestalt an.
Ein Gedanke von Jennifer Gohier, der Choreografin des Stücks, bringt die Haltung der Inszenierung auf den Punkt: Sie verstehe sich als Gärtnerin, die Samen in die Gedanken der Kinder pflanzt. In Carneval stehen diese Samen für Freude, Freiheit und die Kraft, gemeinsame Momente miteinander zu teilen.



Bühne voller Fantasie und Überraschungen

Das Bühnenbild ist bewusst reduziert und greift vertraute Elemente aus der kindlichen Lebenswelt auf. Eine Kostümtruhe und ein Tipi bilden die zentralen Gestaltungselemente und werden durch die live gespielten Instrumente ergänzt. Die Truhe verwandelt sich in eine Schatzkiste, aus der sich mit jedem Musikstück neue Figuren und Szenen entfalten. Das Tipi fungiert als Rückzugs- und Spielort, als Raum für Geheimnisse, Geschichten und poetische Momente.
Auf diese Weise entsteht eine offene Spielfläche, die das Publikum in immer neue imaginäre Welten führt. Tiere und fantastische Wesen erscheinen, verschwinden und verwandeln sich – ein Theatererlebnis, das Kinder wie Erwachsene gleichermaßen anspricht. Bewegung, Live-Musik und szenisches Spiel verbinden sich zu einer sinnlichen Theaterform, die Kinder ernst nimmt und ihre Wahrnehmung stärkt.
Carneval sei ein Stück für alle, unabhängig von Alter und Kultur, sagt Gabrielle Vilbrandt, Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters im TAK. Es verbinde Menschen durch Tanz, Musik und Freude.

Tanz- und Musiktheater für junges Publikum im TAK

Tanz- und Musiktheater haben im Programm des TAK für junges Publikum einen festen Platz, erklärt Gabrielle Vilbrandt. So sei im Mai mit Ginger auch eine Produktion der belgischen Compagnie Nevski Prospekt zu sehen. Gerade im Tanz, so Vilbrandt, spiele Sprache keine zentrale Rolle: Körperliche Bewegung überwinde Verständigungsgrenzen, kulturelle Unterschiede rückten in den Hintergrund. Tanz funktioniere als unmittelbare Form der Kommunikation – für die Künstler:innen ebenso wie für das Publikum. Ähnlich verhalte es sich mit Musik, die direkt auf emotionaler Ebene wirke, Fantasie anrege und Menschen unabhängig von Sprache berühre.
Künstlerische Ausdrucksformen wie Tanz und Musik eröffnen aus ihrer Sicht wichtige Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche. Sie laden dazu ein, Fantasie zu nutzen, neue Perspektiven einzunehmen und gemeinsam über die Welt nachzudenken, in der wir leben möchten. Das TAK setze deshalb bewusst auf Produktionen, die nicht nur unterhalten, sondern auch einen wachen, zugleich liebevollen Blick auf Gesellschaft, Familie und Freundschaft werfen und sich offen mit experimentellen Formen des Theaters auseinandersetzen.

Corps In Situ / Artezia: „Carneval“
Musiktheater ab 4 Jahren 
8.3., 16 Uhr und 9.3., 14 Uhr
SAL, Schaan

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