MaadiCabanon: Ein Dialog in Geometrie, Licht, Farbe zwischen Vater und Sohn. (Foto: MPS)
Peter Füssl · 23. Dez 2024 · CD-Tipp

Bill Laurance & Michael League: „Keeping Company“

Hörte man ohne weitere Informationen die mediterranes Flair versprühende Oud-Melodie zu Beginn des Openers „Katerina“, würde man eher auf einen maghrebinischen Musiker tippen als auf den Snarky Puppy-Gründer Michael League. Gemeinsam mit seinem Band-Kollegen Bill Laurance am Piano widmete er sich bereits vor einem Jahr mit dem Debüt-Album „Where You Wish You Were“ einem intimeren und reduzierteren Kontrastprogramm zum vierfach Grammy-dekorierten, vielschichtigen Jazz-Rock-Funk-Weltmusik-Mix der 19-köpfigen Großformation aus Texas.

Dabei spielt League die autodidaktisch erlernte, orientalische Kurzhalslaute eher unkonventionell, versteht es aber, ihr melodiöses und emotionales Potential voll auszuschöpfen. Wenn dann Bill Laurance mit seinen sangbaren, rhythmisch prägnanten Piano-Läufen dazukommt, entwickelt sich rasch jener hypnotische Sog, der für die 11 Songs, darunter neun neue Eigenkompositionen, typisch ist. Dafür hatten die beiden unzählige musikalische Skizzen komprimiert, in Form gebracht und transparent arrangiert. Weiter geht’s mit dem minimalistischen „You“, in dem eine geruhsame Piano-Melodie und eine behutsam gezupfte, bundlose, akustische Bassgitarre eine meditative Wirkung entfalten, die im darauffolgenden „Yours“ zusätzlich mit tänzerischen Qualitäten kombiniert wird. Melodisch etwas weiter holt Laurance beim quirligen, mehrschichtigen „Escher“ aus – vielleicht handelt es sich ja um eine Hommage an den faszinierenden niederländischen Grafiker M.C. Escher und seine verblüffenden optischen Spielereien. „How Does It Feel“ entwickelt bei aller Reduktion und Unaufgeregtheit einen enormen Groove, Leagues Bass-Spiel wirkt perkussiv. Die Oud steht dann wieder beim nachdenklichen, mit fast sechs Minuten längsten Stück "Stonemaker“ im Zentrum, wobei die beiden Musiker – wie auf dem ganzen Album – Solo- und Begleitfunktion permanent wechseln. Nach demselben Muster funktioniert auch das beschwingtere „Clay“, das Spiel auf dem leicht präparierten akustischen Piano klingt – wie auch in anderen Stücken – Keyboard-artig, wobei Laurance und League betonen, das Album live eingespielt zu haben und praktisch ohne Overdubs ausgekommen zu sein: „Wir haben viel Schönheit darin gefunden, uns auf das Pure, das Organische zu konzentrieren.“ Tänzerische Leichtigkeit zu einem karibisch inspirierten Groove strahlt Laurances Piano-Melodie zum wirkungsvoll singenden und swingenden Bass bei „Where You Wanna Go“ aus. Zwei Fremdkompositionen fügen sich nahtlos ein: „Africa“ stammt vom 1977-er Album „Man From Wareika“ des legendären, hauptsächlich in England aktiven, jamaikanischen Ska/Reggae-Posaunisten und -Komponisten Rico Rodriguez, wobei die gefangennehmende Melodie in dieser Version beträchtlich an Fahrt aufnimmt. Das beliebte türkische Traditional „Iki Keklik Bir Kayada“ schließlich startet mit eng verzahnter Piano-Oud-Melodie, die in eine ausholende Tastenträumerei von Laurance übergeht, zu der League mit gedämpften, wortlosen Vocals zusätzlich Stimmung macht – welch ein verträumter Ausklang für dieses sehr spezielle Album! Dass dermaßen Entspanntes nur gelingen kann, wenn die Chemie der Duo-Partner hundertprozentig passt, versteht sich ohnehin von selbst.

(ACT) 

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Dezember 2024/Jänner 2025 erschienen.