Das PulsArt Ensemble der Stella Privathochschule in Feldkirch (Foto: Victor Marin)
Karlheinz Pichler · 17. Jul 2015 · Ausstellung

Farbfeuerwerke zwischen Poesie und Strenge - Nicholas Bodde, Thierry Feuz und Ben Hübsch in der Feldkircher Galerie Feurstein

Die diesjährige Sommerausstellung der Feldkircher Galerie Feurstein steht ganz im Zeichen der Farbe. Unter dem Titel „Farben Wahn Sinn“ wird ein aktueller Werkquerschnitt der „Dreierrunde“ Nicholas Bodde, Thierry Feuz und Ben Hübsch geboten. Die drei deutschen Kunstschaffenden arbeiten mit sehr unterschiedlichen Mitteln und Strategien. Die gemeinsame Konstante ist die Dominanz der Farbe.

Thierry Feuz und Ben Hübsch werden vom Galeristen Günter Feurstein schon seit Jahren vertreten. Werkbeispiele der beiden gab es schon des Öfteren in Feldkirch zu sehen, vor Kurzem auch in Dornbirn an der Art Bodensee, an der die Galerie vertreten war. Mit Nicholas Bodde scheint jetzt eine ganz neue Position im Portfolie auf.

Lust an der Farbe


Bei den Werken des 1962 geborenen und heute in Bremen lebenden und arbeitenden Künstlers Nicholas Bodde handelt es sich um Farbanordnungen, die auf horizontalen, parallel verlaufenden Feldern, Bändern und fadenfeinen Linien fußen, wobei geometrisch geformte Elemente aus Dibond-Aluminium als Bildträger agieren. Dieser Rückgriff auf glattes, strukturloses Leichtmetall als Malgrund entspricht auf ideale Weise einer sich  flächig entfaltenden Farbmalerei. Erst in der Nahansicht offenbaren sich die vielfältigen Farbmaterialien und Oberflächenbehandlungen der einzelnen Felder, die eine zusätzliche Tiefenebene erstehen lassen. Der Künstler setzt bei seinen Farbstaffetten neben den Ölfarben auch auf Acryl und Industrielacke sowie Kunststofffolien und Aquarellfarben. Folgen die Bilder in ihrem formalen Äußeren strengen, konstruktivistischen Maßgaben, ganz in der Gefolgschaft der geometrischen Abstrakten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, so geschieht die Farbwahl im Kontrast dazu intuitiv und frei. „Nicholas Bodde arbeitet mit Lust an der Farbe. Er wählt starke Kontraste und zarte Pastellfolgen. Er komponiert harmonisch und spannungsvoll zugleich, wobei er immer und immer wieder die variablen Wechselwirkungen von Farbeindrücken thematisiert. Er experimentiert und übermalt, wobei bereits eine schmale Linie in ihrem Zusammenklang mit den übrigen Farbflächen, die Wirkung des gesamten Bildes verändern kann.“ (Zitat: Corona Unger) Beim Bild „Circle“ (2013) verwendete Bodde für bestimmte Farbstreifen Ölfarbe, für andere wiederum Acryl oder Farbfolie. Dies verleiht ein und demselben Bild völlig unterschiedliche Oberflächenstrukturen.

Die Natur als Farbabstraktum


Wie man die Natur direkt in die Arbeit integrieren kann und doch zu „abstrakten“ Bildern gelangt, ist eine Frage, die sich der 1968 in Wien geborene und heute in Genf lebende und arbeitende Künstler Thierry Feuz im Zuge seines Schaffens immer wieder stellt. In diesem Zusammenhang waren es früher vor allem florale Motive, die im Zentrum von Feuz’ malerischem Werk standen. Dabei ging es aber nicht um Abbilder, sondern um das Erschaffen einer künstlichen (künstlerischen) Parallelwelt, in der Florales aus dem Kosmos der Farbe wächst und keine Rücksicht auf Naturgesetze, Größenverhältnisse etc. nimmt.  Diese Werke kamen wie Farbgärten mit starker lyrischer Ausstrahlung daher. Die Arbeiten aus der neueren Serie „Technicolor“ hingegen lassen keine formalen Assoziationen mehr zu Blatt, Blume oder Stengel zu. Feuz reduziert hier die Bilderscheinung auf parallele Farbstreifen. Aber egal ob blumig oder in Streifen, Feuz’ Farbenkosmos schlägt dem Betrachter wie eine potenzierte Pop-Art entgegen. Würden die Bilder von Thierry Feuz duften, dann wäre man wohl schnell einmal berauscht von ihnen. Aber so spielerisch und bunt die Werke erscheinen, so stellen sie in der Herstellung jedoch eine große Herausforderung für den Künstler dar.  So müssen sie etwa liegend, also in der Horizontalen gemalt werden. Zunächst trägt Feuz eine flüssige Lackschicht auf, auf die dann mit Hilfe von Pinseln und Spachteln, Stäben, Spraydosen und Luftdüsen der Auftrag weiterer Farben erfolgt. Bei diesem Schaffensprozess gibt es so gut wie keine Möglichkeit zur Korrektur. Ist etwas gemalt, so muss es für immer Bestand haben.

Auslotung von Ornament und Abstraktion


Der aus Freiburg stammende Künstler Ben Hübsch, Jahrgang 1963, ist für Bildkompositionen bekannt, die das Verhältnis zwischen Ornament und abstrakter Kunst ausloten und in denen die Farbe das tragende Element darstellt. Der Künstler, der auch als Professor und Leiter des Fachbereichs Bildende Kunst an der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik in Freiburg im Breisgau tätig ist, bedient sich eines unerschöpflichen Reservoirs an Linien-, Bänder-, Kreis- oder Flächenelementen, um geometrische Konstruktionen zu entwickeln, die ornamental angelegt sind. In der Bemalung bedient er sich eines Farb-Kanons, der von einer immensen Dynamik und Sprengkraft zeugt. Die Leuchtkraft und Komposition der Farben führen das Auge des Betrachters immer wieder an die Grenzen der Wahrnehmung bis hin zur Irritation. Die Bilder von Ben Hübsch sind in der Regel rechte Eyecatcher und Auslöser visueller Reizungen. Zu den wesentlichen Prinzipien im Schaffen des Künstlers zählen Symmetrie und „Balance“.  Durch eine immer wiederkehrende Symmetrie, die sich in den vielfältigsten Varianten äußern kann, versucht Hübsch sämtliche formalen und farbspezifischen Kräfte, die in einem Bild wirksam werden können, im Gleichgewicht zu halten.

 

Farben Wahn Sinn:
Nicholas Bodde, Thierry Feuz, Ben Hübsch
Galerie Feurstein, Feldkirch
Bis 8.8.2015
Di-Fr  14-18, Sa 11-14
www.galeriefeurstein.at