Die Bugatti-Sonderedition „Veyron“ auf Farbtafeln reduziert - Walter Kölbl in der Bludenzer Galerie allerArt
Unter dem Titel „Veyron“ hat der italienische Autobauer Bugatti vor acht Jahren eine Sonderedition seiner luxuriösen Flitzer auf den Markt gebracht. Der Veyron war nur in acht Grundfarben, die jeweils mit einer zweiten Farbe kombiniert wurde, erhältlich. Der in Wien lebende Vorarlberger Bildhauer und Konzeptkünstler Walter Kölbl hat sich von Bugatti die originalen Farbcodes dieses Spielzeugs für Millionäre besorgt und den Veyron gleichsam ins Zweidimensionale auf acht Doppelfarbtafeln (industrieller Autolack auf Aluminiumtafeln) reduziert, die nun den kleinen aber feinen Ausstellungsraum der Galerie allerArt in der Bludenzer Remise zieren.
Nach Ansicht von Kölbl würde die italienische Exzentrikerin mit Vorarlberger Wurzeln, Luisa Casati (1881 bis 1957), einen dieser Bugatti Veyrons fahren, so sie noch lebte. Denn nur dieser „ultimative Sportwagen“ mit 1001 Pferdestärken und einer Höchstgeschwindigkeit von über 400 Stundenkilometern wäre der Exzentrik der Casati gerecht geworden. Als ihr die Vorarlberger Berufsvereinigung der KünstlerInnen 2005 im Künstlerhaus Bregenz eine Hommage widmete, steuerte der aus Hard stammende Künstler dieser Ausstellung deshalb mit „blue/midnight“ den ersten Prototyp dieser Bugatti-Farbtafelserie bei. Diesen Prototyp entwickelte Kölbl weiter und kann nun das ganze Spektrum dieser Farbpaare vorweisen, das von „red/black“ oder „sterling/graphite“ über „silver/darkblue“ und „green/ebony“ bis zu „deep red/chocolate“ reicht.
Malerei, bei der alles konzeptionell ist
Der aus Hard stammende Künstler Walter Kölbl, Jahrgang 1948, ist eigentlich als konstruktiver und konzeptionell arbeitender Bildhauerei bekannt geworden, der auf der Grundlage von geometrischen Systeme wie etwa Orthogonen visuelle Konstrukte in Form von Skulpturen oder dreidimensionalen Wandarbeiten erzeugt. Klar steht bei den Bugatti-Veyron-Bildern die Farbe im Vordergrund, dennoch darf man hier durchaus auch von „typischen“ Kölbl-Arbeiten sprechen. Denn der Künstler, der über ein Staatsatelier im Wiener Prater verfügt, hat die 16 Farben auf Alutafeln übertragen, die sich mit dem Größenmaß 1 Meter mal 61,8 Zentimter sämtlich im Goldenen Schnitt befinden. Auch die Farben des Lacks selbst, die durch die Zahlencodes Bugattis exakt vordefiniert sind, und die Auslagerung der Lackierarbeiten an eine Firma untermauern, dass es sich hier um eine rein konzeptuelle Arbeit handelt, die sich nahtlos in den bisherigen Werkkanon von Kölbl einreihen lässt. Die „Bugatti-Veyron“-Serie ist eine „Legierung“ aus Konzept, Proportion und Farbe. Nur das „Finishing“ hat der Künstler handwerklich in Eigenregie bewerkstelligt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die in höchster Präzision und Perfektion aufgetragene Lackfarbe derart stark reflektierende Fähigkeiten hat, dass sich der Betrachter samt Umraum darin fast wie in einem Spiegel ansehen kann. Diese Spiegelungen verleihen den Wandtafeln eine geradezu körperhafte Präsenz im Raum.
Analogie zur Formel-1-Serie
Der Zyklus „Bugatti Veyron“ steht aber auch in Verbindung mit einer früheren Konzept-Malerei, die der Formel 1 gewidmet war. Und zwar suchte sich Walter Kölbl damals vier Formel-1-Rennställe aus, die auch Sportwägen für den normalen Straßenverkehr herstellten. Damals gab es eine Verordnung des Automobil-Weltverbandes FIA, wonach alle Rennwägen länderspezifische Farben aufzuweisen hatten. Demnach mussten die italienischen Boliden wie Ferrari, Maserati oder Alpha Romeo die Farbe Rot aufweisen, englische Renner wie Lotus die Farbe Grün, und Schweizer Autos hatten creme- und rotfarbig zu sein, während die Farbe Silber den deutschen Mercedes-Gefährten vorbehalten blieb.
Kölbl hat die vier ausgewählten Rennwägen (Farben) jeweils in vier unterschiedlichen Formaten „gemalt“, die natürlich auch alle dem Goldenen Schnitt gerecht wurden. Das A-Null-Format (120 x 84 cm) entsprach also genau einem Quadratmeter Formel 1. Das A1-Format einem halben Quadratmeter, das A2-Format einem Viertelquadratmeter und das A3-Format einem Achtelquadratmeter. Auch hier setzte der Künstler materialmäßig auf Autolack und Aluminiumtafeln. Ein Ferrari-rotes Tryptichon, das dem „Ferrari Rosso Corsa“ nachempfunden wurde, ist ebenfalls in der Remise zu bestaunen.
Radscheibe
Letztlich ist in der Kölbl-Schau aber doch noch eine „richtige Skulptur“ auf Sockel zu besichtigen. Dem Thema entsprechend nahm der Künstler einen Abdruck von einer Bugatti-Radscheibe und realisierte daraus eine Keramik-Skulptur. Eigentlich plante Kölbl einen Bronzeguss, beließ es jedoch bei der Radscheibe aus Keramik als möglicher „Mutterform“ für so einen Bronzeguss.
Walter Kölbl: Bugatti Veyron
Galerie allerArt in der Remise Bludenz
Bis 12.1.2014
Mi, Fr, Sa, Sa, So u. Fe 15-18, Do 16-20
www.allerart-bludenz.at