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Walter Gasperi · 26. Sep 2026 · Film

Auf Wahlkampftour mit Dominik Wlazny

In „Highway to Hofburg“ begleiten David Moser und Philipp Moosbrugger mit Kameramann Georg Weiss den Punkmusiker und Arzt Dominik Wlazny aka Marco Pogo bei seinem Wahlkampf für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten im Jahr 2022: Ein temporeicher und dank des authentischen und schlagfertigen Protagonisten unterhaltsamer Dokumentarfilm, der spannende Einblicke bietet, aber sich für einzelne Szenen zu wenig Zeit lässt.

Als Witz wurde es vielfach angesehen, als der Arzt Dominik Wlazny, der als Kunstfigur Marco Pogo mit seiner Punkrock-Band Turbobier zuvor schon Spitzenpositionen in den österreichischen Charts erreicht und 2016 und 2022 den Amadeus Austrian Music Award gewonnen hatte, 2022 erklärte, dass er bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten kandidieren wolle. Bei der Bezirksvertretungswahl in Wien 2020 hatte die von ihm gegründete Bierpartei zwar insgesamt elf Mandate errungen, verfehlte aber bei der Nationalratswahl 2019 und den Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen 2020 den Einzug in den Nationalrat beziehungsweise Landtag.
Passend punkig zum Protagonisten beginnt „Highway to Hofburg“, wenn David Moser und Philipp Moosbrugger in schnell geschnittenem, teils schwarzweißem Archivmaterial von Marco Pogos Konzertauftritten und Fernsehausschnitten zum Ibiza-Skandal und der Ausrufung von Neuwahlen Einblick in die Situation von 2019/2020 bieten.

Wandel Wlaznys und der medialen Wahrnehmung

Ruhiger wird der Film, wenn der Entschluss zur Präsidentschaftskandidatur gefasst ist. Hautnah folgen Moser / Moosbrugger mit ihrem Kameramann Georg Weiss ihrem Protagonisten von der Sammlung der nötigen 6000 Unterstützerstimmen über Wahlkampfauftritte bei TV-Diskussionen und die Wahlkampftour durch die Bundesländer bis zum Wahltag und der abschließenden Wahlparty. Der Countdown, der dabei mit wenigen Inserts aufgebaut wird, wird zwar wenig entwickelt, doch Wlazny, auf den das Regieduo mit sichtlicher Sympathie blickt, hält mit seiner Schlagfertigkeit und seinem authentischen Auftreten diesen Dokumentarfilm am Laufen. Er bildet nicht nur einen starken Gegenpol zu den Profi-Politiker:innen, sondern wirft auch die Frage auf, ob sein Stil in eine verkrustete Demokratie nicht neuen Schwung bringen und ein ernsthaftes Nachdenken über aktuelle Probleme auslösen könnte.
Eindrücklich vermitteln Moser / Moosbrugger aber auch die Strapazen des zweimonatigen Wahlkampfs und die Belastung der zahlreichen TV-Diskussionen und Presseauftritte. Vor allem wird aber eine Entwicklung sowohl der Wahrnehmung Wlaznys durch die Medien als auch Wlaznys selbst sichtbar. Wird er zunächst immer wieder auf seine Doppelrolle als Dominik Wlazny und Kunstfigur Marco Pogo angesprochen und nicht ernst genommen, so ändert sich dieses Bild langsam, nicht zuletzt, weil er sich auch selbst ändert. Tritt er zunächst nämlich mit zerrissener Jeans und dunkler Sonnenbrille auf, so trägt er mit Fortdauer doch häufiger Anzug und weißes Hemd. Explizit thematisiert wird dieser Kleidungswandlung, wenn Wlazny mit seinem Vater in einem Einkaufszentrum sein neues Outfit einkauft.

Ein Außenseiter im professionellen Polit-Zirkus

Sichtbar machen Moser / Moosbrugger aber auch, wie schwer sich so ein Außenseiter im ritualisierten Politzirkus tut. Mit seinem unkonventionellen Auftreten tut er sich nicht nur schwer, sich bei Diskussionen mit Konkurrenten zu behaupten, sondern wird auch von den Medien immer wieder scharf rangenommen. Gleichzeitig zeigen sich aber auch seine Schwächen, wenn er sich zwar für gleiche Bezahlung von Frauen, Tierschutz und Ausbau der Windkraft einsetzt, aber mehr Fragen stellt als konkrete Lösungsvorschläge anzubieten.
Anregend ist dieser Dokumentarfilm durch das hohe Erzähltempo und Wlaznys Präsenz, andererseits dringen Moser / Moosbrugger kaum in die Tiefe. In raschem Wechsel folgt Szene auf Szene, aber kein Moment wird verdichtet, kein Aspekt zugespitzt. So verliert sich der anfängliche Schwung gegen Ende, und die Wiederholung ähnlicher Szenen führt auch zu Längen. – Einen spannenden Einblick in die Person Dominik Wlaznys und die Schwierigkeiten, auf die ein Außenseiter in einem Wahlkampf stößt, bietet „Highway to Hofburg“ dennoch und stellt der weitverbreiteten Politikverdrossenheit auch ein leidenschaftliches politisches Engagement gegenüber, das frischen Wind in die Demokratie bringen und ansteckend wirken könnte. Passend dazu werden die Reinerlöse aus den Ticketverkäufen an Bildungs- und Demokratieprojekte vergeben.

ab 25.9. im Cinema Dornbirn