Aloe Blacc beim Poolbar Festival
Der Soul- und Popsänger zeigt mit seiner hochkarätigen Band eine eindrückliche Performance
Was seine Hits „I Need A Dollar“ und „Wake Me Up“ nicht unbedingt vermuten lassen: Aloe Blaccs musikalischer Fundus schöpft aus einer reichhaltigen Kenntnis der Klassiker aus Funk und Soul!
Der Künstler Aloe Blacc galt schon zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des LineUps beim diesjährigen Poolbar Festival als ein Highlight. Es ist bereits 15 Jahre her, dass der Hit „I Need A Dollar“ von seinem zweiten Album „Good Things“ seinen Namen einer breiteren Masse bekannt machte. Einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere stellt mit Sicherheit die Zusammenarbeit mit „Avicii“ dar, die den Mega-Hit „Wake Me Up“ hervorbrachte. Mit Aloe Blaccs Text und Stimme war die Nummer einige Zeit omnipräsent in nahezu allen Radiostationen und auch heute noch wird sich vermutlich jeder daran erinnern, die eingängige Synthesizer-Linie einmal irgendwo gehört zu haben.
Nachdem Aloe Blaccs Musik zu Beginn seiner Karriere sehr stark von Soul-Einflüssen und ausgefeilten Instrumentals geprägt war, wandte er sich mit seinen beiden neuesten Alben „All Love Everything“ (2021) und „Stand Together“ (2025) stärker dem glattgebügelteren Stil des Mainstream-Pop zu, der von seiner großartigen Stimme natürlich verfeinert wurde, aber doch stellenweise die Unverwechselbarkeit seiner „Neo Soul“-Ära vermissen ließ. Vor diesem Hintergrund durfte man gespannt sein, was für Musik Aloe Blacc für seinen Auftritt beim Poolbar Festival im Gepäck haben würde.
Sympathische Kommunikation mit dem Publikum
Die großen Hits ließen jedenfalls nicht lange auf sich warten: Nach einem kurzen Intro eröffnete der begnadete Sänger die Show mit „I Need A Dollar“. Doch anstatt mit dem nächsten Track fortzufahren, wurde die Begrüßung des Publikums mit einem Instrumental der Band unterlegt, bei dem die Begleitung des Songs in die Stilistik des Reggae verlegt wurde. Immer wieder wurden so in einer Art Zwischenspiel Call-Response Spiele zwischen Aloe Blacc und dem Publikum eingebaut, oder Details zur Entstehung oder Inspiration des jeweiligen Liedes auf charmante Weise mitgeteilt. Man merkte nicht nur dem Kopf der Band, sondern auch seinen Mitmusikern den Spaß an, den ihnen dieses Konzert bereitete. Eine ehrliche Spielfreude, die sich in Form von ausgelassener Feierstimmung ab der ersten Nummer aufs Publikum übertrug.
Dass die Show diesbezüglich nicht einmal das Anzeichen eines Durchhängers aufkommen ließ, ist zum einen der energetischen, aber überaus angenehmen Bühnenpräsenz von Aloe Blacc zuzuschreiben. Doch dass auch sämtliche Einleitungen, Anekdoten und Ansprachen des Sängers entweder durch ein Anteasern des nächsten Songs, oder eine Variation des soeben Gehörten bereichert wurden und die Band somit gefühlt durchgehend spielte ohne das Publikum zu ermüden, trug einen ebenso starken Anteil daran – ein Beleg für das künstlerische Format Aloe Blaccs und seine langjährige Erfahrung in den ersten Reihen des Unterhaltungsmusik-Business.
Moderne Klassiker sind als Würze seiner Show immer greifbar
Das Publikum erfuhr zudem viel über die verschiedenen Einflüsse des Künstlers. Über besagte Reggae-Version von „I Need A Dollar“ sang er zum Beispiel verschiedene berühmte Lines von Bob Marley. Später streute die Band kongenial musikalische Zitate von James Brown und Marvin Gaye in ein Interlude ein, sobald Aloe Blacc diese und andere Musiker als prägende Einflüsse nannte. Doch nicht nur sein Werdegang, auch sein Songwriting und die Live-Show trägt Spuren vieler Größen aus dem Soul- und Singer-Songwriter-Bereich.
So versteht er einen seiner Songs („Hey Brother“) als eine Art Gegenstück zu „Bill Withers“ „Use Me“, während „Lift Your Spirit“ in der Live-Version noch stärker in die Nähe des Klassikers „I Want You Back“ der „Jackson 5“ gerückt wurde: Beide Songs verbindet sowieso schon dieselbe Tonart und ein nahezu identisches Tempo, was die Band bereitwillig als Einladung anzunehmen schien, die charakteristische Schlussformel der Bassline so natürlich in das Stück hineinzuweben, dass es eine pure Freude war.
Keine Playbacks, kein Laptop. Nur ein großartiger Sänger mit einer top eingespielten Band
Es wird nicht überraschen, dass an dieser Stelle die grandiose Leistung seiner Band explizit hervorgehoben werden möchte, deren Mitglieder über den Verlauf der ganzen Show einzeln vorgestellt wurden und jeweils in Form eines ausführlichen Solos ihr Spotlight genießen und das Publikum begeistern durften. Der Verzicht auf sämtliche Playbacks und die daraus resultierenden entschlackten Bandarrangements kamen Aloe Blaccs fantastischer Soul-Stimme spürbar entgegen. Der Sänger sprach auch davon, dass ihm eine klare Genre-Zuordnung seiner Musik nicht schlüssig erscheine und er daher den Überbegriff „Aim“ (engl. für Ziel(-setzung), Absicht) als Thema bevorzuge. Die Botschaft seiner Songs über „Zustimmung, Inspiration und Motivation“ schien in dieser handgemachten und transparenteren Klanglichkeit jedenfalls noch herzlicher und direkter erfahrbar als auf so mancher von starker Pop-Produktion durchzogenen Albumversion.
Nach einer guten Stunde ertönte dann bereits Aloe Blaccs bekanntester Hit „Wake Me Up“ und läutete das Ende der zeitlich angenehm kompakten, aber überaus unterhaltsamen Show ein, die anschließend von zwei äußerst tanzbaren Zugaben abgerundet wurde.
Tipp: Auf seiner 2024 erschienen Cover EPs „Rock My Soul" (Volume 1&2) kann man sich weiterführend davon überzeugen, mit welch feinem Gespür sich Aloe Blacc diesmal Klassikern verschiedener Rockbands annimmt und sie in den Soul-Kosmos übersetzt.