„Wax Traders“ im Vorarlberger Landestheater: Ein wunderbar spielfreudiges Ensemble (Foto: Anja Köhler)
Sieglinde Wöhrer · 21. Feb 2026 · Theater

„Alles super in Schuss“

Das Theater Karussell lieferte am Freitag im TAK Theater Liechtenstein eine absurd-witzige Komödie über Misstrauen, Moral und den umkämpften Wohnungsmarkt.

Aus dreihundert Bewerber:innen wurden sie ausgewählt und in einer Stunde ist schon die nächste Gruppe dran. „Ist mir egal“, antwortet der Makler auf die Fragen und teilt die Zettel aus. „Das ist alles super in Schuss.“ Er wirkt gestresst und desinteressiert, ist etwas unzugänglich was Fragen betrifft, aber ansonsten ist es eine Besichtigung wie jede andere: Alle sind interessiert und alle wollen einziehen in diese schöne Altbauwohnung mit der ungewöhnlich günstigen Miete.

Einzelgespräche

Zwei junge Frauen bewerben sich als WG, ein geschiedenes Paar braucht räumliche Trennung, ein Start-up-Unternehmer versucht, den Makler mit einer Provision zu bestechen, und der Elektrofachhändler mit dem Geschäft um die Ecke will eigentlich eine Wohnung für seine Tochter. Und alle zusammen stehen sie noch im Wohnzimmer herum, auch wenn die Besichtigung längst vorbei ist. Es sind noch ein paar Möbelstücke übriggeblieben, der überforderte Makler Martin Brockes (Wolfgang Rainer) sitzt am Tisch in der Küche und betont immer wieder, dass es ja nicht nur seine Entscheidung sei. Im Wohnzimmer liegen drei Matratzen aufeinander, ein Türrahmen in der Mitte der Bühne des TAK Theaters Liechtenstein trennt die Räume und während die Interessenten darauf warten, im persönlichen Gespräch von sich überzeugen zu können, beginnen die ersten schon zu zweifeln.
Wenn etwas einen Haken hat, dann bedeutet das einen versteckten Nachteil – eine Redewendung, die möglicherweise auf den Angelhaken zurückgeht, der den Fisch mit einem verführerischen Köder in die Falle lockt. So einen Haken müsse es auch bei dieser Wohnung geben, denn große leistbare Wohnungen in gutem Zustand und begehrter Lage gibt es doch auf unserem aktuellen Wohnungsmarkt kaum mehr. In diesem Sinn könnte das Sprechtheaterstück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz aus dem Jahr 2022 nicht aktueller sein. Die Menschen sind skeptisch und der Umstand, dass die Wohnung absolut in Ordnung zu sein scheint, macht sie gleich noch misstrauischer.

Anschuldigungen gegen den Makler

Der Kampf um eine bezahlbare Wohnung weitet sich aus, wenn unterschiedliche Lebens- und Moralvorstellungen aufeinanderprallen. Es dauert nicht lange bis die Interessent:innen aufeinander losgehen und versuchen, sich gegeneinander auszustechen. Ist die Ex-Frau wirklich bedürftig genug für eine Mietwohnung? Sind die Geldprobleme der einen wichtiger als die Beziehungsprobleme der anderen? „Habt ihr geklärt, wer die Wohnung nimmt?“, fragt das „kapitalistische Superarschloch“. „Warum ausgerechnet wir aus 300?“, bringt es die Studentin Sina auf den Punkt. Wer hat hier früher gewohnt? Was ist mit den anderen Mietern passiert? Herr Özdemir hört sich bei den Nachbarn um, vermeintliche Fakten werden zusammengezählt und Verdächtigungen entwickeln sich zu Anschuldigungen gegen den Makler Martin, der anfangs noch vom Elektrofachhändler ermutigt wird: „Ich finde, Sie machen das gut“, aber dann doch nicht dem üblichen professionellen Bild entspricht.
Mit pointierten Dialogen und beißendem Humor zeigt das Theater Karussell wie schnell sich Menschen in einer angespannten Lage vom „Gedanken machen“ in abstruse Spekulationen hineinsteigern. Spätestens wenn der betagte Vermieter (Hanno Dreher) auftaucht und eine herausragende Performance abliefert, erscheint die Lage völlig klar. Je länger die Figuren miteinander ausharren, umso abwegiger werden die Gespräche, die trotz der absurden Situation direkt aus dem Leben gegriffen sind. Ein Bild, das vor allem durch die authentisch dargestellten Figuren vermittelt wird: Sascha Jähnert ist der überhebliche Unternehmer, Hanna Mierau (Heidi Salmhofer) versucht sich von den Belastungen einer Familie zu befreien, Matthias Brüstle bringt die übergriffige Seite des Ex-Mannes Jan Mierau zum Besten und Alois Ruch spielt den ausgeglichenen und seriösen Migranten Cetin Özdamar, der von Vornherein keine Chance zu haben scheint. Julia Enderli-Rooterings Figur stellt sich aktiv gegen Sexismus im Alltag und Susanna Hasenbach gibt die nervöse, aber fürsorgliche Pflegerin. Nach und nach gibt die Regisseurin Katrin Hilbe diesen Figuren Raum zur Entwicklung, lässt glaubwürdige soziale Spannungen entstehen und verleiht dem Geschehen dabei behutsam eine immer wieder wechselnde, spannende Atmosphäre.

Weitere Aufführungen: 22. und 28.2. und 1.3., TAK Theater Liechtenstein, Schaan
Gastspiele:
26.02., 19 Uhr, Reichshofsaal, Lustenau
27.02., 20 Uhr, Sonnenbergsaal, Nüziders
3.3., 20 Uhr, Kulturbühne Ambach, Götzis 
8.3., 17 Uhr, Altes Kino, Mels
13.3., 20 Uhr, fabriggli, Buchs
15.03., 17 Uhr, Alte Stuhlfabrik, Herisau

Lesen Sie den  Vorbericht dazu in unserer Printausgabe (KULTUR Feb. '26).