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17.07.2019 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2019

Es war eine schöne, eine in sich stimmige, runde Sache - die Eröffnungsfeier der 74. Bregenzer Festspiele am Mittwoch, den 17. Juli, an der die geladenen Gäste in dem, wie in jedem Jahr, gut gefüllten großen Saal des Festspielhauses neben den obligatorischen Festreden das zu erwartende Festspielprogramm in Form von dargebotenen Appetithäppchen kunstreich serviert bekamen. Durchs Programm führte eine Rigoletto-Handpuppe, virtuos geführt von Nikolaus Habjan - herrlich witzig, leichtfüßig und auf sehr positive Weise respektlos.

Den Einlass in den Saal begleiteten Musikerinnen und Musiker des Vorarlberger Landeskonservatoriums mit der Bühnenmusik aus Verdis Rigoletto - eine ganz wunderbare Einstimmung auf die kommende Stunde, jedoch leider auch eine nur wenig dankbare, weil gering beachtete Darbietung, hatten die Gäste doch mehr damit zu tun, ihren Platz zu suchen, sich zu begrüßen und zu unterhalten, als zuzuhören. Mit dem Abspielen von Bundes- und Landeshymne durch die hervorragenden Wiener Symphonikern unter der Leitung von Enrique Mazzola, der auch die späteren Rigoletto-Gusto-Häppchen dirigierte, war der offizielle Auftakt gesetzt.

Puppenspieler und Pfeifer

Nikolaus Habjan, den man nicht nur als ganz großartigen Puppenspieler, sondern auch als herausragenden Pfeifer kennt, stellte dies wieder einmal sowohl mit „Caro nome“ als auch „La donna é mobile“, den bekanntesten Arien aus Rigoletto, eindrücklichst unter Beweis.

Notwendigkeit der Kultur

Neben den Künstlerinnen und Künstlern waren zur Eröffnung natürlich auch die Festredner auf der Bühne zu sehen und zu hören. Habjans Rigoletto-Puppe holte die Redner im Parkett ab und genehmigte ihnen jeweils acht Minuten Redezeit, die auch mehr oder weniger eingehalten wurden. Als erster begrüßte Hans-Peter Metzler, seit vielen Jahren umtriebiger Festspielpräsident, alle Ehrengäste, lobte die geistige Flexibilität und künstlerische Intuition von Intendantin Elisabeth Sobotka und erinnerte an die Notwendigkeit von Kultur für eine humanitäre Gesellschaft.

Appetithappen

Rund ging es im Saal als die KünstlerInnen des Wired Aerial Theatres zu „Zitti, Zitti“ aus Rigoletto wie eine wildgewordene Affenhorde über die Bühne und durch den Saal fegten. Enrique Mazzola dirigierte außerdem einen Ausschnitt aus Bernhard Langs Oper „Der Reigen“ nach Arthur Schnitzlers gleichnamigen Stück. Große Lust auf einen sicherlich genussvollen Abend machte die dargebotene Szene des Ehemanns mit dem Schulmädchen, gesungen von der Sopranistin Shira Patchornik und dem Bariton Wolfgang Stefan Schwaiger.

Junge Gesangstalente

Dirigiert von Daniel Cohen wurde als weiteres Gustostückchen „Seigneur, recois mon âme“ aus Jules Massenets „Don Quichotte“, von Opernsänger und Bassbariton Gábor Bretz eindrucksvoll vorgetragen. Mit dem Finale des zweiten Aktes aus „Eugen Onegin“ von Peter I. Tschaikowksi bewiesen junge Gesangstalente ihr Können unter der äußerst lebendige Leitung von Dirigent Valentin Uryupin.

Beeindruckende Trailer

Bachmannpreisträger Jakob Nolte hat für das Deutsche Theater Berlin eine Zweipersonen-Fassung des „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes geschrieben, die in Kooperation mit den Bregenzer Festspielen mit den Schauspielern Ulrich Matthes und Wolfram Koch unter der Regie von Jan Bosse umgesetzt wird. Ein Trailer dazu wurde bei der Eröffnung auf der großen Leinwand gezeigt , ebenso wie ein Porträt des französischen Komponisten der Neuen Musik und Gründer des Musiktheaterkollektivs CRwTH Francois Sarhan, der mit der Uraufführung seiner musiktheatralen Installation „Wunderwandelwelt“ in Bregenz zu Gast sein wird.

Festspiele sind Oasen

Seit Anfang Juni ist Alexander Schallenberg Bundesminister für Europa, für Integration und Äußeres und für EU, Kunst, Kultur und Medien im Bundeskanzleramt zuständig. „Das Leben ist immer für eine Überraschung gut“, meinte Schallenberg nachdem er seinen Platz am Rednerpult auf der Festspielbühne eingenommen hatte. Niemals habe er gedacht, eines Tages hier in Bregenz die Festspiele zu eröffnen. Für  Schallenberg sind Festspiele Oasen und Möglichkeiten innezuhalten, aufzutanken oder sich inspirieren zu lassen. In seinen Überlegungen verglich er Festspiele mit diplomatischen Konferenzen, fand dabei Vergleichbares aber auch tatsächlich Unvergleichbares.

Verantwortung der Mächtigen

Die dritte und damit eigentliche Eröffnungsrede hielt traditionsgemäß Bundespräsident Alexander Van der Bellen, und dies auf seine ganz eigene, humorvolle, zutiefst menschliche und unprätentiöse Art und Weise. Er stellte die aktuelle politische Situation in Österreich in den Mittelpunkt seiner Rede, erzählte von Gefahren, von Herausforderungen, aber auch den Möglichkeiten, die Machtpositionen beinhalten. So mahnte er von der Politik und ihren Akteuren ein, ihre durch demokratische Wahl verliehenen Machtpositionen verantwortungsvoll und mit dem Blick auf das Gemeinwohl zu nutzen. Auch die drohende Klimakatastrophe war Thema seiner Rede und unser aller Verantwortung dafür.
Mit der berühmten Eröffnungsformel durch den Bundespräsidenten sind die Bregenzer Festspiele 2019 eröffnet. Wir wünschen viel Erfolg - „Möge die Übung gelingen!“

Herrliche Moderation - Rigoletto-Puppe geführt von Nikolaus Habjan

Herrliche Moderation - Rigoletto-Puppe geführt von Nikolaus Habjan

Das Wired Aerial Theatre - die Entführung von Gilda

Das Wired Aerial Theatre - die Entführung von Gilda

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler

Bundesminister Alexander Schallenberg

Bundesminister Alexander Schallenberg

Bundespräsident Alexander Van der Bellen: "Die Bregenzer Festspiele 2019 sind eröffnet." (alle Fotos © Karl Forster)

Bundespräsident Alexander Van der Bellen: "Die Bregenzer Festspiele 2019 sind eröffnet." (alle Fotos © Karl Forster)

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  • Herrliche Moderation - Rigoletto-Puppe geführt von Nikolaus Habjan Herrliche Moderation - Rigoletto-Puppe geführt von Nikolaus Habjan
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