Aktuell in den Filmclubs (29.8. – 4.9.2025)
Das TaSKino Feldkirch / Kino GUK zeigt diese Woche und der Spielboden Dornbirn im Oktober Steven Soderberghs geschliffenen Agentenfilm „Black Bag – Doppeltes Spiel“. Beim FKC Dornbirn – und in den kommenden Wochen in der LeinwandLounge in der Remise Bludenz und in der Kinothek Lustenau – steht dagegen Julie Delpys Komödie „Die Barbaren – Willkommen in der Bretagne“ auf dem Programm. Die Französin rechnet darin ebenso lustvoll wie bissig mit Vorurteilen und Ressentiments ab.
Black Bag – Doppeltes Spiel: Mit einer fulminanten, den Film eröffnenden Plansequenz gibt Steven Soderbergh den Takt seines Agententhrillers vor. Zu Trommelmusik folgt die Kamera im Rücken dem Protagonisten George (Michael Fassbinder) von einer nächtlichen Straße durch Gänge in den Keller eines Nachtclubs, wo die Musik zu Popmusik wechselt. Dort trifft George seinen Chef und weiterhin ohne Schnitt begleitet die Kamera das Duo wieder zurück auf die Straße, wo George informiert wird, dass einer von fünf Geheimdienstmitarbeiter:innen ein Verräter sei und die Szene mit der Aufforderung „Finde die Ratte!“ endet.
Das Thema ist damit vorgegeben und weitgehend auf zwei verdächtige Paare sowie Georges Frau konzentriert sich „Black Bag“. Soderbergh entwickelt ein furioses Spiel um Vertrauen, Misstrauen, Loyalität und Manipulation und mischt souverän Spionagefilm, Agatha-Christie-Krimi und Beziehungsdrama.
Während in den meisten Agentenfilmen das Privatleben der Protagonist:innen völlig ausgespart wird, bildet es hier eine wichtige zweite Ebene. So zieht sich durch den ganzen Film die Frage, wie es Vertrauen und Liebe geben kann, wenn man dem Partner nichts über seine Arbeit erzählen darf. Gleichzeitig wird freilich auch die Frage nach Privatsphäre und Loyalität in einer Welt aufgeworfen, in der jeder jeden mittels modernster Technik jederzeit überwachen und manipulieren kann.
So leichthändig und dicht getaktet das inszeniert ist, so lustvoll spielt auch das kleine Ensemble. Großartig harmonieren nicht nur Michael Fassbender und Cate Blanchett, sondern auch Marisa Abela als IT-Expertin des Geheimdienstes und Naomie Harris als Psychologin, während Pierce Brosnan als aalglatter Chef Erinnerungen an seine Rolle als James Bond weckt.
So bietet „Black Bag“ eine mit 94 Minuten kompakte, aber ausgesprochen vergnügliche und intelligente Kinolektion, die wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt, aber gleichzeitig doch bis ins kleinste Detail geplant ist. Wie die Figuren miteinander spielen, so spielt Soderbergh souverän mit dem Publikum und beweist, dass man dabei auch weitgehend ohne Gewalt, Action und Special-Effects großes Kino schaffen kann.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: bis So 31.8.
Spielboden Dornbirn: Fr 9.10. + Sa 18.10.
Die Barbaren – Willkommen in der Bretagne: Das Insert „Es war einmal …“ kündigt ein Märchen an und auch Figurenkonstellation und Handlung von Julie Delpys achtem Spielfilm sind teilweise märchenhaft, im Kern aber ist diese Komödie fest verankert in der sozialen Realität und aktuellen Problemen. Im Mittelpunkt steht ein Dorf in der Bretagne, das ukrainische Flüchtlinge aufnehmen will. Wenig erfreut ist die Bevölkerung aber, als stattdessen eine syrische Familie kommt.
Treffsicher und mit hohem Tempo spielt Delpy mit Klischees und zeichnet ein karikaturistisch überzeichnetes Bild der unterschiedlichen Bewohner:innen der Gemeinde mit ihren Vorurteilen und Ressentiments, bietet aber auch einen bewegenden Einblick in die bitteren Flüchtlingserfahrungen der syrischen Familie. Gekonnt spielt die Französin aber auch mit dem Medium Film, wenn am Beginn immer wieder den Filmbildern die Aufnahmen für eine TV-Reportage gegenüberstehen, später wiederum Handy-Aufnahmen, mit denen eine Syrerin ihren Alltag dokumentiert, die Filmbilder kontrastieren.
Zum Culture Clash kommt dabei gegen Ende auch noch eine feministische Note hinzu, wenn die Gattin des Rassisten ebenso wie die Frau des Lebensmittelhändlers beginnen, sich gegen ihre dominanten und machistischen Männer aufzulehnen und ihre eigenen Wege zu gehen.
Sehr viel packt Delpy in ihren Film. Weil sie aber immer den richtigen Ton trifft, die Dialoge pointiert sind und die bis in die Nebenrollen treffend besetzten Schauspieler:innen vor Spielfreude sprühen, bewahrt „Les Barbares“ trotz des ebenso ernsten wie aktuellen Themas große Leichtigkeit. Von selbst versteht sich auch, dass angesichts des Märchencharakters ein gutes Ende nicht ausbleiben darf.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 3.9., 18 Uhr + Do 4.9., 19.30 Uhr
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 15.9., 18 Uhr + Mi 24.9., 20 Uhr
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 3.12., 19.00 Uhr
„Treffpunkt Kino“ im Kino GUK, Feldkirch: Mo 12.1. 2026, 15.30 Uhr (dt. Fassung – ab 14.30 Uhr Kaffee/Kuchen)
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