Bregenzer Frühling: Die Hofesh Shechter Company lud mit "Theatre of Dreams" zu einer neunzigminütigen Expedition in die Welt unserer Träume und Albträume. (Foto: Todd MacDonald)
Walter Gasperi · 27. Feb 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (28.2. – 6.3.2025)

Im TaSKino Feldkirch und im Filmforum Bregenz wird diese Woche Jesse Eisenbergs Tragikomödie „A Real Pain“ gezeigt, in der zwei ungleiche Cousins an einer Holocaust-Gedenktour durch Polen teilnehmen. Im Feldkircher GUK Kino wird im Rahmen des Lux-Filmpreis der hybride Dokumentarfilm „Dahomey“ gezeigt, der letztes Jahr bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

A Real Pain: Jesse Eisenberg schickt die ungleichen Cousins David (Jesse Eisenberg) und Benji (Kieran Culkin) mit einer Reisegruppe auf eine Holocaust-Erinnerungstour durch Polen, wo sie ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter gedenken wollen.
Großartig harmonieren Jesse Eisenberg und Kieran Culkin als ungleiches Duo und Culkin lässt hinter dem Witz und Schwung Benjis immer seine Verlorenheit und psychischen Probleme durchschimmern. Souverän hält Eisenberg dabei auch die Balance zwischen Witz und Tragik und verknüpft das Porträt der Cousins sicher mit der Gedenkreise an ihre Großmutter.
Unaufgeregt, aber bewegend erinnert er dabei mit den Stationen dieser Reise auch an den Schrecken des Holocausts. Ganz still wird der Film so beim Besuch des ehemaligen KZ Majdanek. Raum lässt Eisenberg hier dem Schmerz und der Trauer. Aber er macht mit einem Mitreisenden, der den Völkermord in Ruanda überlebt hat und anschließend zum Judaismus konvertiert ist, auch bewusst, dass die Gräuel der NS-Zeit nicht nur etwas Vergangenes sind, sondern in ähnlicher Form auch heute noch vorkommen.
Ohne etwas zu verharmlosen, wird diesem großen historischen Schmerz der persönliche von Benji, aber auch der frisch geschiedenen Marcia gegenübergestellt. Ein kleines Wunder ist dabei schon, wie es Eisenberg gelingt, zwar von den schweren Dingen des Lebens zu erzählen, aber gleichzeitig Leichtigkeit und Optimismus zu verbreiten.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Sa 1.3. bis Do 6.3.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 6.3., 20 Uhr

Dahomey: In ihrem bei der Berlinale 2024 mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten hybriden Dokumentarfilm spürt Mati Diop den Folgen des Kolonialismus nach und wirft Fragen zur Restitution von im 19. Jahrhunderten geraubten Kunstwerken auf. 
Mit blechern-verfremdeter Stimme lässt sie aus einer dunklen Kiste König Ghezo (1797–1858) in der indigenen Sprache Fon darüber klagen, dass in den 1890er Jahren von den französischen Kolonialtruppen 7000 Kunstwerke in Dahomey, dem heutigen Benin, beschlagnahmt und nach Frankreich transportiert wurden. Über 100 Jahre lang wurden die Objekte im Musée d´Ethongraphie du Trocadéro (heute Musée de l‘Homme) und ab 2000 im Musée du Quai Branly aufbewahrt und zum Teil ausgestellt, bis im November 2021 26 Kunstwerke an Benin zurückgegeben wurden.
Auf der Bildebene dokumentiert Diop parallel zu diesen Gedanken des Königs akribisch, wie die Kunstwerke verpackt, ins Flugzeug verladen und in Benin, begleitet von jubelnden Massen am Straßenrand, an ihren neuen Standort gebracht werden. Dort werden sie wieder ausgepackt und ihr Zustand festgehalten, ehe eine Diskussion an der Universität von Abomey-Calavi in Benin ins Zentrum rückt.
Kern des nur 67-minütigen Films ist diese Debatte, die von Diop für den Film organisiert wurde. Sie lässt dabei Meinungen von Student:innen aufeinanderprallen, in denen einerseits das Fortwirken des Kolonialismus aufgedeckt und andererseits der Ruf nach Stärkung der eigenen afrikanischen Identität gefordert wird. Da wird nicht nur Kritik an der Alibi-Aktion Frankreichs geübt, wenn die Kolonialmacht gerade mal einen Bruchteil der geraubten Kulturgüter zurückgibt, sondern auch ein Umdenken in Benin und ganz Afrika wird gefordert.
So verbindet der ganz aus afrikanischer Perspektive erzählte, vielschichtige hybride Dokumentarfilm die Präsentation herausragender Kunstwerke der indigenen Kultur mit dem Ruf nach stärkerer Besinnung der Afrikaner:innen auf ihre kulturellen Wurzeln, deckt aber auch das Fortwirken kolonialer Strukturen auf.
Kino Guk Feldkirch: Mi 5.3. + Mi 22.3. - jeweils 18.15 Uhr


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