Bregenzer Frühling: Die Hofesh Shechter Company lud mit "Theatre of Dreams" zu einer neunzigminütigen Expedition in die Welt unserer Träume und Albträume. (Foto: Todd MacDonald)
Walter Gasperi · 26. Feb 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (27.2. – 5.3.2026)

Die LeinwandLounge in der Remise Bludenz zeigt diese Woche die charmante französische Komödie „Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“. Am Spielboden Dornbirn entführt dagegen die Tragikomödie „Sie glauben an Engel, Herr Drowak“ in eine surreal-kafkaeske Welt.

Jane Austen und das Chaos in meinem Leben: Das Gefühlsleben der eigenwilligen Pariser Buchhändlerin und Hobby-Schriftstellerin Agathe (Camille Rutherford), die für die Romane von Jane Austen schwärmt, kommt während eines Schreibwettbewerbs in der englischen Jane Austen Residency in Bewegung.
Getragen von der noch wenig bekannten, vielversprechenden Camille Rutherford, die Agathe mit einer hinreißenden Mischung aus Charme und Eigensinn spielt, entwickelt Laura Piani eine feinsinnige Komödie, bei der sie geschickt Motive der Romane Jane Austens in die Gegenwart transponiert. Eingebettet ins malerische Ambiente des englischen Herrensitzes stehen auch hier nämlich der Stolz des englischen Hausherrn und Agathes Vorurteil gegenüber dem Briten einer Beziehung zunächst im Wege – und zudem muss sich Agathe auch noch über ihre Gefühle für Felix klarwerden. Mit sanftem und liebevoll-warmherzigem Blick erzählt Piani so leichthändig von einer Selbstfindung durch Überwindung von Ängsten, Unsicherheit und Trauma.
Nebenfiguren wie die Eltern des Hausherrn, die anderen Teilnehmer:innen des Schreibwettbewerbs oder zwei Lamas sorgen dabei immer wieder für Witz. Gleichzeitig trägt auch der fließende Wechsel zwischen Französisch und Englisch sowie die in warmes Licht und Farben getauchten Bilder, bei denen Agathes tiefroter Pullover und ihre Shirts Akzente setzen, zur stimmigen Atmosphäre bei. Leichthändig mischt Piani aber auch Gespräche mit den anderen Schriftsteller:innen darunter, in denen die Rolle der Literatur diskutiert wird. Während Agathes Kolleg:innen dabei die politische, gesellschaftskritische und feministische Funktion in den Vordergrund stellen, betont sie selbst – und mit ihr wohl auch die Regisseurin – die Rolle von Literatur als Lebenshilfe, die – wie Agathes Vater immer sagte – das einzige Mittel sei, das Ordnung in das phänomenale Chaos der Gedanken und Gefühle bringe.
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 4.3., 19 Uhr (franz.-engl. OmU)

Sie glauben an Engel, Herr Drowak: Der Schweizer Nicolas Steiner wirft die Zuschauer:innen in seinem Spielfilmdebüt schon mit den ersten kontrastreichen Schwarzweißbildern (Kamera: Markus Nestroy) in eine surreal-kafkaeske Welt. Hautnah folgt die Kamera Ratten durch schmale Gänge, mit leeren Bier- und Schnapsflaschen überfüllt ist die Wohnung des versifften und vorwiegend saufenden Pensionisten Hugo Drowak (Karl Markovics). Ungewöhnliche Perspektiven brutalistischer Hochhaussiedlungen erzeugen eine bedrückende Atmosphäre, während ein bewaffneter Trupp vom Amt anrückt, um Herrn Drowak zu delogieren. Weil nur die Beteiligung an einem Resozialisierungsprojekt seine Verlegung in ein Heim verhindern kann, meldet er sich – als einziger – für einen Schreibkurs. Um den Job als Schreibtherapeutin wiederum bewirbt sich die lebensfrohe Germanistikstudentin und Puppenspielerin Lena (Luna Wedler).
Klassische Gegensätze prallen mit diesen beiden Protagonist:innen aufeinander und mit sichtlichem Vergnügen und großem Einsatz spielen die bestens harmonierenden Karl Markovics und Luna Wedler diese Rollen. Mag er sie bei der ersten Begegnung auch noch heftig verbal angreifen und auf ihre Frage „Was fehlt Ihnen zum Glück?“ antworten „Die Abwesenheit von Menschen!“, so ist doch vorhersehbar, dass sie mit ihrer ansteckenden Lebensfreude und ihrer Hartnäckigkeit auch die harte Schale von Drowak, den zunehmend auch Erinnerungen an seine große Liebe einholen, langsam knacken wird.
So erzählt Steiner einerseits von Alterseinsamkeit und Trauma, andererseits aber auch von einer Erlösung und Selbstfindung durch Menschenfreundlichkeit und Empathie. Mindestens gleich wichtig wie die Geschichte ist dem 42-jährigen Walliser aber die filmische Gestaltung. Mit Lust an zahlreichen skurrilen bis surrealen Details beschwört Steiner eine düstere Welt, die von Filmen wie Jean-Pierre Jeunets „Delicatessen“ und Terry Gilliams „Brazil“ inspiriert zu sein scheint. Eine Fülle zu sehen gibt es so in diesem Film, gleichzeitig wirken diese Details aber doch auch etwas mechanisch und selbstzweckhaft.
Spielboden Dornbirn: Mi 4.3., 19.30 Uhr (Deutsche Originalfassung)

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