Bruno Kreisky (Nils Arztmann) schiebt sein Rad durch den Wiener Arbeiterbezirk. (Foto: Dor Film/Petro Domenigg)
Walter Gasperi · 24. Jul 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (25.7. – 31.7.2025)

Beim Feldkircher Poolbar Festival wird diese Woche mit „Teaches of Peaches“ Philipp Fusseneggers und Judy Landkammers mitreißender Dokumentarfilm über die in Berlin lebende kanadische Rocksängerin, Performerin und Feministin Peaches gezeigt. Beim Open Air des KUB Bregenz brilliert dagegen Greta Gerwig in Noah Baumbachs „Frances Ha“ als wenig erfolgreiche Tänzerin, die sich durch Nichts unterkriegen lässt.

Teaches of Peaches: Der menschliche Körper und dessen Inszenierung ist das zentrale Thema in den Filmen des gebürtigen Dornbirners Philipp Fussenegger. Nachdem er im Dokumentarfilm „I Am the Tigress“ ein Porträt der afroamerikanischen Bodybuildern Tisha Thomas zeichnete, widmet er sich in „Teaches of Peaches“, bei dem seine langjährige Editorin Judy Landkammer erstmals Co-Regie führte, der 1966 in Toronto geborenen und in Berlin lebenden Rocksängerin, Performerin und Feministin Peaches.
Kurz, aber prägnant sind die Informationen zu den Wurzeln von Peaches als polnisch-jüdische Kanadierin, eindrücklich das Archivmaterial zu ihren ersten musikalischen Aktivitäten als Kindergärtnerin. In scharfem Kontrast stehen diese Bilder der liebevollen Arbeit mit Kindern zu den exzentrischen Bühnenauftritten. Auch der Weg über das Folk Trio The Mermaid Café und die Noise-Rock-Band The Shit sowie ihre Erkrankung an Schilddrüsenkrebs werden nur kurz gestreift.
Der Fokus liegt auf dem Spannungsfeld zwischen dem Jahr 2000, in dem sie mit dem Umzug nach Berlin auch die Kunstfigur Peaches schuf und mit „Teaches of Peaches“ ihr zweites Studioalbum herausbrachte, und der Tour 2022. Die Jahre dazwischen werden weitgehend ausgespart. In fließender Montage gehen mit privatem Archivmaterial, zu dem Peaches den Filmemacher:innen erstmals Zutritt gewährte, und Aufnahmen von der „Anniversary Tour 2022“ sowie Interviews mit Bandmitgliedern und Wegbegleiter:innen Vergangenheit und Gegenwart ineinander über.
Beeindruckend ist dabei, wie Fussenegger und Landkammer Archivmaterial, Interviews und Aufnahmen von der Tour zu einem bruchlosen Ganzen fügten. Großen Sog entwickelt diese Hommage an diese LGBTQ+-Ikone so durch die Montage, wird aber auch entscheidend getragen von der Präsenz der Protagonistin. Wie sie das Publikum in den Konzerthallen mitreißt und sich von ihren Fans tragen lässt, so reißt auch „Teaches of Peaches“ mit. Gleichzeitig werden in diesem ebenso kraftvollen wie anregenden Dokumentarfilm in den Interviews mit Bandmitgliedern und ihrem Freund sowie vor allem mit ihr selbst auch Einblick in ihre Persönlichkeit geboten und das Bild einer Frau gezeichnet, die im Privatleben wesentlich ruhiger und reflektierter als bei ihren Bühnenauftritten ist.
Poolbar Festival Feldkirch, Open Air auf der Wiese Reichenfeld: Mi 30.7., 21 Uhr 

Frances Ha: Die quirlige, aber wenig erfolgreiche 27-jährige Tänzerin Frances (Greta Gerwig) lebt mit ihrer Freundin Sophie zunächst in einer kleinen Wohnung in Brooklyn, muss aber eine neue Bleibe suchen, als Sophie plötzlich auszieht. Diese findet sie zunächst in einer WG mit zwei Männern, besucht bald auch ihre Eltern in Kalifornien und unternimmt kurz entschlossen und trotz finanzieller Probleme auch mal einen Wochenendtrip nach Paris. Auf und Ab geht es in ihrem Leben, aber unterkriegen lässt sich diese Frau nicht. Entsprechend einer Textzeile aus David Bowies „Modern Love“ lässt Noah Baumbach sie stets aufs Neue versuchen, ihre Träume zu verwirklichen, und erklärt ihr und den Zuschauenden mit Hot Chocolate „Everyone‘s a winner, baby“.
Wunderbar ist diese Komödie Noah Baumbachs in ihrer befreiten Erzählweise. Hier werden nicht Szenen dramatisch zugespitzt und breit ausgewalzt, sondern kurz angerissen und locker aneinandergereiht. Spielerisch wird der Film in Episoden gegliedert durch Inserts von Adressen, die die Wohnungswechsel von Frances markieren. In der Frische und der brillanten Schwarzweißfotografie erinnert Baumbachs Film dabei sowohl an die frühen New York-Filme Woody Allens als auch an die frühen Arbeiten von Jim Jarmusch, kommt aber ungleich leichter und verspielter daher, und erweist – nicht zuletzt durch die Verwendung von Musik von Georges Delerue – auch der französischen Nouvelle Vague, speziell den Filmen Francois Truffauts, seine Reverenz.
Getragen wird „Frances Ha“ aber vor allem von einer umwerfenden Greta Gerwig, die auch zusammen mit ihrem Lebenspartner Baumbach das Drehbuch schrieb. In jeder Szene ist sie präsent und hält mit ihrer Energie und der durch nichts zu erschütternden Lebensfreude diesen in seinem Optimismus beglückenden Film am Laufen. 
Kunsthaus Bregenz, Open-Air auf dem Karl-Tizian-Platz: Do 31.7., 21.15 Uhr


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