Lukas Oscar beim Poolbar Festival (Foto: Daniel Furxer)
Walter Gasperi · 18. Sep 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (19.9. – 25.9. 2025)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche im Parktheater Lindau Wes Andersons vor Einfallsreichtum sprühenden zwölften Spielfilm „The Phoenician Scheme - Der phönizische Meisterstreich“ (im November dann bei der LeinwandLounge in der Remise Bludenz zu sehen). Im Skino Schaan steht dagegen im Rahmen einer Reihe mit aktuellen spanischen Filmen unter anderem Jonás Truebas charmante Anti-RomCom „Volveréis“ auf dem Programm.

Volveréis: Der Weg der klassischen RomCom führt von der ersten Begegnung über diverse Hindernisse und Brüche zum Happy End. In Jonás Truebas Komödie haben sich die Filmemacherin Ale (Itsaso Arana) und der Schauspieler Alex (Vito Sanz) aber schon vor 14 Jahren gefunden. Jetzt haben sie das Gefühl, dass es Zeit für eine Trennung ist. Grund dafür wird allerdings keiner genannt. Man streitet sich auch nicht, sondern gemeinsam im Bett liegend fasst man den Beschluss. Entsprechend den Vorstellungen von Ales Vater (Fernando Trueba), der die Meinung vertritt, dass man nicht den Beginn einer Beziehung, sondern deren Ende feiern soll, wollen sie für ihre Trennung eine Party organisieren. Dass Ale beim einleitenden Gespräch den Gedanken äußert, diese Idee könnte als Film funktionieren, bringt eine Meta-Ebene ins Spiel, ist sie doch Filmemacherin und arbeitet an einem neuen Film. Bei einem Testscreening dieses Films im Film, in dem selbstverständlich ihr Noch-Partner Alex die Hauptrolle spielt, finden sich so auch Szenen der Filmhandlung wieder und mehrfach wird auch explizit auf Filmklassiker Bezug genommen.
Dazu kommt mit Sören Kierkegaard auch noch eine philosophische Ebene. Wie dieser im Buch „Die Wiederholung“, das Ale von ihrem Vater erhält, die Meinung vertritt, dass das wahre Glück nicht in der stürmischen Liebe, sondern in der Wiederholung liege, so spielt Trueba mit Wiederholungen. 
Leichthändig und charmant ist diese etwas andere Liebeskomödie inszeniert und wird von den blendend harmonierenden Hauptdarsteller:innen getragen. Andererseits sorgt das Spiel mit Wiederholungen aber auch dafür, dass sich die Handlung gegen Ende des immerhin fast zweistündigen Films doch etwas zieht. Eine gewisse Straffung und etwas mehr Tempo hätten da nicht geschadet, aber sympathisch unterhalten wird man insgesamt dennoch.
Skino Schaan: Di 23.9., 18 Uhr

The Phoenician Scheme - Der phönizische Meisterstreich: In seinem zwölften Spielfilm entführt der Texaner Wes Anderson das Publikum in einen märchenhaften Nahen Osten der 1950er Jahre. Der Geschäftsmann Zsa-Zsa Korda (Benicio del Toro), der mit Geschäften in der Rüstungs- und Luftfahrtbranche zu einem der reichsten Männer Europas aufgestiegen ist, möchte in diesem Fantasieland ein großes Infrastrukturprojekt verwirklichen, um sein Vermögen und seine Macht nochmals zu vergrößern. Weil aber seine Konkurrenten ebenso wie die US-Regierung ihm nach dem Leben trachten, möchte er gleichzeitig auch sein Erbe regeln und seinen gesamten Besitz seiner Tochter Liesl (Mia Threapleton) vermachen. Diese steht zwar als Nonne kurz vor dem Gelübde, soll ihn aber zusammen mit einem norwegischen Insektenforscher (Michael Cera) auf seiner Reise durch den Nahen Osten begleiten.
Wie gewohnt reiht Anderson eine ebenso liebevoll und detailreich wie kunstvoll gestaltete Szene an die nächste. Echtes Augenfutter bieten die vielfach fast symmetrischen und perfekt ausgestatteten Einstellungen. Jeder Farbtupfer ist hier überlegt gewählt. Auch an inhaltlichem Einfallsreichtum mangelt es nicht, wenn bald auch Terroristen mitmischen, der norwegische Insektenforscher seine wahre Identität offenbart, Anschläge vereitelt werden müssen und ein Deal per Basketballspiel ausgehandelt wird. 
Gleichzeitig ist das mit seinen zahlreichen Filmzitaten und Anspielungen auch eine Liebeserklärung ans klassische Hollywood der 1940er Jahre und bietet zudem Kurzauftritte zahlreicher Stars von Scarlett Johansson über Tom Hanks bis zu Charlotte Gainsbourg. Im Zentrum stehen aber Benicio del Toro als Korda, Kate Winslets 23-jährige Tochter Mia Threapleton als Nonne, die sukzessive Vergnügen an weltlichen Freuden wie Bier oder Lippenstift entwickelt, sowie Michael Cera als nur nach außen hin schüchterner Insektenforscher. Ihr stoisches Spiel und die knochentrockenen Dialoge passen perfekt zur bewusst künstlichen Welt des Films und sorgen in Verbindung mit dem Einfallsreichtum für beste Unterhaltung, obwohl nicht zu übersehen ist, dass an die Stelle der Originalität der frühen Filme Andersons mit der stilistischen Wiederholung zunehmend auch Abnützungserscheinungen treten.
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Do 25.9., 19.30 Uhr
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 5.11., 19 Uhr

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