Die Schubertiade Schwarzenberg hat dem Bregenzerwald enorm viel touristisches Entwicklungspotenzial geboten. (Foto: Dominic Kummer / Bregenzerwald Tourismus)
Walter Gasperi · 17. Aug 2023 · Film

Aktuell in den Filmclubs (18.8. – 24.8. 2023)

Das heurige Open Air-Kino auf dem Marktplatz Rankweil geht langsam – unter anderem – mit der Feelgood-Komödie „Maria träumt – Oder: Die Kunst des Neuanfangs“ zu Ende. Im Filmforum Bregenz brillieren dagegen Fanny Ardant und Melvil Poupaud im Liebesfilm „Im Herzen jung – Les jeunes amants“.

Im Herzen jung – Les jeunes amants: Nur kurz begegnen sich der junge Onkologe Pierre (Melvil Poupaud) und die ältere Architektin Shauna (Fanny Ardant), als diese ihre todkranke Freundin im Krankenhaus besucht. Spürbar wird aber sofort die gegenseitige Sympathie, die über ärztliche Fürsorge hinausgeht.
Mit einem Schnitt überspringt Carine Tardieu nach dieser Exposition 15 Jahre und lässt den nun 45-jährigen Pierre die inzwischen 70-jährige Frau während eines Kongresses in Irland sich wiederbegegnen. Wieder sind es Blicke und Gesten, in denen die stille Übereinstimmung und Vertrautheit sofort greifbar werden, gleichzeitig sind aber auch die Zurückhaltung und Unsicherheit unübersehbar.
Schon diese ersten Momente berühren, weil die Gefühle durch Tardieus feinfühligen Blick und das Spiel von Fanny Ardant und Melvil Poupaud echt und wahrhaftig wirken. Man spürt im Spiel Ardants, dass ihre Shauna nie daran gedacht hat, sich nochmals zu verlieben, zufrieden ist mit ihrem Single-Leben, bis dann in ihren Blicken doch ganz sanft eine Sehnsucht und ein Begehren aufflackern.
Vorhersehbar ist, dass sich eine Liebesbeziehung entwickeln wird. Doch wie behutsam Tardieu dieses Spannungsfeld von Begehren und Zögern inszeniert, wie zart sie auf das Paar blickt, wenn die Kamera bei den ersten Küssen ganz nah dran ist, das unterscheidet „Im Herzen jung“ dann doch von den meisten Liebesfilmen.
Die Französin setzt nicht auf große emotionale Momente, sondern erzählt zurückhaltend und leuchtet differenziert die komplexe Situation und die Bedenken besonders Shaunas aus. Nicht isoliert steht dieses Paar dabei da, sondern ist in soziale Gefüge eingebettet. Den kritischen Blicken der Umwelt auf diese Altersgrenzen überschreitende Beziehung erteilt die Regisseurin dabei, ohne zu dozieren, eine Absage und plädiert entschieden für die Gefühle und die reine Liebe.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 24.8., 20 Uhr


Maria träumt – Oder: Die Kunst des Neuanfangs: Als die alte Dame, deren Haushalt Maria (Karin Viard) viele Jahre geführt hat, stirbt, muss die Mittfünfzigerin einen neuen Job finden. Rasch ist dieser in der Stelle einer Reinigungskraft in der Pariser Académie des Beaux-Arts gefunden, doch die zurückhaltende Frau aus der Vorstadt kommt damit auch in ein ihr völlig unbekanntes Milieu. Dass Maria hier auch einmal ein Kunstwerk, das sie für eine Verunreinigung hält, entsorgt, ergibt sich von selbst, doch der grummelige Hausmeister Hubert (Grégory Gadebois) vertuscht solche Fehler. Seelenverwandte haben sich da nämlich getroffen, denn beide sind zwar nicht unglücklich, doch Lebensfreude und Leidenschaft scheinen ihnen längst abhanden gekommen – ihr im kleinbürgerlichen Leben und Hubert, der den Spitznamen Mammut trägt, durch seine nahezu lebenslange Arbeit in der Akademie.
Alles andere als neu ist die Geschichte von der Selbstfindung einer Frau im mittleren Alter, doch der Kontrast von Kunstakademie mit immer wieder neuen originellen Kunstwerken und kleinbürgerlicher Welt der Protagonistin und vor allem die zurückhaltende Inszenierung von Lauriane Escaffre und Yvo Muller sorgen doch für liebenswerte und charmante Unterhaltung.
Getragen wird diese warmherzige Feelgood-Komödie aber vor allem vom Spiel Karin Viards und Grégory Gadebois. Bestens harmonieren Viard als einfache Reinigungskraft und Gadebois als bärenhafter, aber herzensguter Hausmeister. Auch sie drehen bei ihrem Spiel nicht auf, sondern machen gerade mit ihrer Zurückhaltung spürbar, wie unter der Oberfläche Sehnsüchte und Leidenschaften verschüttet sind. Zuzuschauen, wie sie langsam aufblühen und wieder Lebensfreude entwickeln, bereitet einiges Vergnügen und kann einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Filme unter Sternen (Open Air), Marktplatz Rankweil: Do 24.8., 21 Uhr

 

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