Chris Haring/Liquid Loft beim tanz ist Festival am Spielboden Dornbirn (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 16. Mai 2024 · Film

Aktuell in den Filmclubs (17.5. – 23.5.2024)

TaSKino Feldkirch und Filmkulturclub Dornbirn zeigen diese Woche mit „Mit einem Tiger schlafen“ Anja Salomonowitz‘ hybriden Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig. Beim Spielboden Dornbirn steht dagegen Veronika Franz‘ und Severin Fialas beklemmendes Historiendrama „Des Teufels Bad“ auf dem Programm.

Mit einem Tiger schlafen: Anja Salomonowitz ist nicht an einer chronologischen Nacherzählung des Lebens der 1919 in Kärnten geborenen Maria Lassnig interessiert und will auch nicht ein vollständiges Bild zeichnen. Vielmehr reiht die Österreicherin in freier Erzählweise Szenen aneinander, in der sie quer durch die Zeiten und Orte springt. Einziges Bindeglied ist so Birgit Minichmayr, die Großartiges leistet, wenn sie ganz ohne Maske Lassnig sowohl als Kind als auch als zunächst zurückhaltende, später als selbstbewusste Künstlerin und als Greisin spielt. Gleich bleiben zwar ihre Frisur und ihre Brille, aber Körperhaltung, Gesichtsausdruck oder auch eine Krücke und ein Krankenbett markieren doch immer die unterschiedlichen Lebensalter.
Ohne Zeitinserts wechselt der Film dabei zwischen Kindheitsszenen in Kärnten, in denen die Mutter das künstlerische Talent Marias erkennt, aber auch finanziell ausnutzt, Momenten in ihrem Atelier in New York oder einer Galerie, in der sie unzufrieden  über die Aufstellung und Anordnung ihrer Bilder ist.
Lassnigs Gemälde sind dabei nicht nur in den inszenierten Szenen zu sehen, sondern werden auch immer wieder dazwischen ebenso leinwandfüllend vor weißem Hintergrund eingeblendet wie einer ihrer Kurzfilme. Damit kommt ebenso ein dokumentarisches Element ins Spiel wie mit einem Interview mit der Fotografin Elfi Semotan oder wenn Maria Nicolini, die die Großmutter Lassnigs spielt, aus ihrer Rolle heraustritt und direkt in die Kamera Forschungsergebnisse zur Künstlerin referiert.
Zu einem geschlossenen Bild sollen sich die einzelnen Szenen wohl bewusst nicht fügen, sondern vielmehr signalisieren, dass man einen Menschen nie ganz, sondern immer nur bruchstückhaft erfassen kann. Doch die Splitter vermitteln insgesamt einen vielschichtigen Eindruck dieser herausragenden Künstlerin des 20. Jahrhunderts und regen zu einer intensiveren Beschäftigung mit ihr an.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Mo 20.5. bis Sa 25.5.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 22.5., 18 Uhr + Do 23.5., 19.30 Uhr

Des Teufels Bad: Veronika Franz und Severin Fiala erzählen auf der Basis von historischen Gerichtsakten von einer oberösterreichischen Bäuerin (Anja Plaschg), die um 1750 sukzessive in eine Depression gleitet.
Mit dunklen Farben, detailreicher Ausstattung und Kostümen evoziert das Regie-Duo dicht die archaisch-bäuerliche Welt des 18. Jahrhunderts, in der über Gefühle nicht nur nicht gesprochen wird, sondern diese auch kaum präsent zu sein scheinen. Freudlos und kalt ist dieses Leben und dicht beschwören dies die Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Intensiv und detailreich ist der Blick auf die harte tägliche Arbeit wie das Fischen oder das Kochen in der einfachen Küche, großartig vermittelt Gschlacht aber auch in den nur von Herdfeuer und Kerzen erleuchteten Innenszenen die armselige und bedrückende Stimmung.
Wesentlich zur Dichte dieses Historiendramas, das im Kern einen Horrorfilm in sich birgt, aber kaum mit den Mitteln des Genres arbeitet, trägt auch die enge Handlungsführung mit konsequenter Fokussierung auf Agnes und dem unmittelbaren bäuerlichen Umfeld bei. 
Mit großer Konsequenz und kompromisslos erzählen Franz / Fiala und öffnen den Blick auf einen wenig bekannten, dunklen Aspekt der Geschichte der Neuzeit. Am erschütternden Psychogramm ihrer Protagonistin erinnern sie dabei an die rund 400 Frauen, die nach den jahrelangen Recherchen der Historikerin Kathy Stuart im deutschsprachigen Raum ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Gleichzeitig bleibt Des Teufels Bad" dabei aber auch ganz im Historischen. Denn auch wenn Depression und religiöser Fanatismus durchaus aktuelle Themen sind, so lädt der fesselnde Film doch kaum zur Übertragung des Geschilderten auf die Gegenwart ein.
Spielboden Dornbirn: Di 21.5. + Fr 31.5. – jeweils 19.30 Uhr
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 24.7., 18 Uhr + Do 25.7., 19.30 Uhr

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