Aktuell in den Filmclubs (15.5. – 21.5. 2026)
Der Spielboden Dornbirn zeigt diese Woche in Kooperation mit dem Crossing Europe Filmfestival Linz den Dokumentarfilm „Die noch unbekannten Tage“, in dem Jola Wieczorek die Migration ihrer Familie in den späten 1980er Jahren von Polen nach Österreich aufarbeitet. In der Kinothek Lustenau und beim FKC Dornbirn sowie in den kommenden Wochen beim Filmforum Bregenz und im Heerbrugger Kinotheater Madlen steht dagegen İlker Çataks bei der heurigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnetes Drama „Gelbe Briefe“ auf dem Programm.
Gelbe Briefe: In İlker Çataks („Das Lehrerzimmer“) bei der heurigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnetem fünften Spielfilm verliert ein türkisches Künstlerehepaar wegen seines politischen Engagements seine Arbeit. Die sich dadurch bald zuspitzende finanzielle Situation führt nicht nur zunehmend zu Spannungen in der Beziehung, sondern wirft beim Paar auch die Frage auf, ob sie sich anpassen oder an ihren Idealen festhalten sollen.
Konzentriert auf die Beziehungen des Ehepaars zu seiner 13-jährigen Tochter, zur Mutter des Mannes, die ihnen Unterkunft gewährt, dem konservativen Bruder der Frau sowie zu ihren politischen Mitstreitern entwickelt sich ein dichtes Drama. Dass dabei – wie durch Inserts betont – Berlin als Ankara und Hamburg als Istanbul fungieren und dementsprechend die Autos deutsche Nummernschilder tragen und in einem Gerichtssaal die Aufschrift „Im Namen des Volkes“ zu lesen ist, sorgt nicht nur für einen Verfremdungseffekt, sondern enthebt „Gelbe Briefe“ auch dem türkischen Kontext und verleiht ihm Universalität.
Intensive Szenen gelingen Çatak immer wieder, wenn er seinen großartigen Schauspieler:innen Özgü Namal und Tansu Biçer viel Raum lässt, um in langen Einstellungen ihre Positionen auszuagieren. Eindrücklich zeigt dieses packende Ehe- und Politdrama dabei auf, wie sich politischer Druck und die daraus resultierenden ökonomischen Folgen auf private Beziehungen auswirken und stellt auch an das Publikum die Frage, wie es bei Repressionen im Spannungsfeld von Idealen und Anpassung an die politischen Verhältnisse agieren würde.
Kinothek Extra in der Kinothek Lustenau: Mo 18.5., 18 Uhr + Mi, 27.5., 19.30 Uhr (türk. OmU.)
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 20.5., 18 Uhr + Do, 21.5., 19.30 Uhr (türk. OmU.)
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 24.6., 19.30 Uhr (türk. OmU.)
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 20.7., 20.15 Uhr (türk. OmU.)
Die noch unbekannten Tage: Jola Wieczorek begibt sich in ihrem beim heurigen Max Ophüls Preis als bester Dokumentarfilm ausgezeichneten Langfilmdebüt ausgehend vom Gegensatz zwischen dem Sehverlust und der einsetzenden Demenz ihrer Mutter auf der einen Seite und ihrer eigenen Schwangerschaft auf der anderen Seite auf eine Spurensuche nach der Migration ihrer Familie von Polen nach Österreich. Begleitet von ihren Eltern und ihrem Bruder wiederholt sie die Reise von Polen nach Österreich aus dem Jahr 1989, besucht die Orte dieser Migration und ergänzt die aktuellen Aufnahmen durch alte Super-8-Filme, die durch Filmformat und Körnung von den neuen Aufnahmen klar abgehoben sind, Gespräche mit den Eltern und ihr eigenes persönliches Voice-over.
Bewegend wird so an die bedrückenden Verhältnisse in Polen und die großen Hoffnungen, die die Emigration weckte, aber nicht erfüllte, erinnert. Denn statt ins Wunschland Kanada oder Australien zu gelangen, blieb man in Österreich stecken, wo man zunächst im Flüchtlingslager Traiskirchen lebte und schließlich in Bad Goisern, das ironischerweise auch der Geburtsort von Jörg Haider ist, eine neue Heimat fand.
In der detailreichen Nachzeichnung dieses schweren Neubeginns, der nicht nur von einer prekären wirtschaftlichen Situation, sondern für die damals sechsjährige Filmemacherin auch von einem Gefühl der Fremdheit und der Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat gekennzeichnet war, verdichtet sich das persönliche Schicksal zum eindrücklichen und universellen Bild der vielfältigen Folgen einer Migration.
Spielboden Dornbirn: Mi 20.5. + Fr 5.6., jeweils 19.30 Uhr (deutsch-poln. OmU.)
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