María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Walter Gasperi · 13. Aug 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (14.8. – 20.8.2026)

Während beim Rankweiler Open-Air-Programm „Filme unter Sternen“ unter anderem der von Witz durchzogene, humanistische Science-Fiction-Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“ auf dem Programm steht, spürt beim FKC Dornbirn und beim TaSKino Feldkirch im unaufgeregten spanischen Spielfilm „Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“ eine junge Filmstudentin ihrer Familiengeschichte nach.

Der Astronaut – Project Hail Mary: Einen ungewöhnlichen Ton für einen Science-Fiction-Film schlagen Christopher Miller und Phil Lord schon zu Beginn an, wenn Ryland Grace (Ryan Gosling) auf einem Raumschiff aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht. Von Witz durchzogen ist nämlich, wie der Astronaut sich aus seinem Anzug schält und sich nach einem Sturz von der Liege langsam wieder hochrappelt. Rasch entdeckt Grace, dass er der einzige Überlebende der dreiköpfigen Besatzung ist, doch er weiß zunächst nicht, wie er überhaupt auf das Raumschiff gekommen ist und was seine Aufgabe ist. Erst langsam findet er seine Erinnerung wieder und kurze Rückblenden, die sich durch den ganzen Film ziehen, bieten Einblick in die Vorgeschichte dieser Weltraummission.
Die Haupthandlung spielt aber auf dem Raumschiff, auf dem sich Grace zunächst orientieren muss, dann aber bald ein anderes Raumschiff entdeckt, auf dem sich ein spinnenförmiges, steinernes Alien befindet. Ausführlich und mit liebevollem Witz schildern Miller und Lord die Schwierigkeiten der Kommunikation, die Überwindung von zahlreichen Hürden und das langsame Wachsen einer innigen Freundschaft. Mehr Großaufnahmen der beiden auf sich gestellten Raumfahrer als Totalen des weiten Weltraums dominieren dieses Kammerspiel, und statt eines Special-Effects-Feuerwerks steht die menschliche Komponente im Zentrum, denn die ungleichen Freunde müssen zusammenspannen, um ein die Existenz bedrohendes Problem zu lösen. Mehrere gefährliche Weltraumspaziergänge von Grace sowie eine ebenso spektakuläre wie packende Actionszene bleiben nicht aus, doch von diesen dramatischen Momenten abgesehen bleibt der Erzählton leicht und komödiantisch.
Filme unter Sternen – Open Air auf dem Marktplatz Rankweil: Fr 14.8., 21 Uhr (deutsche Fassung)

Romería – Das Tagebuch meiner Mutter: Im abschließenden Film von Carla Simóns autobiographisch inspirierter Trilogie (Fridas Sommer, 2017; Alcarràs – Die letzte Ernte, 2022) spürt die angehende Filmstudentin Marina in Vigo dem Leben ihres früh verstorbenen und ihr unbekannten Vaters nach.
Statt stringent eine Handlung zu entwickeln, zeichnet Simón, getragen von einem großartigen Ensemble, ein dichtes und komplexes Bild einer Familie, in der lieber geschwiegen als geredet und die unliebsame Vergangenheit verdrängt und verdreht statt aufgearbeitet wird. Ebenso unauffällig wie brillant dringt die bewegliche Kamera von Hélène Louvart in die Familie ein und deckt unterschiedliche Charaktere und Verhaltensweisen auf. Ergänzt werden diese „objektiven“ Filmbilder durch Marinas eigene „subjektive“ Aufnahmen mit einer Videokamera, die durch Unschärfe, leichte Überbelichtung und geringfügig kleineres Bildformat von der Hauptebene abgehoben sind. 
Gegliedert durch Datumsangaben und Inserts zu Fragen familiärer Prägung und dem Lebensstil der Eltern in den 1980er Jahren dringt Marina mit den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter als Leitfaden immer tiefer in die Vergangenheit ein. Wie Simón dabei ohne dramatische Zuspitzung, sondern allein durch die Beobachtung der Figuren, die unaufdringliche, aber überlegte Konstruktion und die feinfühlige Verbindung der unterschiedlichen Film- und Zeitebenen Familienbeziehungen und Familiengeschichte subtil und differenziert auslotet und der Verdrängung offenes Bekenntnis zur Vergangenheit gegenüberstellt, sorgt dafür, dass sich dieser Film langsam, aber nachhaltig ins Herz der Zuschauer:innen einschleicht und auch über die eigene Familiengeschichte reflektieren lässt.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 14.8. bis Do 20.8. (span. OmU.)
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 19.8., 18 Uhr + Do 20.8., 10.30 Uhr (span. OmU.)

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