Aktuell in den Filmclubs (14.6. – 20.6.2024)
Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche das packende französische Sozialdrama „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“. Das Heerbrugger Kinotheater Madlen bietet dagegen in „Die Anhörung“, in dem reale Asylverfahren nachgestellt werden, beklemmenden Einblick in das problematische Anhörungs- und Befragungsverfahren.
Julie – Eine Frau gibt nicht auf: Julie steht als alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern und Teamleiterin von Zimmermädchen eines Pariser Fünfsterne-Hotels unter Dauerstress. Keinen Moment der Entspannung gibt es, denn zum beruflichen Stress, zum Streik der öffentlichen Verkehrsmittel, der Nerven und Zeit bei der Fahrt zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause kostet, kommt auch noch der wiederholte Anruf des Bankbetreuers, der den Rückstand bei der Zahlung eines Kredits kritisiert. Andererseits reagiert Julies Ex-Mann und Kindesvater auf ihre Anrufe und ihr Drängen auf Zahlung des Unterhalts nicht.
Enormen Druck, Dichte und Dringlichkeit entwickelt dieses Sozialdrama durch die Konsequenz und Nähe, mit der Eric Gravel seiner Protagonistin durch ihren Alltag folgt. Gänzlich aus ihrer Perspektive wird erzählt, in jeder Szene ist sie präsent und großartig vermittelt Laure Calamy die Anspannung, aber auch die enorme Kraft dieser Kriegerin des Alltags.
Das ist schnörkelloses sozialrealistisches Kino von höchstem Niveau, das allein aus der schonungslos realistischen Schilderung nicht nur einen bewegenden Eindruck von der Härte des Lebens einer alleinerziehenden Mutter vermittelt, sondern auch eine Gesellschaft anprangert, in der im wirtschaftlichen Getriebe jede Menschlichkeit auf der Strecke bleibt.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Sa 15.6. bis Do 20.6.
Die Anhörung: In ihrem Hybrid zwischen Dokumentar- und Spielfilm stellt Lisa Gerig reale Anhörungen von Asylsuchenden, die nicht gefilmt werden dürfen, nach. Wie die Beamten von noch aktiven oder ehemaligen Mitarbeiter:innenn des Schweizer Staatssekretariats für Migration (SEM) gespielt werden, so machen hier auch reale Asylsuchende aus Kamerun, Nigeria, Indien und Afghanistan nochmals die Anhörung durch.
Spürbar wird das Quälende und Beklemmende dieser Befragungen einerseits in der spartanischen Inszenierung, in der in den kahlen weißen Räumen in statischen Einstellungen die Gespräche festgehalten werden, aber auch im Formalen mit Dolmetscher:innen und Protokollant:innen, die auch allfällige Tränen der Befragten kühl schriftlich festhalten müssen.
Gerig bleibt aber nicht bei der Nachzeichnung dieser Anhörungen, sondern macht einerseits mit dem Blick auf den Aufbau des Sets auch das Reenactment bewusst und lässt gegen Ende mit einem Positionswechsel die Asylsuchenden selbst die Beamten zu ihren Gefühlen während der Anhörung und ihren Fragen zu intimen Details sowie zur Entscheidung über Wahrheit und Lüge der Aussagen befragen. – So bietet „Die Anhörung“ nicht nur einen Einblick in einen Prozess, zu dem man sonst kaum Zugang hat und führt intensiv Einzelschicksale von Asylsuchenden vor Augen, sondern wirft auch die Frage nach der Menschlichkeit oder Unmenschlichkeit dieses Procederes und der daraus resultierenden Entscheidungen auf.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 17.6., 20.15 Uhr
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