Aktuell in den Filmclubs (13.2. – 19.2.2026)
Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche im Kino GUK „The Voice of Hind Rajab“, in dem die Tunesierin Kaouther Ben Hania erschütternd, aber auch zwiespältig einen tragischen Vorfall im Gazakrieg nachzeichnet. Im Skino Schaan steht dagegen neben anderen Filmen mit „Lost Highway“ ein abgründiges Meisterwerk von David Lynch auf dem Programm.
The Voice of Hind Rajab: Konzentriert auf den 29. Jänner 2024 und die Einsatzzentrale des Roten Halbmonds in dem im Westjordanland gelegenen Ramallah zeichnet Kaouther Ben Hania die verzweifelten Bemühungen nach, die Rettung eines fünfjährigen Mädchens zu organisieren, das im Gazastreifen in einem zerschossenen Autowrack auf Hilfe wartete.
Das Mädchen ist im Film – von einem Epilog abgesehen – nur durch die realen 70-minütigen Aufnahmen der Telefonate präsent. Mit den Mitteln des Thrillerkinos werden dagegen die verzweifelten Bemühungen, die Rettung zu organisieren, inszeniert. Keine Distanz kennt der Film. Mit dem Team des Roten Halbmonds werden die Zuschauer:innen förmlich in die Einsatzzentrale eingesperrt. Souverän verdichtet Ben Hania die sich über sechs Stunden hinziehenden Bemühungen auf knapp 90 Minuten. Auf alle Hintergrundinformationen und Backstories zu den Figuren wird verzichtet. Quälende Intensität entwickelt „The Voice of Hind Rajab“ in dieser Konzentration auf das Hier und Jetzt und baut beim Publikum wie beim Einsatzteam, das sich über 80 Kilometer entfernt vom Standpunkt des Mädchens befindet, ein verzweifeltes Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht auf.
Die Tunesierin benutzt ganz klar Strategien des Hollywood-Kinos, um zu emotionalisieren. Mit der effektvollen Inszenierung wird das tragische reale Schicksal von Hind Rajab in gewissem Maße auch instrumentalisiert und immer wieder muss sich der Film in seiner konsequenten Beschränkung auf die palästinensische Perspektive auch den Vorwurf der Propaganda gefallen lassen.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 13.2. bis Mo 16.2. (arab. OmU)
Lost Highway: Die Abgründe der Seele und die Düsternis hinter der scheinbar heilen Oberfläche lotet der im Jänner 2025 verstorbene David Lynch („Twin Peaks“, „Blue Velvet“, „Mulholland Drive“) auch in seinem 1996 entstandenen Thriller „Lost Highway“ aus – und widersetzt sich auch hier der linearen Dramaturgie der Hollywood-Filme. Ein Ehedrama, bei dem Fred (Bill Pullman) und seine Frau Renée (eine brünette Patricia Arquette) immer mehr von anonym zugesendeten Videokassetten terrorisiert werden, steht am Beginn. Freds Paranoia steigert sich, ein Mord folgt und Fred wird zum Tode verurteilt. Aber eines Morgens finden die Wärter anstelle Freds den jungen Automechaniker Pete Dayton in der Todeszelle und von Fred fehlt jede Spur.
So erzählt Lynch im zweiten Teil des Films Petes Geschichte, der sich in Alice (nun eine blonde Patricia Arquette) verliebt. Doch die Handlung von Lynchs Filmen lässt sich selten wirklich erzählen. Was Realität, was Einbildung, Traum oder Paranoia der Hauptfiguren ist, lässt sich längst nie klar entscheiden. So ist auch dieser Film eine visuell berauschende und von der Musik Angelo Badalamentis und den Songs von David Bowie, Smashing Pumpkins und Rammstein fantastisch untermalte beunruhigende Reise in die menschliche Psyche. In seiner Irrationalität lässt „Lost Highway“ dabei immensen Spielraum für Interpretationen und in seiner Rigorosität und Kompromisslosigkeit stellt er im Hollywood-Kino auch fast 30 Jahre nach seiner Uraufführung immer noch einen erratischen Block dar.
Skino Schaan: Di 17.2., 20.15 Uhr (engl. OmU)
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