Die Pianistin Lucy (Léa Seydoux) aus „Gentle Monster“ (Foto: Frédéric Batier/Film AG)
Walter Gasperi · 10. Jul 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (11.7. – 17.7.2025)

Beim Poolbar Festival in Feldkirch steht diese Woche mit „Ein Tag ohne Frauen“ ein mitreißender Dokumentarfilm über den großen isländischen Frauenstreik am 24. Oktober 1975 auf dem Programm. Beim Open-Air-Kino in Heerbrugg wird unter anderem das erschütternde Drama „Friedas Fall“ gezeigt, das vom wahren Fall einer jungen St.Galler Mutter erzählt, die 1904 aus Not ihr Kind ermordete.

Ein Tag ohne Frauen: Die US-Amerikanerin Pamela Hogan zeichnet den Weg zum großen isländischen Frauenstreik am 24. Oktober 1975 in Form eines Countdowns mit Interviews mit damaligen Aktivistinnen, Archivmaterial und ebenso einfachen wie verspielten Animationen nach. Wird zunächst Einblick in die Benachteiligung der Frauen in allen Lebensbereichen geboten, so wird anschließend der wachsende Widerstand der von internationalen Bewegungen inspirierten feministischen Gruppe der sogenannten „Rotstrümpfe“ dokumentiert.
Ein echtes Feelgood-Movie ist dieser gerade mal 70 Minuten lange Dokumentarfilm mit der mit Leidenschaft erzählten Erfolgsgeschichte und der liebevollen Verspottung der ohne Frauen ziemlich hilflosen Männer. Da stört es auch kaum, dass formal wenig aufregendes Kino geboten wird. Im Grunde dominieren nämlich Talking Heads der gealterten Aktivistinnen, zu denen auch die ehemalige Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir zählt, während Archivbilder Zeitfeeling evozieren und mit den Animationen die Erzählungen ebenso charmant wie fantasievoll visualisiert werden.
Hier geht es nicht um ein großes künstlerisches Kinoerlebnis, sondern um ein Ereignis, das mit seiner lustvollen Nachzeichnung ansteckend wirken und der nachkommenden Generation Mut machen soll. Das Ziel Vertrauen in die Kraft weiblicher Solidarität zu wecken und Mut zu machen, Widerstand gegen Ungleichheit zu leisten und sich aufzulehnen, erreicht Hogan auf jeden Fall.
Poolbar Festival Feldkirch: Mi 16.7., 21 Uhr

 

Friedas Fall: Maria Brendle inszeniert den Fall der Damenschneiderin Frieda Keller, die 1904 in St. Gallen ihr eigenes Kind tötete, als erschütterndes Drama. Der Fall um den Fund der halbverwesten Leiche des fünfjährigen Kindes ist rasch gelöst und Frieda auch geständig, sodass der Fokus auf der Ausleuchtung der Hintergründe liegt, die die Mutter zu ihrer schrecklichen Tat veranlassten.
Klug verdichten Michèle Minelli, die sich schon 2015 im Roman „Die Verlorene – Friedas Fall“ mit dem Schicksal Frieda Kellers beschäftigte, Robert Buchschwenter und Brendle selbst als Drehbuchautor:innen die Handlung auf wenige Figuren. Mit dem Gegensatz zwischen der zu ihrer Tat schweigenden Frieda (Julia Buchmann) und dem verknöcherten Staatsanwalt Walter Gmür (Stefan Merki), der unerbittlich die Todesstrafe fordert, werden treffend Klassengegensätze aufgedeckt. Gleichzeitig vermittelt Brendle aber auch das Bild einer Welt, deren alte Strukturen langsam zerbrechen. Mit Arnold Janggen (Max Simonischek) stellt sie nämlich dem alten Staatsanwalt einen jungen Rechtsanwalt gegenüber, der sich für seine Mandantin einsetzt und die gesellschaftlichen Aspekte, die Gmür nicht interessieren, ins Spiel bringt. 
Mögen so die Männer auch die zentralen Akteure sein, so werden doch die öffentlich im Hintergrund stehenden Frauen als treibende Kräfte gezeichnet. So verbreitet Janggens junge, aus Deutschland stammende Frau (Marlene Tanczik) nicht nur mit ihrem selbstbewussten Auftreten, sondern auch mit ihrer hochdeutschen Sprache, die in markantem Gegensatz zum schweizerdeutschen Dialekt der Protagonist:innen steht, ein Gefühl von Moderne und Aufbruch. Zentralere Rolle als Janggens Frau nimmt aber die Frau des Staatsanwalts ein. Diese Erna (Rachel Braunschweig) hat nicht nur im Haus das Sagen, sondern entwickelt auch - ganz im Gegensatz zu ihrem Mann - rasch große Empathie für die in einem Verlies im Keller eingesperrte Frieda.
Vorwerfen kann man „Friedas Fall“, dass er speziell für den Film einer Debütantin sehr klassisch, ja geradezu altmodisch erzählt ist, doch darüber lässt nicht zuletzt das großartige Ensemble hinwegsehen. Mag Frieda auch etwas zu einseitig als herzensgute, fast schon heiligmäßige junge Frau gezeichnet werden, so gelingt es der Newcomerin Julia Buchmann doch deren aussichtslose Lage bewegend zu vermitteln. 
Open-Air-Kino Heerbrugg: Mo 14.7., 21.30 Uhr


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