María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Walter Gasperi · 10. Okt 2024 · Film

Aktuell in den Filmclubs (11.10. – 17.10.2024)

Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche mit „Welcome Venice" einen stimmungsvollen Spielfilm über das zwischen Traditionen und boomendem Tourismus zerrissene Venedig. In der Kinothek Lustenau und in der folgenden Woche in der LeinwandLounge in der Remise Bludenz steht dagegen mit „Juliette im Frühling" eine warmherzige französische Familienkomödie auf dem Programm.

Welcome Venice: Ein Vorspanninsert informiert, dass die Krabbenfischerei in Venedig seit 500 Jahren gepflegt wird. Tradition hat dieser Beruf auch in der Familie von Toni (Roberto Citran) und Piero (Paolo Pierobon). Nachdem Piero eine Haftstrafe wegen eines Einbruchs abgesessen hat, hat Toni seinen Bruder wieder aufgenommen. Gemeinsam fahren sie nun hinaus, um Krebse zu fangen, während der dritte Bruder Alvise (Andrea Pennacchi) die Zukunft in der Vermietung von Wohnungen an Tourist:innen sieht. Als Toni überraschend stirbt, werden bald Risse in der Beziehung der beiden anderen Brüder sichtbar. Denn Alvise möchte das Familienhaus modernisieren und an Tourist:innen vermieten, doch Piero stellt sich quer, möchte an seinem Beruf als Fischer festhalten und das Haus nicht aufgeben.
In allzu bekannten Bahnen bewegt sich zwar dieser Bruderkonflikt, aber andererseits gelingt es Andrea Segre gerade durch die Konzentration auf eine Familie treffend von generellen Problemen Venedigs zu erzählen. Seit Jahrzehnten stark rückgängig ist nämlich die Einwohnerzahl des historischen Zentrums der Lagunenstadt, da viele Bewohner:innen durch lukrative Kurzmietangebote für Tourist:innen vom Wohnungsmarkt verdrängt werden.
Die Touristenströme sieht man in „Welcome Venice" freilich nicht, denn gedreht wurde der Film gegen Ende der Corona-Pandemie, als die Besucher:innen erst langsam wieder zurückzukehren begannen. Für Segre bot das die Gelegenheit in dem langsam und ruhig dahingleitenden Film in eindrücklichen Bildern auch immer wieder den Charme der Lagunenstadt mit ihren Kanälen und den direkt am Wasser liegenden Häusern zu feiern.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 16.10., 18 Uhr + Do 17.10., 19.30 Uhr
 

Juliette im Frühling: Die Kinderbuchillustratorin Juliette kehrt in die heimatliche Provinzstadt zurück, in der sie sich mit ihrer Familie auseinandersetzen muss.
Ganz auf diese Familie konzentriert sich Blandine Lenoir, legt einen klassischen Ensemblefilm vor, in dem das gesellschaftliche Umfeld weitgehend außen vor bleibt. Da wird bald klar, dass das Ehe- und Familienleben von Juliettes Schwester nicht so glücklich ist, wenn sie sich im Gewächshaus ihres Gartens mit ihrem Liebhaber trifft, der mal im Bären- und mal im Papageienkostüm auftaucht.
Nichts Spektakuläres passiert, aber ebenso genau wie warmherzig ist der Blick auf das blendend harmonierende Ensemble und Details. Heiter und entspannt fließt so diese Familienkomödie lange dahin, echte Spannungen bleiben außen vor, bis Juliette in ihren Gesprächen auf ein tragisches Ereignis stößt, das in ihrer frühesten Kindheit die Familie erschütterte und über das nie mehr gesprochen wurde. 
Dennoch verliert „Juliette im Frühling" nie seine Leichtigkeit. Es ist die Kunst Lenoirs, wie sie familiäre Bruchstellen und Probleme nicht verschweigt, aber mit ihrem mitfühlenden Blick immer die familiären Bindungen und Beziehungen über das Trennende stellt und vor allem das Gefühl vermittelt, dass das Leben trotz Differenzen schön ist und gemeinsam die Probleme gemeistert werden können.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 16.10., 20 Uhr + Mo 21.10., 18 Uhr
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 23.10., 19 Uhr

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