Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall startete sein Abonnement mit einem aussagekräftigen Konzert. Gefeiert wurden unter anderem der Komponist Herbert Willi und die Klarinettistin Sharon Kam.
Silvia Thurner · 10. Okt 2024 · Musik

Boulanger Trio spielte ausdrucksvoll und bewegend

Große Begeisterung beim Auftakt in die neue Saison

Die Abonnementreihe Dornbirn Klassik startete mit einem starken Trio in eine starke Saison, denn mit dem aktuellen Jahresprogramm konnte Roland Jörg vom Kulturamt Dornbirn die Zahl der Abonnent:innen um ein Drittel erhöhen, wie er freudestrahlend verkündete. Im Rahmen des Eröffnungskonzertes in das neue Konzertjahr präsentierte das Trio Boulanger Werke von Komponistinnen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert. Das dramaturgisch spannend konzipierte Programm, die feinsinnige Musizierart und die Kommunikation der Musikerinnen untereinander ergaben dichte und mitreißende Darbietungen.

Birgit Erz (Violine), Ilona Kindt (Violoncello) und Karla Haltenwanger (Klavier) musizieren seit 18 Jahren im Boulanger Trio miteinander. Dass sie hervorragend aufeinander eingespielt sind, war sofort mit dem ersten Werk, Barbara Stozzis „Che si può fare“ zu erleben. Überhaupt präsentierten die drei Musikerinnen ein außergewöhnliches Programm mit einer Werkauswahl, die ausschließlich Komponistinnen gewidmet war. Auch heutzutage sind derlei Programme seltene Ereignisse, die oft spannende Entdeckungen möglich machen. 
In eigenen Werkbearbeitungen spielte das Trio auch Kompositionen, die ursprünglich nicht für Klaviertrio komponiert worden sind. Am meisten beeindruckten dabei die 1914 entstandenen Klavierlieder von Lili Boulanger „Clariéres Dans le Ciel“, von denen drei im Dornbirner Kulturhaus zu hören waren. Für ihre Bearbeitung fand das Trio eine passende Klanglichkeit. Die melodischen Hauptlinien wurden sensibel auf die Violine und das Violoncello übertragen. Besondere Aufmerksamkeit lenkten dabei einzelne Töne oder kleine Motive auf sich, mit denen die Streicherinnen markante Töne des Klavierparts unterstrichen und dadurch den impressionistischen Charakter der Musik feinsinnig betonten.

Farbenreiche Raffinesse

Im mittleren Konzertteil fügte das Boulanger Trio ganz unterschiedliche Kompositionen zusammen. Der politisch motivierte, sehr bekannte Song „Göttingen“ der Singer-Songwriterin Barbara erklang in einem schönen Arrangement. Diese Komposition bildete den Rahmen für „Postscriptum“ von Lera Auerbach. Hier faszinierte die klangfarbenreiche Raffinesse der Musikerinnen. Sie führten die Linien in filigrane, obertonreiche Klänge und mittels Dämpfer schufen sie reizvolle Distanzverhältnisse. Einzig die Bearbeitung des berühmten Songs „Running up that hill“ von Kate Bush erschloss sich wenig.
Das Trio Nr. 2 von Elfrida Andrée zog im aufwühlend gespielten Allegro agitato die Aufmerksamkeit auf sich. In einem schönen Stimmenausgleich spielten die Musikerinnen, wenngleich das Violoncello etwas präsenter hätte wirken können. Poesievoll und romantisch entfaltete das Trio den liedartigen Mittelteil. Besonders der tänzerische dritte Satz machte deutlich, dass dieses Werk der schwedischen Komponistin vor allem als effektvolle „Salonmusik“ eine große Wirkung verströmt. 
Viel mehr Tiefe hatte das Trio in d-Moll, op. 11 von Fanny Hensel Mendelssohn. Mit dieser Werkdeutung zogen Birgit Erz, Ilona Kindt und Karla Haltenwanger die Zuhörenden in ihren Bann. Der aufgewühlte Klavierpart erklang transparent ausgeformt und im Verhältnis zu den Streicherinnen hervorragend ausgelotet. Die Musikerinnen ließen einander Raum und setzten mit ihrer Spielart viel Energie frei. So kamen die leidenschaftlichen Themen, die harmonischen Modulationen sowie die vielschichtigen Verarbeitungen und Variationen der Hauptthemen brillant zur Geltung. 

https://www.dornbirn.at/leben-in-dornbirn/leben/kultur/dornbirn-klassik-2024-25
Das neue Album „Who's afraid of...?“ mit den genannten Werken von Frauen erscheint am 1.11. bei Berlin Classics.
www.boulangertrio.com