„Kleine Eheverbrechen„ im Theater Kosmos: Lisa beantwortet geduldig seine Fragen. (Foto: Edgar Leissing)
Walter Gasperi · 09. Apr 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (10.4. – 16.4.2026)

Beim TaSKino Feldkirch steht diese Woche die bewegende irakische Tragikomödie „Ein Kuchen für den Präsidenten – The President's Cake“ auf dem Programm. Die LeinwandLounge in der Remise – und in der folgenden Woche der FKC Dornbirn – zeigt dagegen mit „Silent Friend“ ein bildmächtiges poetisches Meisterwerk.

Ein Kuchen für den Präsidenten – The President's Cake: Im Mittelpunkt von Hasan Hadis im Irak des Jahres 1991 spielendem Langfilmdebüt steht die neunjährige Lamia (Baneen Ahmed Nayyef), die von ihrem Lehrer den Auftrag erhält, anlässlich des Geburtstags von Saddam Hussein für die Klasse einen Kuchen zu backen. Doch in dem unter der Diktatur und UN-Sanktionen leidenden Land fehlt es am Nötigsten. Gemeinsam mit ihrer Großmutter fährt das Mädchen dennoch in die nahe Stadt, um die Zutaten für den Kuchen zu kaufen. Bald flieht Lamia aber vor der Großmutter, die andere Pläne verfolgt, und muss sich mit einem Schulfreund alleine durchschlagen. 
Stets auf Augenhöhe mit den beiden Kindern ist Hadi, zeichnet sie als scheinbar leichte Opfer einer männlich dominierten, gewissenlosen Gesellschaft, feiert aber auch ihren Widerstandswillen und ihren Einfallsreichtum, wenn sie den Erwachsenen doch immer wieder ein Schnippchen schlagen. So durchzieht den Film trotz der bedrückenden materiellen Lage, die kontrastiert wird von Umzügen zur Feier von Saddams Geburtstag, mit der Entschlossenheit und Chuzpe der beiden Kinder, aber auch mit Lamias steter Sorge um ihren Hahn doch auch Humor und Hoffnung. Hadi drückt auch nicht auf die Tränendrüse, sondern erzählt nüchtern, gleichwohl sorgen die beiden großartigen Kinderdarsteller:innen Baneen Ahmed Nayyef und Sajad Mohamad Qasem dafür, dass das Schicksal von Lamia und Saeed zutiefst bewegt und nicht so schnell vergessen wird.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 10.4. bis Do 16.4. (arab. OmU.)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 10.6., 19 Uhr (arab. OmU.)

Silent Friend: Mächtig steht der fast 30 Meter hohe Ginkgobaum im Botanischen Garten der mittelalterlichen deutschen Universitätsstadt Marburg. Ein kleines Schild weist darauf hin, dass er 1832 gepflanzt wurde. Hierher kehrt der Neurowissenschaftler Tony (Tony Leung Chiu-Wai), der in Marburg eine Gastprofessur angenommen hat, aber aufgrund der im Jahr 2020 ausbrechenden Corona-Epidemie ohne Student:innen im Uni-Campus festsitzt, immer wieder zurück. Aber am Fuß des Baumes lernen sich 1972 auch die Biologiestudentin Gundula (Marlene Burow) und der Germanistikstudent Hannes (Enzo Brumm) kennen und im Jahr 1908 flüchtet die junge Grete (Luna Wedler), die als eine der ersten Frauen als Biologiestudentin an der Uni aufgenommen wird, vor der frauenfeindlichen patriarchalen Uni-Hierarchie immer wieder in den Garten und zu diesem Baum.
Feinfühlig verbindet die Ungarin Ildikó Enyedi über den Ginkgobaum nicht nur diese drei Geschichten, sondern erzählt sie auch in unterschiedlichen filmischen Formaten. Indem Kameramann Gergely Pálos die 1908 spielende Geschichte auf schwarzweißem 35-mm-Material, die 1972 spielenden Szenen auf grobkörnigem, farbigem 16-mm-Film drehte und für 2020 gestochen scharfen digitalen Film verwendete, erzählt „Silent Friend“ auch über die Entwicklung der filmischen Technik.
Ein Wunder ist aber auch, wie leichthändig diese Geschichten, die bewusst nicht konsequent auserzählt werden, verwoben werden und die Achtsamkeit der Figuren auch über die ruhige Erzählweise vermittelt und beschworen wird. Sanfte Ironie und Enyedis Gespür für leisen Humor sorgen dabei dafür, dass dieses meditative Meisterwerk nicht nur durchgehend federleicht bleibt, sondern auch große Menschenliebe ausstrahlt und sanft für wissenschaftliche Neugier und Offenheit für die kleinen und oft übersehenen Dinge, wie beispielsweise Pflanzen, plädiert.
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 15.4., 19 Uhr (deutsch-englische OmU.)
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 22.4., 18 Uhr + Do 23.4., 19.30 Uhr (deutsch-englische OmU.)

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