María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Walter Gasperi · 30. Apr 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (1.5. – 7.5.2026)

Die Programmkinoschiene Kinothek extra zeigt diese Woche in der Kinothek Lustenau die bittersüße Tragikomödie „Rental Family“, in der ein US-Schauspieler in Japan einen Job in einer Agentur für Leihfamilien annimmt. Am Spielboden Dornbirn zeichnet dagegen Amy Berg im Dokumentarfilm „It's Never Over, Jeff Buckley“ bewegend das Leben des früh verstorbenen amerikanischen Singer-Songwriters Jeff Buckley nach.

Rental Family: Seit den 1980er Jahren gibt es in Japan Agenturen für Leihfamilien, in denen Familienmitglieder gemietet werden können, um die Einsamkeit zu lindern, einem Verstorbenen nochmals zu begegnen oder Probleme zu bewältigen. Aufbauend auf dieser Realität erzählt die Japanerin Hikari vom seit sieben Jahren in Japan lebenden, aber erfolglosen amerikanischen Schauspieler Phillip (Brendan Fraser), der einen Job in einer solchen Agentur annimmt. Echte Gefühle kommen bei Phillip aber auf, als er einerseits für die elfjährige Mia (Shannon Mahina Gorman) den Vater und andererseits einen Journalisten spielen muss, der einem einst berühmten, aber nun zunehmend dementen Schauspieler (Akira Emoto) das Gefühl geben soll, immer noch beliebt und bekannt zu sein.
Ein tränendrückendes Rührstück könnte das sein, doch Hikari federt mit viel Humor, feinfühliger Inszenierung und dem warmherzigen Spiel Brendan Frasers immer wieder die aufkommende Sentimentalität ab. Mit rasanten Montagesequenzen wird das Tempo hochgehalten, und wiederholte Blicke auf nächtliche Hochhausfronten mit erleuchteten Wohnungen evozieren eine melancholische Stimmung der Einsamkeit. 
Im Zentrum steht aber die Absage an Täuschungen und Lügen und ein Plädoyer für Offenheit und eine ehrliche Kommunikation, von der Mias Mutter und Phillip beim Vorsprechen in Mias zukünftiger Schule als wichtigste Grundlage ihrer Familie sprechen. Dass dabei die heilende Funktion der Familie beschworen wird, kann gerade angesichts der Tatsache, dass „Rental Family“ von den Disney Studios produziert wurde, nicht verwundern, doch dank des genauen Blicks auf Eigenheiten der japanischen Gesellschaft und der eleganten Inszenierung überzeugt diese bittersüße und sanfte Tragikomödie dennoch.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 4.5., 18 Uhr + Mi 13.5., 20 Uhr (engl.-japan. OmU.)

It's Never Over, Jeff Buckley: Nur ein Album veröffentlichte der amerikanische Singer-Songwriter Jeff Buckley (1966–1997) in seinem kurzen Leben, doch die 1994 erschienene LP „Grace“ gilt als enorm einflussreich. Seine Coverversion des Leonard Cohen-Songs „Hallelujah“ wurde sein größter Erfolg und 2008 listete die Zeitschrift Rolling Stone Buckley auf Rang 39 der 100 größten Sänger aller Zeiten. Den Led Zeppelin-Leadsänger Robert Plant zählte er ebenso zu seinen Vorbildern wie Nina Simone, Judy Garland und Edith Piaf. Dementsprechend vielfältig war sein Gesang, konnte ebenso leise wie laut sein.
Amy Berg („Janis – Little Girl Blue“) zeichnet Buckleys Leben und Karriere mit Interviews mit der Mutter, Freund:innen und Wegbegleiter:innen des Singer-Songwriters sowie mit einer Fülle von bislang unveröffentlichtem Archivmaterial nach. Der Bogen spannt sich dabei von Fotos aus der Kindheit über Mitschnitte von Auftritten bis zu Tonaufnahmen von Buckley. Quasi von selbst erzählt sich so die Geschichte und auf Off-Kommentar kann Berg verzichten. Großen Fluss und Intensität entwickelt „It's Never Over, Jeff Buckley“ durch die sorgfältige Einarbeitung des Archivmaterials und die großartige Kombination der Bild- und Tonebene, während animierte Szenen für poetische Momente sorgen. Berg bleibt dabei nicht nur immer nah an Buckley, sondern sorgt mit ihrem empathischen Blick auch dafür, dass diese Lebensgeschichte einem nahegeht und berührt.
Die private Ebene wird nicht ausgespart, doch vor allem feiert Berg mit vielen und langen Musikszenen Buckleys herausragendes Talent und zeichnet den Weg vom kleinen New Yorker Sin-é-Club zur großen Tournee durch die USA, Europa, Australien und Japan nach. Spürbar wird in dem einfühlsamen Dokumentarfilm aber auch der Druck, unter dem der Musiker nach dem Erfolg von „Grace“ stand, denn zunehmend massiver drängte das Studio auf ein zweites Album. Doch kurz vor der Aufnahme ertrank der 30-Jährige in Memphis, Tennessee, beim Schwimmen im Wolf River.
Spielboden Dornbirn: Di 5.5., 19.30 Uhr (engl. OmU.)

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