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03.09.2020 |  Gunnar Landsgesell

After Truth

Die biedere Fortsetzung von "After Passion", in der die brave Studentin Tessa und der Bad Boy Hardin sich mal küssen und mal verlassen: eine flache Geschichte, die wie aus der Retorte inszeniert erscheint. Der "Überraschungserfolg" der Reihe könnte aber genau damit zu begründen sein.

Viel war davon die Rede, dass das Kino durch die Covid-Krise in Bedrängnis kommt. Eigentlich sollte man erwarten, dass nun mit besonderen Anstrengungen das Publikum von Netflix & Co von den Wohnzimmern wieder in die Kinosäle gelockt wird. Doch die Verleihe – insbesondere die Majors – halten Produktionen zurück, die Auswahl bleibt bescheiden. Scheinbar einziger Neustart der Woche ist „After Truth“, Fortsetzung des Überraschungserfolgs „After Passion“, einer Teenager-Love-Story, in der sich die Wege einer eher biederen Studentin und eines Bad Boy kreuzen. Eine Hop-on-hop-off-Beziehung, die offenbar davon lebt, dass man sich einmal küsst und dann wieder hasst. In der Fortsetzung „After Truth“ (Original: „After We Collided“) setzt sich dieser Erzählrhythmus, der sein Publikum vor jeder Art Überraschung schont, nun also fort. Tessa (Josephine Langford) und Hardin (Hero Fiennes Tiffin, den man als Buben in „Harry Potter“ gesehen hat) probieren es jetzt auch noch, mit wechselndem Erfolg. Diesmal zumindest mit mehr Sex, in der Dusche, im Büro, im Hinterzimmer auf der Party. Dazwischen schreibt man sich auch mal eine Whatsapp-Nachricht, so zwischen ewiger Liebe und Vorwürfen. Auch eine dritte Person schiebt sich an den Rand dieser Beziehung. Ein unromantischer junger Bursche, dessen Lieblingsbuch angeblich aus der Volkswirtschaft stammt, arbeitet im gleichen Medienverlag, in dem nun auch Tessa eine Karriere versprochen wird. Die Gefahr, dass Hardin auf der Strecke bleibt, ist aber gering, das Drehbuch ist viel zu sehr mit dem verkorksten Paar beschäftigt.

Alles Affirmation

„After Truth“, übrigens eine Romanverfilmung, macht es einem leicht, zu benennen, worum es geht: Eine flache Geschichte, von Regisseur Roger Kumble („The Sweetest Thing, 2002, mit Cameron Diaz) pflichtschuldig im Rhythmus einer TV-Soap inszeniert, gibt einem keine Rätsel auf. Die Liebe des Paares fühlt sich so hohl an wie die Worte, die man seit einigen Jahren in Wohlfühlshops zu kaufen bekommt. Aus den Holz- oder Plastikbuchstaben kann man sich ein „Love“ oder „Home“ ins Regal stellen oder übers Bett hängen. Zu Beginn des Films gibt man sogar zu, dass diese Geschichte schon tausendmal erzählt wurde. Das stimmt. Eine nette Finte. Die Frage ist aber, ob nicht eben genau darin der Grund für den Überraschungserfolg liegt. Es ist das wohlige Gefühl der Berechenbarkeit, das einem in diesem Film begleitet. Auch wenn Hardin behauptet: „Ich steh auf Schmerz“, sich den Schnaps in seinem Schmerz hineinkippt, eine Lampe gegen die Wand wirft und seine Tattoos bis zum Hals zur Schau stellt – er ist doch ganz ein Lieber, der letztlich nur an der romantischen Liebe scheitert. Alles Affirmation in diesem Film. Vor der emotionalen Unrast des Bronte-Romans „Wuthering Heights“, der eingangs auf dem Kindle von Tessa zu sehen ist, braucht sich niemand zu sorgen.

Teenager-Liebesgeschichte, wie aus der Retorte erzählt.

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Neues Kleid für eine Party, doch der Film schafft es kaum, das Geschehen wirklich produktiv zu machen.

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Einmal probieren sie es noch. Sicher auch im nächsten Teil

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