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30.07.2012 |  Peter Ionian

Sonne und Musik im Herzen – Das Open Hair Festival überzeugte mit phantastischen Bands und liebevoller Stimmung

Im Rausch haben sich ein paar junge Göfner dazu entschlossen einen Verein zu gründen, um Konzerte zu organisieren und so das zuvor eher eingeschränkte Göfner Nachtleben selbst in die Hände zu nehmen. Passend dazu nennt sich die Gruppe Hangover Productions. Neben den Abenden im Gemeindekeller und nun auch im neu renovierten Vereinshaus entstand schon im Jahr 2006 das erste eigene Freiluftfestival. Weil man sich nicht gleich zu hundert Prozent einig war und ein wenig in die Haare gekommen ist, war der Name ziemlich schnell entschieden. Mit Open Hair verwortet die Truppe einmal mehr ihre humorvolle Herangehensweise. Das kleine Festival findet im sonnigen Göfis auf dem Sportplatz Agasella statt und hat bereits einen harten Kern an Fans versammelt, die verlässlich jedes Jahr kommen. Die Bands waren immer schon recht ausgefallen, wunderschön und eher unbekannt. Im Line-Up fanden auch heuer wieder einige regionale Bands aus dem Ländle einen Spielplatz. Aber die Headliner haben dieses Jahr alles übertroffen.

Freiluftmusik

Das große Risiko, das man mit einem Open-Air-Festival immer eingeht, ist die Wetterabhängigkeit. Nicht, dass irgendwas ins Wasser gefallen wäre, ganz im Gegenteil, die Organisation war top und hatte alles im Griff. Es wurde Stroh ausgelegt, überall dort wo sich Wege in Schlammpfade verwandelt hätten. Man baute Pavillon-Partyzelte über den Biergarnituren auf und es wurden trockene T-Shirts verkauft. Das Problem ist eher, dass sich die Leute abschrecken lassen und lieber zuhause bleiben, weil es ein wenig regnet. Wenn es stimmt, dass wir zu fast 70% aus Wasser bestehen, ist das eine verwunderliche Reaktion. Das Wetter hatte dem Open Hair in früheren Jahren schon öfters einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch heuer zeigte es sich von seiner unsicheren Seite und so hat es zwischendurch immer wieder geregnet, jedoch nie so stark und kontinuierlich, dass es wirklich unangenehm geworden wäre. Trotzdem kamen die Gäste und es wurde mit der Zeit immer voller. Und diejenigen, die gekommen waren, fanden sich in maximalentspannter Festivalatmosphäre wieder. Stimmung und Spirit dieses kleinen Freiluftmusikevents erinnern an die guten alten Zeiten und sind unvergleichlich.

Support your local scene

Das Line-Up orientiert sich in zwei Richtungen: Hinein ins Ländle und hinauf in den Norden. Heuer wurde erstmals bereits um 14 Uhr mit Programm gestartet und so konnte man schon früh zu zNüne Musik aus Göfis "verhocken". Am Nachmittag riss der Himmel nochmals auf und schickte kurz strahlenden Sonnenschein und so waren doch schon einige Leute da, um sich mit DJ Soulspin aus Wien für den Abend aufzuwärmen. Johannes Lampert nutzte die Umbaupausen jeweils, um lyrische Ankündigungen der Bands zu verlesen, was dem Abend einen Rahmen gab. Die erste Hälfte des Programms gehörte dem Ländle und zwar Vorarlberg und Liechtenstein (das in der Schweiz ja auch s’Ländle genannt wird). Turpentine Moan repräsentierten unsere fürstlichen Nachbarn und eröffneten mit jungendlicher Energie und erwachsenem Musikverständnis. Diamond Dog aus Vorarlberg sind ein generationenübergreifendes Projekt, das im Safari-Look auftrat. Sie bestachen mit einer stimmkräftigen jungen Frontfrau und einer nahbaren, sympathischen Art. Die Blue Monday Blues Band sind mit 25 Dienstjahren ein Urgestein der Vorarlberger Blueskultur. Ihr Auftritt war dementsprechend sowohl höchst professionell als auch anspruchsvoll und schuf einen nahtlosen Übergang in die internationale Halbzeit des Open Hair Festivals.

Ein Traum ging in Erfüllung

Lonely Drifter Karen sind eine multinationale europäische Band mit der österreichischen Frontfrau Tanja Frinta. Sie sah ein wenig so fragil aus, wie der Sound im ersten Moment klang, doch die reduzierten Klänge entfalteten ihre ganze Schönheit im Detail. Die Mischung aus Folk und Soul mit echten Instrumenten und Dream Pop bzw. Dark Cabaret elektronisch unterstützt, lud zum Träumen ein. Die volle Dosis Frauenpower brachte danach die hübsche Schwedin Lena Mamborg mit Band auf die Bühne. Ihre Stimme war präsent und charakterstark. Sie wurde von zwei Frauen am Bass und den Keyboards umspielt. Die männliche Energie floss derweil ins Schlagzeug und die zweite Gitarre. Die Songs krochen als schmeichelnder Pop sanft ins Ohr und entwickelten sich zu lebensfrohem Folk, als sie weiter runter in die Beine wanderten. Ein wundervolles Konzert, das überzeugen konnte. Schon bei der Gründung des Festivals hatte man den Traum ausgesprochen, irgendwann in ferner Zukunft mal Mardi Gras.BB einzuladen. Dieser Traum ist heuer in Erfüllung gegangen. Viele Besucher waren extra ihretwegen gekommen. In Stil, Show und Sound waren sie unübertrefflich. Ihr aktuelles Album „Von Humboldt Picnic“ ist eine Reise, eine Expedition und wurde auch so in Szene gesetzt. Vor den Songs verlas Jochen „Le Docteur“ Wenz jeweils kurze Reiseanekdoten aus dem Logbuch. Die Geschichte war so wortverliebt wie abstrakt und malte unbeschreibliche Bilder in die Köpfe der Zuhörer. Auf diese entfesselte Vorstellungskraft setzten sie dann jeweils ihre Songs. Neun Musiker schlugen die Trommeln, zupften die Saiten, drehten die Platten, aber vor allem wurde ins Blech gepustet. Trompete, Posaune, Tuba, Klarinette und Saxophone füllten den Bläsersatz. Was dabei herauskam, setzte sich über jede Genregrenze hinweg. Der fette Dienstag in extradick, der sie betitelt, äußert sich als Brass Band mit vielseitigsten Stileinflüssen, aber vor allem mit verdammt viel Stil. Die Reise der von Humboldt wurde zum Abenteuer der Nacht und gipfelte in einer unverstärkten Brass-Session mitten im Publikum um zwei Uhr nachts. Dieser Höhepunkt übertraf jede noch so schöne Erwartung und bewies, dass das Line-Up nicht nur eine runde Sache war, sondern dieses Jahr aufs höchste Niveau hochgerollt war.

Netzwerk spannt sich weiter

Das Festival hatte Charme, dazu trug auch das liebliche Erscheinungsbild bei. Wo sich Fuchs und Hase guten Tanz wünschen, war irgendwie das Thema in diesem Jahr. Und dazu gab es Plakate, Flyer, ein kleines Magazin, T-Shirts, Buttons und sogar Sonnenstühle. Das Grafikbüro Kaleido zeichnet verantwortlich für den Look. Fünf Mädels liefen durch die Menge und erregten Aufmerksamkeit, weil im Besonderen die Kraft steckt und sie von Kopf bis Fuß von Andrea Rauch (Frisör Einzigart) durchgestylt wurden. Am Schluss nimmt sich Zeremonienmeister Johannes Lampert jedes Jahr die Frechheit - pardon - Freiheit heraus, eine Fortsetzung zu versprechen, so auch diesmal. Es wird also wieder ein Open Hair #8 geben und wenn sich die Jungs und Mädels so weiterentwickeln, dann wird das auch wieder ein dickes Ei. Am Sonntagmorgen gab es wie immer ein von Blue Orpheus musikalisch untermaltes Katerfrühstück und am Sonntagabend spielte Lena Malmborg noch einen Überraschungsauftritt im Rankweiler Hof. Der gute Spirit spannte sich also wesentlich weiter als die Umzäunung des Festivalgeländes.

Das Open Hair Festival hatte heuer ein phantastisches Line-Up (Alle Fotos von peteionian.com)

Das Open Hair Festival hatte heuer ein phantastisches Line-Up (Alle Fotos von peteionian.com)

Turpentine Moan aus dem Fürstentum Liechtenstein eröffneten den Abend

Turpentine Moan aus dem Fürstentum Liechtenstein eröffneten den Abend

Diamond Dogs stimmkräftige Frontfrau Trish

Diamond Dogs stimmkräftige Frontfrau Trish

Die Musiker der Blue Monday Blues Band bewiesen ihre Klasse

Die Musiker der Blue Monday Blues Band bewiesen ihre Klasse

Zeremonienmeister Johannes Lampert versprach am Schluss ein Open Hair 2013

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Lonely Drifter Karen entfalteten ihre Schönheit im Detail

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Lena Malmborg lieferte ein mitreißendes Folk-Konzert

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Mit Mardi Gras.BB wurde eine abenteuerliche Reise gemacht

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