„zeitklang im museum“ als abwechslungsreiche Konzertlesung
Felix Klieser beeindruckte mit Gesprochenem und enttäuschte als Musiker
Mit großer Vorfreude wurde das Konzert „zeitklang im museum“ erwartet, denn der Wiener Concert-Verein hat zu einer außergewöhnlichen Konzertlesung mit dem Hornisten Felix Klieser geladen. Überdies stand die Uraufführung „Wutmarsch“ für Horn und Streichorchester von Johanna Doderer auf dem Programm. Sie hat für dieses Konzert ihren vielfach aufgeführten „Wutmarsch“ für Horn und Kammerorchester bearbeitet. Felix Klieser las aus seinem 2024 erschienenen Buch mit dem vielsagenden Titel „Stell' dir vor, es geht nicht, und einer tut es doch“. Ergänzt wurde das Konzert durch das sympathische „Experiment“ von Petra Stump-Linshalm, die Musik mit Geschmacksrichtungen in Beziehung setzte. Die Quartettmusiker:innen spielten mit freudvollem Humor. Mit zwei Werken im neoklassizistischen Stil wurde die Werkauswahl abgerundet. Während Felix Klieser mit seiner Deutung des Wutmarsches Wünsche offen ließ, musizierte der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Thomas Gertner engagiert.
Der Hornist Felix Klieser ist in Vorarlberg bekannt, seit er bei der Schubertiade Hohenems sowie im Rahmen von Dornbirn Klassik als Solist mit Werken von Mozart, Schubert und Beethoven aufgetreten ist. Spannend war die Frage, wie er das neue Werk von Johanna Doderer, ihren in mehreren Besetzungen bekannten und viel gespielten „Wutmarsch“ interpretieren wird. Johanna Doderer hat das Werk speziell für diesen Anlass für Horn und Kammerorchester bearbeitet. Die Komposition zeichnet sich durch temperamentvolle Steigerungen, einen vorwärtsdrängenden Klangfluss, rhythmisch raffinierte Verschiebungen und aufreizende sowie farblich vielfach nuancierte Dialoge zwischen dem Solisten und dem Streichorchester aus.
Der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Thomas Gertner intonierte die Musik in sehr gemäßigtem Tempo und Felix Klieser gestaltete seinen Solopart beinahe emotionslos. Abschnittweise schien es, als treibe das Streichorchester den Solisten vor sich her. Durch den moderaten Duktus und die spärliche klangfarbliche Varianz im Solopart wirkte die Interpretation wenig entschlossen.
Dem Glück aktiv auf die Sprünge helfen
Manfred Welte porträtierte den Musiker und Buchautor Felix Klieser eindrucksvoll und führte mit ihm ein spannendes Gespräch. So wurden dem Publikum im voll besetzten Saal des vorarlberg museums interessante Einblicke in die Lebenswelt des Hornisten, der ohne Arme geboren wurde, geboten. In der Lesung aus seinem Buch „Stell' dir vor, es geht nicht, und einer tut es doch“ wählte Felix Klieser eine Passage, in der er Bezug auf ein Zitat des Radsportlers Erik Zabel nahm. Unter anderem ermutigte er dazu, Chancen zu erkennen, die man nicht gesucht hat, und aktiv Einfluss auf das eigene Glück zu nehmen.
Verbindungslinien zwischen Geschmack und Gehör
Den Kreis von Geschmackswahrnehmungen erschloss Petra Stump-Linshalm in ihrem Werk „As you like it“. Yuliya Kazimirovich (Violine), Georgy Begletsov (Violine), Katharina Plankensteiner (Viola) und Katrin Schickedanz-Wieser (Violoncello) ließen sich auf das spielerisch angelegte Werk ein, das ihnen viel Freiraum für die individuelle Gestaltung gewährte. Vor den jeweiligen musikalischen Abschnitten setzten die Musiker:innen den Zuhörenden die Geschmacksrichtungen Umami, Sauer, Bitter und Süß in den Kopf. So stellte die nachfolgende Musik unterhaltsam Beziehungen zu den imaginierten Geschmacksrichtungen her. Die freie Passage, in der die Musiker:innen mit ihren „Zutaten“ frei improvisieren konnten, fiel etwas kurz aus.
Neoklassizistische Stilkunde
Der schweizerisch-französische Pianist und Komponist Pierre Wissmer verfasste seine während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen Werke im neoklassizistischen Stil. In seiner Fuge in g-Moll transferierte er ein Thema des Organisten und Komponisten des 18. Jahrhunderts, Joaquin Martinez des Oxinagas, ins 20. Jahrhundert. Der Wiener Concert-Verein ermöglichte es durch seine klare Spielart und die transparenten Einsätze, das Werk als Musterbeispiel der polyfonen Satztechnik zu hören. Pierre Wissmers „Mouvement für Streichorchester“ aus dem Jahr 1937 lebte ebenfalls von kontrapunktischen Linienführungen und entwickelte durch die straffen Artikulationen der Streicher:innen einen tänzerischen Drive.
https://www.vorarlbergmuseum.at/veranstaltungen/kalender/detail/zeitklang-im-museum-ii-5/