María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Silvia Thurner · 31. Jul 2025 · Musik

Musikalischer Höhenflug zur Mittagszeit

Das V.Töne Holzbläserquintett musizierte mitreißend

Das Foyer und das Atrium konnten den Besucher:innenansturm zum Mittagskonzert kaum fassen, so viele strömten ins vorarlberg museum, um das V.Töne Holzbläserquintett zu hören. Laura Moosbrugger (Flöte), Anna Eberle (Oboe), Anton Doppelbauer (Horn), Paul Moosbrugger (Klarinette) und Johanna Bilgeri (Fagott) versetzten die Zuhörenden in Jubelstimmung. Unter anderem präsentierten die Musiker:innen zwei Werke, die sie auch beim ARD-Wettbewerb 2024, bei dem sie es fast bis ins Finale geschafft haben, spielten. Noch nie zuvor hat ein Kammermusikensemble aus Vorarlberg an diesem renommierten Wettbewerb teilgenommen. Die Erwartungen waren deshalb sehr hochgesteckt, und sie wurden voll erfüllt.

Alle fünf Musiker:innen des V.Töne Holzbläserquintetts haben inzwischen herausragende Karrieren eingeschlagen. Laura Moosbrugger hat soeben ihr Konzertfachstudium abgeschlossen und unterrichtet an der Musikschule Bregenz. Anna Eberle hat eine Akademiestelle bei den Münchner Philharmonikern inne, Anton Doppelbauer musiziert bei den Nürnberger Symphonikern, Johanna Bilgeri ist Solofagottistin der Wiener Symphoniker, und Paul Moosbrugger tritt im August seine Stelle als Soloklarinettist bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden an.
Eine geballte Ladung an Energie und eine präzise und doch lockere Musizierhaltung, wie sie sehr selten zu erleben ist, zogen die Zuhörenden vom ersten Ton an in den Bann. Die Akustik im voll besetzten Foyer des vorarlberg museums kam dem Ensemble zugute, denn die Klänge entfalteten sich kristallklar und voluminös zugleich.
Mit dem Quintett op. 91/3 begründete der in Paris lebende Komponist Anton Reicha die Gattung des Holzbläserquintetts. Sein Ziel war es, die einzelnen Stimmen in Anlehnung an das Streichquartett komplex ineinander zu verzahnen und vielschichtige Klangfarbenkonstellationen in den einzelnen Themen und Sätzen auszuloten. Theatralisch wirkte der Eröffnungssatz des Quintetts, in dem die Vorzüge des V.Töne Holzbläserquintetts bereits voll zur Geltung kamen. Die Lautstärkenverhältnisse zwischen den Instrumenten erklangen bis ins Detail ausbalanciert und die Klangfarbenmuster hervorragend austariert. Wie aus einem Guss gestalteten die fünf Musiker:innen Phrasierungen und dynamische Kontraste. Bei solistischen Passagen traten die Kammermusikpartner:innen jeweils klanglich zurück, sodass ein mitreißendes Geben und Nehmen stattfand. Aufhorchen ließ das kraftvoll ausgeformte Natur- und Jagdsujet im dritten Satz. Helle Begeisterung rief das Ensemble jedoch im souverän dargebotenen Finalsatz hervor, in dem alle fünf mit atemberaubender Zungenfertigkeit musizierten.
Freude an humorvollen „Demontagen“ hatte der britische Komponist Arnold Malcolm. Seine „3 Shanties“ offenbarten das V.Töne Ensemble als Musterbeispiele dafür, wie musikalischer Witz funktionieren kann. Beispielsweise ist dem ersten Stück das allseits bekannte Seemannslied „What 'll we do with a drunken sailor?“ zugrunde gelegt. Es wird in Einzelteile zerlegt, Themenfragmente werden verschoben, markante rhythmische Akzente gesetzt und mit dem breiten Klangfarbenspektrum, das die Flöte, Oboe, Klarinette, das Horn und das Fagott bieten, neu zusammengefügt. Lyrisch zelebrierten die Musiker:innen den langsamen Mittelteil, bevor sie im dritten Teil mit ungeraden Rhythmen, quirlig und in bester Spiellaune, auftrumpften.

Ein neues Werk für den speziellen Anlass

Speziell für alle beim ARD-Wettbewerb teilnehmenden Holzbläserquintette hat die aus Vorarlberg stammende Kompnistin Johanna Doderer das Werk „Rauhnacht“ komponiert.
Mitteilsam und mit einem faszinierenden Einverständnis untereinander präsentierte das V.Töne Ensemble das Quintett. Jeder Teil der zwölf Abschnitte war einer Rauhnacht gewidmet und kristallisierte unterschiedliche Charaktere heraus. Das Werk begann mit einem Flötensolo. Rufartige Motive entfalteten sich über einem ruhigen Klanggrund, der eine große Weite suggerierte. Daraus entwickelten sich abwechslungsreiche Dialoge, in denen die einzelnen Instrumente jeweils erzählend die Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Naturimpressionen und tänzerisch-modale Themen führten weiter zu einem choralartig-atmosphärischen Schluss.
Auf die weitere Entwicklung der Solokarrieren der fünf Musiker:innen und des V.Töne Ensembles dürfen wir uns freuen.