Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall startete sein Abonnement mit einem aussagekräftigen Konzert. Gefeiert wurden unter anderem der Komponist Herbert Willi und die Klarinettistin Sharon Kam.
Silvia Thurner · 12. Okt 2024 · Musik

Viele tiefe Töne und gute Laune

Das Concerto Stella Matutina bot eine gute Unterhaltung

„Einer bässer als der andere“ lautete der humorvolle Leitgedanke, den das Concerto Stella Matutina seinem vorletzten Konzert der aktuellen Saison zugrunde legte. Zum gemeinsamen Musizieren unter der Leitung von Thomas Platzgummer waren der Kontrabassist David Sinclair und der Bassbariton Matthias Hoffmann eingeladen. Mit Mozart-Arien und einem Konzert von Anton Zimmermann sowie der lebensfrohen zweiten Symphonie von Ludwig van Beethoven wurde das Publikum in der Kulturbühne am AmBach bestens unterhalten. Besondere Ansprüche an die Ohren stellte der filigrane Klang des sogenannten Wiener Kontrabasses. Mit Mozarts Duett „La ci darem la mano“ setzten die Solisten dem Konzert zum Abschluss die Krone auf und entließen das Publikum froh gelaunt.

David Sinclair gilt in der Alten-Musik-Szene als der Spezialist für den sogenannten „Wiener Bass“. Der Kontrabass ist ein fünfsaitiges Unikum, das sich durch eine besondere Klangcharakteristik auszeichnet. Der große Korpus impliziert zwar einen voluminös tiefen Klang, doch die Toneigenschaften des Instruments sind eher filigran und sehr obertonreich.
In den Mittelpunkt der Werkauswahl stellte das Concerto Stella Matutina die selten zu hörende Arie „Per questa bella mano“ (KV 612) für Bass, obligaten Kontrabass und Orchester von W.A. Mozart. Matthias Hoffmann und David Sinclair füllten im Zusammenwirken mit dem Orchester unter der Leitung von Thomas Platzgummer ihre Rollen hervorragend aus. Die Stimmen umspielten einander in der eingängigen Liedmelodie, schön unterstrichen wurde die Idylle von motivischen Einsprengeln der Flöte. Trillermotive, Akkordzerlegungen über alle Saiten und über große Distanzen hinweg sowie kunstvoll ausgestaltete Melismen zeichneten die Werkdeutung aus. 

Höchste Lagen

David Sinclair und seinem Wiener Bass wurden in der Kulturbühne AmBach allerdings Grenzen gesetzt. Sie waren akustischer Natur, denn obwohl das Orchester oft auf Streichquartettbesetzung, einzelne tiefe Streicherbegleitungen oder Holzbläserbesetzungen reduziert war, entfaltete sich der Klang des Kontrabasses im Konzert Nr. 2 von Anton Zimmermann in den hinteren Reihen des Saales eher mäßig. In Staunen versetzte der Solist die Zuhörenden dennoch: David Sinclair musizierte in den höchsten Daumenlagen virtuos, setzte Flageoletts ein und spielte die mehrstimmigen Themen mit Doppelgriffen und abschnittweise in atemberaubenden Tempi. 

Tiefe Register

Der Bassbariton Matthias Hoffmann hatte die Sympathien sofort auf seiner Seite. Stürmisch betrat er die Bühne und stimmte Mozarts Rezitativ und Arie „Cosi dunque tradisci – Aspri rimorsi atroci“ (KV 432) an. Schön kamen sein warmes Timbre in der Höhe und sein bemerkenswert tiefes Register zur Geltung. Die aufgewühlte Stimmung und die innere Erregung gestalteten der Sänger und die Orchestermusiker:innen gut. Diese trugen sie auch in Mozarts Rezitativ und Arie „Alcandro lo confesso – Non sò d‘onde viene“ (KV 512) weiter. Während Matthias Hoffmann mit seinem großen Ambitus und virtuosen Verzierungen die Emotion gut in Szene setzte, wirkte das Orchester jedoch in dieser Werkdeutung im Duktus zu unruhig.
Der Interpretation der 2. Symphonie von Ludwig van Beethoven, op. 36 kam die temperamentvolle, sehr tänzerisch bewegte Orchesterleitung von Thomas Platzgummer entgegen. Er forderte scharfe Kontraste zwischen stehenden Klängen am Beginn und den Themen im Allegro heraus. Transparent formten die Musiker:innen die musikalischen Linien. Abschnittweise wirkte jedoch der Gesamteindruck des Orchesters etwas polternd und in der Intonation nicht immer ganz exakt. Doch allmählich entwickelte sich ein mitreißender Flow. Gut ausbalancierte Klänge im Tutti bereicherten das lyrische Larghetto. Besonders der dritte Satz mit den dynamischen Schüben und den zahlreichen Klangfarbenkontrasten sowie die thematischen Gegensätze im Finale mit abrupten Stimmungswechseln verstärkten die drängend leidenschaftliche Gesamtwirkung imposant.

www.stellamatutina.at