Tanz ist Festival (Foto: Stefan Hauer)
Anita Grüneis · 05. Okt 2024 · Kabarett

Timm Sigg im TAK: Wortwitz mit viel Musik und Mathematik

Er weiß, wie er ein Publikum begeistern kann, dabei gilt sein Beruf als Stimmungstöter. Timm Sigg ist Mathematikprofessor – Zahlen sind für ihn eine Basis für das Leben, die Liebe und alles andere. Davon erzählte er im TAK Theater Liechtenstein mit seinem Programm „Der Professor und das liebe Pi“, oder besser: er besang sein Leben in dieser Zahlenwelt. „Ich verarbeite auf der Bühne mein Leben und Sie sind meine Therapeuten“, sagte er selbst zum Publikum.

Diese Aufgabe nahm das Publikum sehr gerne wahr, denn es wurde dabei mit einer gewaltigen Portion Wortwitz und Musik bestens unterhalten. Der Abend begann mit einem Cha-Cha-Cha, flott gespielt am Klavier, wobei der Herr Professor dazu belehrte, dass bei allen Tänzen mit einem „A“ am Schluss – wie Samba oder Rumba –, die Herren mit dem rechten Bein den Tanz beginnen. „Mathematiker können das am besten beweisen“, erklärte er und dass es Berufe gebe, wo jeder meint, mitreden zu können. Der Mathematiker gehöre nicht dazu, allerdings könne dieser sofort zum Leuchten gebracht werden mit der Frage: Wie stehts um die Riemannsche Vermutung? Ein Satz, den sich das Publikum merken musste und der im Laufe des Abends immer wieder abgefragt wurde. Es gab an diesem Abend aber auch einfache Alltagsbegebenheiten, die einen Mathematiker schon mal verzweifeln lassen können, wie zum Beispiel bei Rezepten, wenn es heißt: „Man nehme eine Messerspitze“ – mit welchem Messer sei denn dabei zu messen? Ein andermal solle eine Zucchini gewürfelt werden und was bitte ist die mittlere Schiene im Backofen?

Von Nerds und GFS

Für Nerds, die immer am Computer sitzen, schrieb Timm Sigg eine rockig-jazzige Hymne, wobei er zuvor in einer Umfrage ermittelte, welches Geschlecht dem Computer jeweils zugeordnet werde. Männer geben ihrem PC weibliche Züge – weil das Zubehör teuer werde, Frauen sehen in ihrem Computer eher einen Mann, weil meist bald nach dem Erwerb ein besseres Modell angeboten werde. Dann wieder amüsierte sich der Mathematiker am Klavier über die GFS – die gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen, wobei Schülerinnen und Schüler selbstständig ein Thema erarbeiten und ihre Ergebnisse darstellen müssen. Wie das praktisch aussieht, beschrieb er anhand seines Familienmodells. Ein andermal beklagte er die vielen Apps auf dem Handy und fragte sich: „Wo sind die Apps, wenn man sie braucht?“ Bei diesem Song durfte am Schluss auch gegackert werden und weil es so schön war, durfte das ganze Publikum mitgackern.

Und dann hinein in die Mathematik

Neben all den wortgewandten Erzählungen, die Timm Sigg singend am Klavier schilderte, wurde aber auch sein Berufsstand nicht vergessen. So schilderte er den schwierigen Start von Amalie Emmy Noether, die 1903, als erstmals Frauen zum Studium zugelassen wurden, Mathematik studierte, ihre Doktorarbeit summa cum laude abschloss, aber in Deutschland nie eine Anstellung bekam. Emmy Noether gilt als Begründerin der modernen Algebra. Ein weiterer interessanter Mathematiker war Godfrey Harold Hardy, der sich zur Schönheit der reinen Mathematik bekannte und in einer Art Testament schrieb: „Ich habe nie etwas ,Nützliches‘ getan. Keine meiner Entdeckungen hat die Annehmlichkeiten der Welt direkt oder indirekt im Guten wie im Schlechten auch nur im Geringsten verändert und wird dies wahrscheinlich auch nicht tun.“ So gibt sich das Fach Mathematik als „neutrale Schweiz“ zu erkennen.
Neben diesen Größen der Mathematik streifte Timm Sigg die Mengenlehre, die Georg Cantor begründete und die zur Frage führte: „Enthält die Menge aller Mengen, die sich selbst enthalten, sich selbst?“ Für einen der größten deutschen Mathematiker, Carl Friedrich Gauß, sang er „frei heraus“ ein kleines Lied und schilderte dabei das von Gauß entwickelte Verfahren, mit dem man lineare Gleichungssysteme lösen kann. Aber auch dem „Ingeniör“, dem nichts zu „schwör“ ist, widmete der Professor ein selbst komponiertes Lied. Mit seinem Wortwitz, dem jazzigen Klavierspiel, dem Streifzug durch die Mathematikerwelt und ihre Welt der Zahlen, in der die Königin eine Sieben ist, gelang dem Professor mit seinem lieben Pi ein äußerst unterhaltsamer und amüsanter Abend. Da sage noch einer, Mathematiker seien Langeweiler!

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