Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast. (Foto: Matthias Horn)
Dagmar Ullmann-Bautz · 12. Feb 2016 · Theater

Wundertüte! - „Alles“ von Rafael Spregelburd im Theater Kosmos

Es ist ein herausfordernder Theaterabend, ein Schauen und Hören, ein Lachen und Staunen, ein Nachdenken, ein Verknüpfen, sich Wiederfinden mit spannenden und berührenden Momenten und großem Nachhall. Das Theater Kosmos präsentierte die österreichische Erstaufführung von Rafael Spregelburds „Alles“. Für das Projekt engagierten die beiden Theatermacher Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig ein größtenteils neues Team. Die junge Regisseurin Esther Muschol setzte das Ensemble zusammen, Schauspielerinnen und Schauspieler, mit denen sie schon zuvor gearbeitet hatte. In dem wunderschönen, multifunktionalen Bühnenbild von Agnes Hamvas, sehr sensibel ausgeleuchtet von Stefan Pfeistlinger, lässt Muschol „die Puppen tanzen“.

Großartiger Text und genaue Regie


Das Stück setzt sich aus drei ineinander verwobenen Geschichten zusammen: ein Büro in einer Behörde, eine familiäre Weihnachtsfeier und ein paar Menschen in einem Raum mit einem kranken Kind im Nebenraum. Es geht um Staat und Bürokratie, um die Kunst an sich und ihre Irrwege, um Religion, Aberglaube und Ängste. Es ist ein großartiger, spannender Text, der ganz viel erzählt und wahnsinnig klug gebaut ist, nicht ganz einfach und gespickt mit vielen auf den Punkt gebrachten Wahrheiten. Die Regisseurin geht sehr genau um mit dem Text, inszeniert herrlich schrill und schräg, dort wo es die Geschichte erlaubt und sehr sensibel und leise, wo es notwendig ist. Einzig bei der Weihnachtsgeschichte finden sich ein paar Längen beim Erzähltext vom Band, die die Spannung zeitweise ein wenig abfallen lassen.

Überzeugendes Ensemble


Das Ensemble spielt mit viel Freude, einer großen Präsenz und sprachlicher Präzision. Katrin Grumeth, Anna Schönberg, Julian Sigl, Bernd Sračnik und Helge Stradner strahlen spürbare Harmonie aus und überzeugen in verschiedenen Rollen.

Diskutierendes Publikum


Herwig Hammerl komponierte eine durchwegs heitere Musik, die die Grundstimmung des Stücks ganz wunderbar transportiert.

Das Publikum applaudierte fleißig und verließ eifrigst diskutierend den Aufführungsraum.

 

Weitere Vorstellungen:
13., 26., 27. Februar und 3., 4., 5., 10., 11., 12. März 2016, jeweils 20 Uhr
Sonntagsvorstellungen: 28. Februar und 6. März 2016, jeweils 17 Uhr 

www.theaterkosmos.at