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18.09.2015 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Schön und düster zugleich - Das Projekttheater präsentiert "Foxfinder" von Dawn King

Ein paar Minuten nach Acht öffnet sich das Kirchenportal der Johanniterkirche in Feldkirch und wir betreten einen mystischen Raum. Durch dichten Nebel laufen wir über Holzstege, vorbei an sumpfigem Wasser. Sicher erreichen wir den Zuschauerraum und lehnen uns zurück in großer Erwartung, was sich wohl hinter dem Nebel verbirgt.

Kafkaeske Parabel


Das Projekttheater feiert sein 20-jähriges Jubiläum mit der österreichischen Erstaufführung des Stückes "Foxfinder" der englischen Autorin Dawn King. Die kafkaeske Parabel entführt den Zuschauer auf den Bauernhof von Judith und Samuel irgendwo in einem Land, in dem ein totalitäres Regime die Geschicke der Menschen lenkt. Die Stimmung ist bedrückend, hier geht es den Menschen schlecht. Judith und Samuel sind verzweifelt - der Tod ihres vierjährigen Sohnes, eine Missernte nach der anderen und jetzt auch noch der Foxfinder im Haus. William Bloor ist staatlich beauftragter Foxfinder, ein fanatischer, von Kindesbeinen an indoktrinierter, sich selbst geißelnder und zutiefst verletzter Mensch. Die Füchse sind die Sündenböcke, sie sind schuld an jeglichem Leid, an allen Schwierigkeiten. Bloors Anwesenheit destabilisiert das soziale Gefüge in der Gemeinde und führt zu gegenseitigem Misstrauen und Denunziation.

Atemberaubend schön und düster


Susanne Litzow hat diese bedrückende und doch so hochaktuelle Geschichte großartig inszeniert, hat ihren SchauspielerInnen viel abverlangt, klare Figuren gezeichnet und beeindruckende Bilder geschaffen. In einem so düsteren, wie auch atemberaubend schönen Bühnenbild bewegen sich die Figuren wie in einem bösen Traum. Marie-Luise Lichtenthal baute eine elegische Sumpflandschaft in die Johanniterkirche, davor einen kargen Raum, den die SchauspielerInnen durch ihr präzises Spiel einrichten und ausgestalten. Requisiten gibt es kaum, stattdessen Geräusche, mit phänomenaler Wirkung. Das Ticken der Taschenuhr, wenn Samuel den Deckel öffnet, das Quietschen der Türen und der Regen solange die Haustüre offen ist, das Kratzen der Schöpfkelle im Suppentopf, das Rinnen der Suppe in den Teller, das Löffeln der Suppe, der Kaffee, der in die Tasse plätschert - jedes Geräusch wurde auch von den SchauspielerInnen mit allergrößter Präzision ausgespielt. Eine wahre Herausforderung an Konzentration und Genauigkeit, perfekt gemeistert.

Großartiges Ensemble


Martina Spitzar begeistert in der Rolle der Judith Covey durch ihre Präsenz, ihre Stärke und gleichzeitig ihre Durchsichtigkeit. Ihr Ehemann Samuel Covey, der im Laufe des Stückes eine Wandlung vollzieht, wird ganz bewundernswert akkurat und genau, so detailliert von Marc Fischer dargestellt. In der eigentlich tragischen Figur des Foxfinders spielt der junge Rafael Schuchter ein äußerst vielschichtiges und höchst tiefgründiges Spiel. Herrlich authentisch und mit Strahlkraft ist Maria Hofstätter als Nachbarin Sarah Box zu erleben.

Begeistertes Publikum


Mit "Foxfinder" schenkt das Projekttheater dem Publikum einen ganz außergewöhnlichen Theaterabend, der inhaltlich bedrückt, aber in seiner künstlerischen Qualität absolut überwältigt. So war auch die Reaktion am Ende des Stückes absolut nachvollziehbar: Erst Stille, dann langsam anschwellender und schließlich begeisterter Applaus!

 

Weitere Vorstellungen:
21., 23., 24., 25., 26., 28. September
01., 02., 03. Oktober
Johanniterkirche Feldkirch
Theatermontag
2 kommen 1 zahlt: am 21. und 28. September
Wien-Gastspiel
im Februar/März 2016, Theater Nestroyhof/Hamakom

Großartig: Rafael Schuchter, Marc Fischer und Martina Spitzer

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Maria Hofstätter und Martina Spitzer - authentisch und präsent

Maria Hofstätter und Martina Spitzer - authentisch und präsent

Fotos: Nikolaus Walter

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