Das Nederlands Dans Theater 2 beim Bregenzer Frühling (Foto: Udo MIttelberger)
Dagmar Ullmann-Bautz · 31. Aug 2014 · Theater

Laut, rasant, grotesk - "Adams Äpfel" im Provinztheater Egg

Seit einigen Jahren fahren Theaterfreunde nach Egg, um ungewöhnliches Amateurtheater auf hohem Niveau zu sehen. Das Provinztheater und seine Leiterin Beatrix Schwärzler bespielen die Parkhalle mitten im Zentrum der Bregenzerwälder Gemeinde mit experimentellen Produktionen. Für die diesjährige Inszenierung wählte die Gruppe das Stück "Adams Äpfel" nach dem gleichnamigen dänischen Film von Drehbuchautor und Regisseur Anders Thomas Jensen. Jensen sorgte mit seiner Geschichte für Furore in der europäischen Filmwelt und gewann einige Preise.

In Egg inszenierte zum ersten Mal nicht Beatrix Schwärzler, sondern der professionelle Schauspieler Stefan Pohl. Er hat das Stück auch für die Egger Bühne adaptiert. Das Ensemble setzt sich aus sehr erfahrenen AmateurschauspielerInnen zusammen.

Realität und Scheinwelt


Die Geschichte erzählt von Pfarrer Iwan, der in seinem Pfarrhaus gestrandete Existenzen - Gewalttäter, Alkoholiker, usw. - aufnimmt und sie zum Guten führen möchte. Mit großer Leidenschaft und unerschütterlicher Nächstenliebe bemüht sich Pfarrer Iwan um seine Schäfchen und verweigert sich selbst jeglicher Realität. Als der Neonazi Adam in diese kleine Gemeinschaft einzieht, beginnt ein äußerst interessanter und rasanter Reigen um Gut und Böse, um Realität und Scheinwelt.

Spannende Szenerie


Dass das Stück, das im Film schon über die Maßen grotesk daherkommt, noch skurriler umgesetzt werden kann, war nicht vorherzusehen. Doch das Provinztheater schaffte es, allein schon durch die Szenerie. Stefan Pohl und sein Bühnenteam, Manfred Stadelmann und Arno Hagspiel, platzieren die Geschichte in einem sterilen OP-Saal. Die "Patienten" werden mit Infusionen und Pillen behandelt. Mit Infusionen werden Alkoholpegel gehalten, mit Pistolen Geschwüre beseitigt und mit Pillen wird der Glaube verstärkt. Die Kostüme von Theresia Weidinger überzeugen mit ihrer Raffinesse im Detail.

Sehr laut, sehr schrill, sehr blutig geht es zu in diesem spannenden Ambiente und so hat man das Gefühl, dass dem vordergründigen Agieren, den skurrilen und kreativen Regieeinfällen, die Hintergründigkeit, die Bösartigkeit und der schwarze Humor des Textes geopfert wurden.

Tolles Ensemble


Das Ensemble agiert sehr komplex und gut eingespielt. Jede/r bringt allergrößten Einsatz und es macht immer wieder Staunen, wozu Amateure befähig sind. Pfarrer Iwans Leidenschaft wird von Sepp Gröfler mit allergrößter Inbrunst gespielt. Roland Amann verkörpert den Neonazi Adam mit der stimmigen, starren, ja sturen Gefühllosigkeit. Ein "schönes" Alkoholikerpaar geben Katja Zündel und Raimund Fink als Sarah und Gunnar. Witzig und sehr spielerisch präsentiert Andreas Albrecht den Tankstellenräuber und Mörder Khalid. Eine höchst bizarre Figur stellt Nadja Schneider als Dr. Kohlberg in der blutverschmierten Metzgerschürze dar. Manfred Stadelmann als Paul und Wolfgang Klimmer als Neonazi Holger und als Pfarrerssohn Christopher fügen sich stimmig in diesen abstrusen Haufen.

Am Ende blieb der Eindruck eines Theaterabends, dem in seiner Eindimensionalität gerade die leisen Töne gutgetan hätten.

 

Weitere Aufführungen:
31. August
4. / 5. / 6. / 7. September
jeweils 20 Uhr
Karten: 0664 9686268
www.provinztheater.at