Das Bodenseefestival stellt unter anderem die vielseitige musikalische Welt des Mandolinisten Avi Avital in den Mittelpunkt.
Anita Grüneis · 30. Mai 2018 · Theater

Das TAK vor der neuen Spielsaison: Die Urkraft des Theaters aufzeigen

Zwei Eigenproduktionen und ein neues Jazzfestival stehen auf dem Spielplan der nächsten Saison des TAK Theater Liechtenstein. Daneben werden Gastspiele vom Deutschen Theater Berlin, Schauspielhaus Zürich, Schauspiel Dortmund, Theater Neumarkt, Burgtheater Wien und Residenztheater München sowie den Stadttheatern Konstanz und Augsburg zu sehen sein. Das Motto für die Saison 2018/19 lautet: „Der Vorhang stürzt, wir brechen auf“. 

Der deutsche Schriftsteller Walter Hasenclever schrieb diesen Satz im Jahr 1918 in seinem Gedicht „Der Schauspieler“, das er dem österreichischen Schauspieler Ernst Deutsch widmete. Wie kam das TAK ausgerechnet zu diesem Zitat? Dazu TAK-Intendant Thomas Spieckermann: „In der letzten Saison hatten wir ja das Thema „Hoffnung“, daher wollten wir mit Themen wie Mut und Aufbruch weiterfahren. Im Team suchten wir nach einem geeigneten Zitat und fanden es bei Hasenclever, der dem Theater eine große Erneuerungsenergie zuschreibt.“ Es sei die Urkraft des Theaters, die in diesem Zitat steckt und die das TAK anhand verschiedener Stücke aufzeigen will, so Spieckermann. „Dabei geht es immer wieder um Figuren, die sich in gewissen Situationen befinden und sich entscheiden müssen – resignieren oder aufbrechen, wie beispielsweise Ibsens „Nora“ oder LaButes Brüderpaar. Erst nach der Vergangenheitsbewältigung kann eine neue Zukunft definiert werden“. 

 Zwei Eigenproduktionen zeitgenössischer Autoren

Gleich zu Beginn der Saison wird das Stück „In einem finsteren Haus“ von Neil LaBute gezeigt, in dessen Zentrum zwei Brüder und ein Kindesmissbrauch stehen. Oliver Vorwerk, der vor zwei Jahren im TAK „Gilgamesh“ auf die Bühne brachte, wird das Werk des amerikanischen Autors inszenieren. Die Brüder werden gespielt von Philip Heimke und Nikolaus Schmid, mit dabei ist auch Christiani Wetter.
Im März nächsten Jahres folgt mit „Heilig Abend“ von Daniel Kehlmann ein Krimi der Kammerspiel-Art. 
Ein Polizist, eine Terrorverdächtige und eine tickende Uhr bilden den äußeren Rahmen von Kehlmanns Stück, inhaltlich geht um das Dilemma zwischen Freiheit und Sicherheit. Für die Regie wurde Tim Kramer verpflichtet, der bereits „Kunst“ und „Michael Kohlhaas“ für die TAK-Bühne inszenierte. Spielen werden Thomas Beck und Boglarka Horvath. 

Zwei starke Stücke also als Eigenproduktion, in beiden geht es um Enthüllungen, um den stürzenden Vorhang, der verbirgt, was dahinter geschieht. Auch in einigen Gastspielen geht es um weitgreifende Entscheidungen, wie beim „Kirschgarten“ vom Schauspielhaus Dortmund oder „Nora“ vom Residenztheater München. Mit Goethes „Hermann und Dorothea“, einem Gastspiel des Burgtheaters Wien und der Komödie „Viel Lärm um nichts“ vom William Shakespare, gezeigt vom Theater Augsburg, stehen wiederum zwei Klassiker auf dem Programm. 

Michael Köhlmeier mit seinem neuen Werk

Eine Parabel auf den Menschen als Flüchtling bringt das Deutsche Theater ins TAK: Es zeigt das Stück „Das Mädchen mit dem Fingerhut“, nach dem Roman von Michael Köhlmeier. Spielen werden Kotti Yun und Thorsten Hierse. Dazu heißt es in der Nachtkritik: „Yun und Hierse bringen durch ihr Spiel und mehr noch durch ihren Tonfall, in dem sich Staunen und Schrecken, Gleichmut und Sehnsucht übergangslos verbinden, Köhlmeiers Sätze zum Schwingen und intensivieren noch einmal deren visionäre Kraft.

Premiere: Chick Corea und ein 1. Jazzfestival

Neu steht im Musik-Bereich in Zusammenarbeit mit der Tangente in Eschen das „1. Liechtensteiner Jazzfestival“ auf dem Programm. Ein ganzes Wochenende lang werden JazzkünstlerInnen aus Liechtenstein ihr Können zeigen, zehn verschiedene Formationen haben bereits zugesagt. Die Konzerte finden abwechselnd in der Tangente und im TAK statt. Für Jazzfans ein absolutes Muss ist das Konzert des legendären Chick Corea, der am 22. November im TAK eine Solo-Performance geben wird. Der 77jährige Altmeister ist einer der Gründerväter des Jazzrock, er schuf viele Jazz-Standards und zählt weltweit zu den einflussreichsten Jazzgrößen.

Große Namen, junge KünstlerInnen

Im klassischen Bereich gibt es eher traditionelle Musik zu hören. Martin Grubinger, der österreichische Zauber-Perkussionist kommt wieder, aus Russland gastiert die Nationale Philharmonie unter der Leitung von Vladimir Spivakov, der 35jährige Pianist Nikolai Tokarev wird Rachmaninovs Klavierkonzert Nr. 2 spielen. Zu seiner Kunst meinte Tokarev in einem Interview: „Ohne den Komponisten wäre ich nichts, ohne einen Pianisten würde er wiederum nicht lebendig bleiben. Wir Musiker sind ein Spiegel, zum Glück ist jeder von uns ein bisschen anders.
Weiters gastieren Martin Stadtfeld und die Trondheim Soloists mit einem reinen Bach-Abend, Sol Gabetta spielt mit Kristian Bezuidenhout ein Programm mit Schumann, Schubert, Beethoven, für Trompeter-Freunde kommen Gábor Boldoczki und die Prager Philharmonie, der Pianist Krystian Zimermann wird ein Solo-Programm geben und für alle Händel-Liebhaber wird Weihnachten „Der Messias“ mit dem King’s Consort und dem Choir of the King’s Consort aufgeführt. 

300jähriges Überleben des Fürstentums

Im Kabarett- und Comedy-Bereich gibt es ein Wiedersehen mit Stermann und Grissemann, Hagen Rether, Ursus und Nadeschkin, Abdelkarim, Mike Müller, Michael Gammenthaler und den Science Busters. Aus Liechtensteiner Sicht interessant werden dürfte das „Triple“ mit dem Slapstick-Duo (Thomas) Beck & (Nicolas) Biedermann, das an einem Nachmittag und Abend seine drei Eigenproduktionen am Stück zeigt. Genauso interessant werden dürfte auch das Programm „Zoom in“, des Kabaretts Zwietracht, in dem Rita Frommelt und Manuela Haldner-Schierscher zum 300-jährigen Überleben des Fürstentums die familiären Geschwisterkonflikte zwischen Prinzesschen Liechtenstein und Frau Helvetia untersuchen.