"Mit einem Tiger schlafen": Anja Salomonowitz‘ Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig derzeit in den Vorarlberger Kinos (Foto: Stadtkino Wien Filmverleih)
Dagmar Ullmann-Bautz · 23. Jän 2016 · Theater

Beeindruckendes Rundum-Erlebnis – „Kaltes Land“ von Reto Finger in Hittisau

Wie nahe Wundschönes und Grauenhaftes bisweilen beieinander liegen, konnte das anwesende Premierenpublikum in Hittisau am gestrigen Abend eindrucksvoll erleben. Die junge und hochmotivierte Theaterkompanie Café fuerte, bekannt für außergewöhnliche Inszenierungen an besonderen Orten, präsentierte in Zusammenarbeit mit dem Frauenmuseum das Stück „Kaltes Land“ von Reto Finger als Winter-Freilichttheater.

Mit einer 40-minütigen Wanderung durch eine fantastische Winterlandschaft, ausgehend vom Frauenmuseum und hin zum Aufführungsort, beginnt dieser Theaterabend. Ein fast schon perfekter Vollmond lässt die Schneedecke glitzern wie ein großes Meer voller Edelsteine. Die Häuser werden weniger und das warme Licht, das durch die Fenster strahlt, vermittelt ein wunderbar wohliges Gefühl.

Inszenierung auf den Punkt


Auf einem kleinen windgeschützten Platz im Wald, hellwach und endorphindurchströmt angekommen, erlebt das Publikum die bemerkenswerte Inszenierung einer tieftraurigen Geschichte. Das Stück des Schweizer Dramatikers Reto Finger erzählt in einer äußerst kargen und ausdrucksstarken Sprache von Kälte, Enge, Zwängen, Verletzungen und Tod. Danielle Strahms Inszenierung wird dem Text absolut gerecht. Ihre Figuren, ihre Szenengestaltung sind Abbilder dieser Kargheit und dabei so eindrucksvoll, dass jedes Wort, jeder Blick, jede Bewegung trifft – mitten ins Herz, tief in die Magengrube.

Großartige Schauspieler


„Kaltes Land“ spielt in einem kleinen Dorf in einem engen Tal, beherrscht von alten Geschichten, der Kirche, den Launen der Natur, selbst- und fremdauferlegten Zwängen. Hanna will fort, was anfangs noch nach einer guten Möglichkeit ausschaut, erweist sich als absolut aussichtslos. Claudia Sutter beeindruckt als Hanna, ganz ehrlich, unprätentiös mit großer Strahlkraft. Ihr zur Seite steht die Tänzerin Eve Ganneau, die, choreographiert von Joan Clevillé, die Befindlichkeit dieser zutiefst verletzten jungen Frau mit jeder Bewegung bestechend zum Ausdruck bringt. Im Schnee zu tanzen, sich zu bewegen, mit dieser Mühelosigkeit und Eleganz, ist einfach bravourös. Hannas Eltern zerbrechen an sich, an ihrer Lebenssituation, am Tod ihres Sohnes. Mit gewaltiger Bühnenpräsenz und Intensität begeistert Kristine Walther als Mutter. Tobias Fend überzeugt als Vater mit Authentizität und einer haftenden Bodenständigkeit, die sich im Laufe der Geschichte sichtbar auflöst. Stefan Pohl, sehr nuanciert als Tobias und Ramona Suresh erfrischend als Jasmin, bringen als zwei junge Menschen aus der Stadt Unruhe ins Dorf und eine wohltuende Leichtigkeit in die Geschichte. Rudi Widerhofer spielt den Pfarrer, eine unumgängliche Figur, herrlich unsympathisch, naiv und trocken.

Homogenes Ganzes


Matthias Strahm kleidete die Protagonisten in Weiß und man staunt welche Vielfalt sich dabei ergibt, durch unterschiedliches Material, Schnitt und die verschiedensten Nuancen an Weiß. Jedes Kostüm erzählt von seinem Träger. Die Musik, komponiert und gespielt von Florian Wagner, ist ein weiteres wunderbares Element dieses beeindruckenden Abends.

Das begeisterte Publikum bedankte sich mit langanhaltendem Applaus. Café Fuerte hat es wieder geschafft, an einem kleinen außergewöhnlichen Ort eine große Geschichte zu erzählen und dem Publikum einen unvergesslichen Abend zu schenken. Das sollte man nicht versäumen.

 

Weitere Aufführungen
Alle Vorstellungen finden im Freien, in den Bergen statt!

Aufführungen in Hittisau:
23./24.01.16 und 12./13.02.16

Treffpunkt: Frauenmuseum Hittisau, 19 Uhr, anschließend 30 min Spaziergang zum Vorstellungsort; oder 19.30 Uhr Bustransfer zum Vorstellungsort ab Frauenmuseum Hittisau
Vorverkauf: tourismus@hittisau.at / 0043 (0) 5513 62 09 50

Aufführungen auf der Ebenalp, Wasserauen / CH
17./18./19./20./21.02.16

Treffpunkt: Talstation Seilbahn Ebenalp, 19 Uhr
Vorverkauf: info@ebenalp.ch / 0041 (0) 71 799 12 12