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29.11.2015 |  Walter Gasperi

Gott will einen Topfenstrudel – Das Vorarlberger Landestheater verhandelt im Weihnachtsstück „An der Arche um acht“ leichthändig große Fragen

Mit Ulrich Hubs 2006 uraufgeführtem „An der Arche um acht“ hat das Vorarlberger Landestheater ein modernes Werk als Weihnachtsstück ausgewählt – und einen Volltreffer gelandet. Denn wie hier die biblische Geschichte von Noah und seiner Arche benutzt wird, um kindgerecht große Fragen nach Gott, Freundschaft und Verantwortung zu diskutieren, gleichzeitig aber auch der Spaß dabei nicht zu kurz kommt, sollte nicht nur kleine, sondern auch große Theaterbesucher begeistern.

Auch wenn man schon 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn das Theater betritt, liegen die drei Pinguine (Sebastian Hammer, Nadja Brachvogel und Lukas Kientzler) schon Zeitung lesend oder schlafend in ihren Liegestühlen auf der Bühne. Der minutenlange Anblick lässt schon die Monotonie dieses Lebens in der Antarktis erahnen, die auch in den ersten Dialogen eindrücklich vermittelt wird.

Diskussion über Gott

Für Abwechslung sorgt hier ein Schmetterling, den freilich einer der Pinguine sogleich abmurksen will. – Und schon setzt eine Diskussion über Gott ein. Während zwei Pinguine auf Gottes Gebot „Du sollst nicht töten!“ hinweisen, hinterfragt der dritte ständig deren Positionen, zieht die angebliche Vollkommenheit der Schöpfung angesichts der faden Antarktis in Zweifel, äußert auch die Ansicht, dass dem Allmächtigen bei der Kreation der Pinguine wohl ein Missgeschick unterlaufen sei, fühlt er sich doch als Mischung aus Fisch und Vogel.
Gleichzeitig spricht sich dieser Pinguin selbst nach der unabsichtlichen Tötung des Schmetterlings aber auch mit dem Verweis auf Gott von jeder Schuld frei, ist doch Gott als sein Schöpfer auch für das Böse verantwortlich. Dennoch schürt der Glaube an die Existenz Gottes Schuldgefühle und auch Angst vor Strafe, scheint die aufziehende Sintflut doch eine Folge der Tötung des Schmetterlings zu sein.

Freundschaft kontra göttliche Regel

Als Gehilfin Noahs sammelt die Taube (Camilla Nowogrodzki) von jeder Spezies ein Paar ein und bestellt sie für acht Uhr zur Arche. Doch die Pinguine sind zu dritt, wollen den Überzähligen nicht zurücklassen, auch wenn es zuvor wegen Gott und des Schmetterlings mit ihm Streit gab. Als blinder Passagier bringen sie ihn in einem Kühlschrank in die Arche, müssen ihn im Bauch des Schiffes vor der Taube verstecken, denn immer wieder taucht diese überraschend auf.

Spielfreudiges Ensemble

Löwen und Elefanten sind nur kurz mal akustisch präsent, auch der Kapitän der Arche meldet sich nur gegen Ende zu Wort. Autor Ulrich Hub und Regisseur Martin Brachvogel kommen locker mit den drei Pinguinen und einer Taube aus. Denn mit viel Spielfreude agieren Sebastian Hammer, Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler und Camilla Nowogrodzki sorgen für Witz mit Wortspielereien, lassen auch Slapstick nicht zu kurz kommen und lockern die 70 Minuten immer wieder mit Songs auf.

Die Kunst der Reduktion

Zum Vergnügen tragen hier allein schon die zerlumpten Bademäntel, schmuddeligen Pyjamas und löchrigen Socken bei, in die Kostümbildner Ralph Heigl die Pinguine mit ihren mächtigen Bäuchen gesteckt hat und, die damit auch in starkem Kontrast zum strahlend weißen Kleid der Taube und ihren markanten roten Schuhen stehen.
Wie bei den Figuren wird auch bei der Kulisse von Bernhard Bauer auf Reduktion gesetzt. Im Hintergrund leuchtet die Erde mal blau, mal grün oder rot und einmal donnerts auch mächtig, während im Vordergrund es reicht die Liegestühle und Couchsessel durch den Kühlschrank der Pinguine und eine „Toilettenanlage“  zu ersetzen, um aus der Antarktis den Schiffsbauch zu machen.

Fragen aufwerfen statt belehren

Wunderbar leichthändig gehen bei dieser Reise ins Ungewisse, bei der auch Heimweh nach der Antarktis aufkommt, Situationskomik und ernste Fragen nach Gott, Freundschaft und Verantwortung Hand in Hand. – Nur Antworten werden bewusst keine gegeben, sodass große und kleine Theaterbesucher nicht nur blendend unterhalten und mit einer begeistert beklatschten Zugabe belohnt, sondern auch mit Stoff zum Nachdenken nach Hause geschickt werden.

Monotonie in der Antarktis - Sebastian Hammer, Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler (alle Fotos © Anja Köhler)

Monotonie in der Antarktis - Sebastian Hammer, Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler (alle Fotos © Anja Köhler)

Unförmige Pinguine und elegante Taube - die Kostüme von Ralph Heigl sorgen für einen starken Kontrast

Unförmige Pinguine und elegante Taube - die Kostüme von Ralph Heigl sorgen für einen starken Kontrast

Wo ist Gott? - Etwa im Kühlschrank? (Nadja Brachvogel, Camilla Nowogrodzki)

Wo ist Gott? - Etwa im Kühlschrank? (Nadja Brachvogel, Camilla Nowogrodzki)

Slapstick auf der "Toilettenanlage" (Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler, Sebastian Hammer)

Slapstick auf der "Toilettenanlage" (Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler, Sebastian Hammer)

Aus Fischen werden bei den Gesangseinlagen Mikrofone (Sebastian Hammer, Lukas Kientzler, Nadja Brachvogel)

Aus Fischen werden bei den Gesangseinlagen Mikrofone (Sebastian Hammer, Lukas Kientzler, Nadja Brachvogel)

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  • Monotonie in der Antarktis - Sebastian Hammer, Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler (alle Fotos © Anja Köhler) Monotonie in der Antarktis - Sebastian Hammer, Nadja Brachvogel, Lukas Kientzler (alle Fotos © Anja Köhler)
  • Unförmige Pinguine und elegante Taube - die Kostüme von Ralph Heigl sorgen für einen starken Kontrast Unförmige Pinguine und elegante Taube - die Kostüme von Ralph Heigl sorgen für einen starken Kontrast
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