Neu in den Kinos: „Ich Capitano“ (Foto: X-Verleih)
Peter Füssl · 25. Feb 2024 · Musik

The Jakob Manz Project zündete ein phantastisches Soul-Jazz-Feuerwerk

Das junge deutsche Quartett begeisterte bei seinem ersten Österreich-Auftritt am Spielboden

Der erst 22-jährige Altsaxophonist Jakob Manz studierte als Ausnahmetalent bereits mit 15 an der Musikhochschule Stuttgart und gründete mit 17 sein Quartett mit dem Pianisten/Keyboarder Hannes Stollsteimer, dem Bassisten Frieder Klein und dem Schlagzeuger Paul Albrecht, der mittlerweile durch Leo Asal ersetzt wurde. Das Debüt-Album des Jakob Manz Projects veröffentlichte er 2020 beim renommierten Münchner Jazz-Label ACT, das auch eine Duo-Album von Manz mit der aufstrebenden Pianistin Johanna Summer produzierte und unter dem Titel „Groove Connection" Fusion-Urgesteine wie Roberto Di Gioia, Tim Lefebvre oder Per Lindvall auf den jungen Altsaxophonisten treffen ließ. Derzeit ist das Jakob Manz Project mit dem zweiten, exzellenten Album „The Answer“ auf Präsentations-Tournee und beweist seine famose Bühnentauglichkeit: erfrischend – unverbraucht – hochenergetisch – ekstatisch!

Kollektiv exzellenter junger Individualisten

The Jakob Manz Project ist keineswegs so auf den Bandleader konzentriert, wie es der Bandname vermuten ließe. Vielmehr handelt es sich um vier exzellente Individualisten, die ihre Talente im Dienst der gemeinsamen Sache bündeln und potenzieren. Der einfallsreiche und wendige Pianist und Keyboarder Hannes Stollsteimer und der auf dem eher selten zu hörenden, sechssaitigen E-Bass brillierende Frieder Klein haben ebenfalls Stuttgart absolviert. Der neben dem Jazz auch in der Hip-Hop-Szene verankerte, äußerst schlagkräftige Drummer Leo Asal hat in Mainz und Köln studiert. Und alle treten auch als höchst talentierte Komponisten in Erscheinung. Die Setlist des Konzerts am Spielboden umfasste vier Titel von Stollsteimer, drei von Klein, einen von Asal und drei von Manz. Vor allem aber kennen sich die Herren ohnehin in- und auswendig, schreiben einander auf den Leib und haben einen unverkennbaren Gruppen-Sound entwickelt, in den sich die einzelnen Kompositionsstile problemlos einfügen lassen. Soul-Jazz, Funk und Fusion werden zu einem extrem mitreißenden, sich immer wieder in ekstatischen Höhepunkten entladenden Mix amalgamiert, stets Groove-orientiert, mit starken Melodien gefangennehmend, oftmals atemberaubend kraftvoll. Die vier agieren technisch brillant, virtuos, und stets zum Bersten emotionsgeladen. Von den auf dem aktuellen Album inkludierten Pop- und Ethno-Elementen (der westafrikanische Gitarrist Lionel Loueke ist einer der Stargäste) war aber nicht viel zu spüren.

Faszinierendes Programm: Vom feurigen Auftakt ...

Der Abend startete mit zwei Stücken des Bassisten Frieder Klein. „Einsatz Live“ wurde durch markant gehämmerte Piano-Akkorde eingeleitet, in die sich rasch alle eingliederten und rhythmisch gefinkelt gleich einmal in Richtung Ekstase abhoben. Ein feuriges Altsax-Solo von Manz markierte den ersten Höhepunkt – nach ca. vier Konzertminuten, wohlgemerkt. „Bombylius“ vom ersten Project-Album „Natural Energy“ klang wie ein impressionistisches Stimmungsbild, das immer wieder von flotten Passagen unterbrochen wurde und bewies, dass Manz auch stimmungsvoll in Melodien zu schwelgen versteht.

Darauf folgten zwei Kompositionen von Pianist Hannes Stollsteimer. „Prospering“ ließ er mit einem melodiösen Solo des Bassisten ruhig angehen, der das Stück dann auch durch interessante dynamische und rhythmische Entwicklungen und unterschiedlichste Stimmungen führte. „Captain Ken“ ist ein bislang unveröffentlichtes Stück, das Stollsteimer zweien seiner Lieblingsmusiker gewidmet hat – Pianist Kenny Kirkland und Saxophonist Kenny Garrett. Ein post-bopiges, sehr straight vorantreibendes, mit harmonisch prickelndem Piano-Solo gespicktes Stück, das förmlich explodierte und in ganz großer Pose mit kreischendem Sax ins Finale ging. Diesem enormen Sog konnte und wollte sich niemand entziehen – der frenetische Applaus des Publikums, das sich auch brav für jedes der bemerkenswerten Soli bedankte, ließ keinerlei Zweifel offen.

Perfekt aufgewärmt präsentierte schließlich Jakob Manz noch vor der Pause eine brandneue Komposition, die er extra für die Album-Präsentations-Tour diesen Jänner verfasst hatte. „Next Mission“ gibt sich als flotte Fusion-Nummer mit bedächtigeren Piano-Einschüben, das mit leisen, suchenden Tönen das wild dahinpreschende Dauerfeuer unterbrach. Eine polyrhythmische Drum-Einlage sorgte ebenfalls für willkommene Abwechslung, wobei Leo Asal sein umfangreiches Instrumentarium voll ausnützte und unglaublich kraftvoll, schnell, versiert und abwechslungsreich agierte.

... zum infernalen Finale

Nach der Pause gings im gleichen Tonfall weiter, nämlich mit Stollsteimers „Keep On Burning“: ein ultracooles Soul-Jazz-Piano-Intro, das gleichermaßen sophisticated wie geerdet und feurig klang, ging in ein intensives Sax-Solo über. Jakob Manz übernahm mit feurigen Tonkaskaden bis hin zu ekstatischem Röhren hier auch jenen Part, den auf dem Album der grandiose Matthias Schriefl als Stargast auf seiner Trompete erfüllte. Frieder Kleins „Maltes Mops motzt“ ist das älteste Stück der Band, hat es aber trotzdem noch auf keinen Tonträger geschafft. Bass, Piano, Sax und Drums begaben sich auf eine nachdenkliche Erkundungsmission, verdichteten sich in ein vielschichtiges, freieres Piano-Solo über die gesamte Tastatur, das wiederum mit ständig die Stimmung und den Rhythmus wechselnde Passagen ins Sax-geleitete Finale mündete. Inwiefern der quicklebendige Soul-Jazz-Köter mit „Ottos Mops“ von Ernst Jandl verbandelt ist, wurde nicht näher erläutert, zum Nonsens-Klassiker des Wiener Lyrikers und Sprachspielers hätte er jedenfalls bestens gepasst.

Schlicht und extrem passend mit „Funky“ betitelt war eine Komposition des Drummers, der trotz integrierter rhythmischer Finessen im atemberaubenden Schnellzug-Höchsttempo voranpreschte und enorm kraftvoll das Tempo vorgab – eine Herausforderung, die alle gerne annahmen. Von Jakob Manz stammte dann das nach der fiktiven Jurassic-Park-Insel „Isla Sorna“ genannte Midtempo-Stück mit seinen seltsam tänzelnden Rhythmen – hier griff er zwischendurch auch einmal zur durch eine erweiterte Bohrung sehr expressiv klingenden Blockflöte, ehe er das musikalische Geschehen auf dem Altsax mit extrem ausdrucksstarken Tönen zu Ende brachte. Ebenfalls vom Bandleader stammte „Voyage Suréel“, das auf dem Album den oben erwähnten Lionel Loueke featured, aber auch ohne westafrikanische Elemente dank seiner überbordenden Intensität zum vibrierenden Erlebnis wurde.

Das Publikum erklatschte in höchster Begeisterung noch eine Zugabe, die von den nicht weniger enthusiastischen Musikern gerne gewährt wurde. Das aus der Feder Hannes Stollsteimers stammende Bonus-Stück wurde vom Drummer extrem kraftvoll und superschnell vorangetrieben, das Sax schien schon vom ersten Ton weg zu explodieren, und der hochenergetische Tonschwall wurde nur einmal von kurz einem angesichts des vorangegangenen und nachfolgenden Infernos fast schon romantisch wirkenden Pianosolo unterbrochen. Das phantastische Jacob Manz Project hat das Spielboden-Publikum mit seiner mitreißenden Energie, seinem virtuosen und einfallsreichen Können und nicht zuletzt seiner überschäumenden Spielfreude buchstäblich im Sturm erobert.

Nächste Jazz&-Konzerte am Spielboden Dornbirn
20.3.24, 20.30 Uhr: Louise Jallu
25.4.24, 20.30 Uhr: Wolfgang Muthspiel Chamber Trio
www.spielboden.at

The Jakob Manz Project
21.3.24, 20 Uhr, BISTRO St. Gallen im Einstein
www.gambrinus.ch