Tanze, du Fee!
Der Chor Cantus Firmus Surselva bei den Chor- & Orgeltagen in Hohenems.
Mit einem denkwürdigen Konzert gingen am Sonntagabend die 35. Chor- & Orgeltage in der Pfarrkirche St. Karl in Hohenems zu Ende. Der Chor Cantus Firmus Surselva und das Ensemble „le phénix“ unter der Leitung von Clau Scherrer schenkten den Zuhörenden pures musikalisches Glück.
Alle Musikerinnen und Musiker haben ihre Heimat in Graubünden, ein Zeichen für die Bedeutung insbesondere der Chormusik in diesem Schweizer Kanton. „Tanze, du Fee“ ist der Titel eines Chorwerkes von Cyrill Schürch und war gleichzeitig das Motto des Abends. Das Konzertprogramm bestand aus einer Abfolge von (inklusive Zugabe) 20 Werken, die zum Großteil mit dem Thema „Abend“ zu tun hatten, in unterschiedlichen Besetzungen und Chorpositionen. Der Chor wurde unterstützt von „le phénix“, einem Ensemble, das sich je nach Anforderung vom Duo bis zum Kammerorchester flexibel formiert. In Hohenems bildeten sie ein Streichquartett mit einem Cellisten und drei Damen in Graubündner Tracht. Das Quartett steuerte mehrere solistische Programmpunkte bei und war darüber hinaus dem Chor ein sensibler Partner. Unaufgeregt wechselten Chor und Quartett von ganz hinten im Altarraum nach ganz vorne, verteilten sich seitlich im Kirchenschiff und musizierten gemeinsam, aber auch jeweils alleine.
Wie aus einem Guss
Es war verblüffend, wie die Musikerinnen und Musiker aus einer heterogenen Zusammenstellung von verschiedenen Kompositionen und Besetzungen einen absolut harmonischen Ablauf aufbauten. Jeder Programmteil passte perfekt zum vorigen aber auch zum nächsten, es gab keine Brüche, keine Pausen und auch keinen Zwischenapplaus. Daraus entstand ein organisches, 90-minütiges Gesamtwerk. Chor und Streichquartett entwickelten eine emotionale Spannung, der sich das für Oktober ungewöhnlich hustenfreie Publikum gerne hingab. Im Zentrum des Abends standen rätoromanische Lieder sowie Chormusik aus Skandinavien, das Quartett hatte verschiedene Stücke aus dem Repertoire des Danish String Quartet ausgewählt, speziell aus der CD „Wood Works“ mit Bearbeitungen nordischer Volksmusik.
Clau Scherrer, Träger des Bündner Kulturpreises 2024, hat am damaligen Landeskonservatorium Feldkirch studiert und gründete den Chor Cantus Firmus Surselva im November 1999. Das rätoromanische Liedgut ist ein wichtiger Schwerpunkt der Chorarbeit, aber auch große Chor-Orchesterwerke vom Barock bis zur Gegenwart werden regelmäßig aufgeführt. Cantus Firmus Surselva wurde aufgrund seiner künstlerischen Qualität bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt und wird auch in Österreich immer wieder zu Konzerten eingeladen.
Professionelles Niveau
Einen großen Anteil an der musikalischen Aussagekraft des Abends hatte der überirdisch schöne Chorklang – homogen, ausbalanciert, unangestrengt, intonationssicher, immer in der richtigen Lautstärke, um den Kirchenraum zu füllen, ohne zu forcieren. Clau Scherrer gab minimale dirigentische Anweisungen, mehr braucht es nach über 20-jähriger gemeinsamer Chorgeschichte nicht mehr. Immer wieder schwebten engelsgleiche Sopransoli von Judith Scherrer, der Schwester von Clau, durch den Kirchenraum. Kein einziges Mal gab es eine Tonangabe für den Chor, auch nicht nach den rein instrumentalen Zwischenspielen. Und dennoch setzte er stets in der absolut perfekten Tonhöhe ein. Das ist schon Profiniveau. Nach fast eineinhalb Stunden in voller Konzentration spendete das zahlreich erschienene Publikum großen und langanhaltenden Applaus.