Kunsthaus Bregenz: KOO JEONG A – Otro, 2008-2012 (Foto: l'escault, © KOO JEONG A)
Sieglinde Wöhrer · 29. Nov 2025 · Theater, Kinder

Sprechende Tiere gegen menschliche Zerstörung

Ein märchenhaftes Stück über die Wirkung von Wünschen

In der Regie von Agnes Kitzler feierte am Freitag das Familienstück „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ am Vorarlberger Landestheater Premiere. Die Bühnenfassung von Michael Endes letztem Roman präsentiert eine satirisch-fantastische Geschichte, die an Silvester spielt. Sie verhandelt Themen wie Umweltzerstörung, Machtmissbrauch und bürokratischen Irrsinn in einer kindgerechten Handlung.

Ein magischer Wunschpunsch verändert den Zustand der Welt zum Guten und macht die Bösewichte betrunken. Doch „so einfach ist das nicht mit dem Wünschen“, vor allem nicht, wenn der Zaubertrank eine technische Störung hat und zwei Haustiere mitmischen. In der Silvesternacht erinnert Alexas künstliche Stimme im giftigen und schleimigen Labor des Zauberers Beelzebub Irrwitzer an die wenige Zeit, die dem schusseligen Wissenschaftler noch bleibt. Denn das Jahr endet, bevor er das Pensum an Bosheiten erreichen kann, die er dem Gericht der finsteren Mächte vertraglich versprochen hat. Also schreibt er am Laptop sein Testament, als ein kreischender Rabe seinen gemütlichen Kater in Schrecken versetzt und seine tyrannische Hexentante durch die Katzenklappe hereinschneit.

Zaubertrank oder Haustiere zur Rettung der Welt?

Das heurige Familienstück „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ hat nicht nur einen etwas umständlichen Titel, sondern auch eine verworrene Handlung mit einem Zaubertrank, der das Gegenteil bewirken soll, mit Haustieren als Geheimagenten, die in Schallgeschwindigkeit unterwegs sind und mit einem Punschrezept auf einer zerteilten Schriftrolle. Ähnlich wie die beiden Bösewichte sich nur widerwillig auf einen gemeinsamen Deal einigen können, müssen sich auch die beiden Helden der Geschichte – eine Katze und ein Vogel – erst zusammenraufen, um die Welt vor ihren Besitzern zu retten.
In diesem fantasievollen Stück sind der Laborzauberer und die Geldhexe faszinierende Gestalten, die mit ein paar Sprüchen viel bewirken können, während die Katze immer wieder würgt und der Rabe seinen Asthmaspray hervorholt. Die Szenerie wird von geheimnisvollen Soundeffekten (Musik von Oliver Rath) und effektvoller und kühler Beleuchtung (Tom Barcal) untermalt, in der zwei gescheiterte Spione herumstolpern, sich dann aber dafür begeistern können, den Plan der Zauberer zu verhindern. Doch wie mit der alkoholischen Wirkung des Zauberpunsches haben sich die Magier auch mit ihren Haustieren verschätzt. 

Geblendet von der Bereicherung und Machtgier

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ ist Michael Endes letzter Roman und handelt davon, wie durch die Schattenseiten von Wissenschaft und Geld die Umwelt zerstört wird, weil die Menschen von der eigenen Bereicherung und ihrer Machtgier geblendet sind. In dem Stück führt das dazu, dass die beiden fantastischen Bösewichte in eine Zwickmühle geraten, weil sie gleich von zwei Seiten zur Rechenschaft gezogen werden. Zum einen droht ihnen der höllische Gerichtsvollzieher, zum anderen sind sie auf dem Radar des „hohen Rats der Tiere“. Mit dem Gebräu eines Zauberpunsches wollen sie sich aus der misslichen Lage befreien und mit bösen Wünschen Schaden anrichten. Zwei mickrige Tiere raffen sich auf und lösen sich nicht nur aus der Unterwerfung ihrer Besitzer, sondern übernehmen auch eine Verantwortung an der Gesellschaft und versetzen den Trank mit einem eingefrorenen Ton. Michael Ende schrieb das Buch im Jahr 1989, in einer Zeit, in der Umweltprobleme, Bürokratie und politische Missstände immer mehr zu öffentlichen Themen wurden.

Magie in Kombination mit moderner Technik

In der Regie von Agnes Kitzler glänzen die fantastischen Figuren im bunten Nebel und existieren in einer Welt, in der sie magische Elemente und moderne Technik gleichzeitig nutzen. Die Geldhexe Tyrannja Vamperl wird von Luzian Hirzel feminin überhöht als tyrannische Drag-Queen gespielt, Nurettin Kalfa verkörpert ihren leicht eingebildeten Raben Jakob Krakel, Maria Lisa Huber zeigt den dümmlich-ängstlichen Kater von seiner liebenswert-verträumten Seite. Suat Ünaldi überzeugt mit viel Humor in den skurrilen Rollen und die Rolle des Zauberers Irrwitzer wird von dem in Bregenz geborenen Schauspieler Elias Baumann übernommen.

Vbg. Landestheater: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“
Familienstück nach Michael Ende, für Menschen ab 6 Jahren
Dauer: ca. 80 Minuten
weitere Vorstellungen: vormittags, nachmittags und abends, bis 6. Jänner 2026,
alle Infos und Termine unter DER SATANARCHÄOLÜGENIALKOHÖLLISCHE WUNSCHPUNSCH | Vorarlberger Landestheater