María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Sieglinde Wöhrer · 13. Okt 2026 · Kinder

Spaß am Anderssein mit dem kleinen „Neinhorn“

„Das Neinhorn“ nach dem Kinderbuch von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn ist als Figurentheater in der Kulturwerkstatt Kammgarn in Hard zu sehen. In der Koproduktion vom TheaterGeist und dem Weiten Theater machen sich zwei Feen auf die Suche nach dem kleinen Einhornkind, das sich nicht in den zuckersüßen Reim der Ja-Sager einreihen will und auf seiner eigenwilligen Reise neue Freunde findet.

Das Kinderbuch „Das Neinhorn“ von Marc-Uwe Kling ist bei Kindern beliebt und wird auch von Eltern gehypt. Denn die Hauptfigur, ein kleines Einhorn, möchte nicht die Erwartungen anderer erfüllen, sondern behauptet sich mit einem „Nein“. Auch die anderen Charaktere sind starke, eigensinnige Persönlichkeiten, die mit ihren individuellen Bedürfnissen aufeinandertreffen und sich kindlich dagegen wehren, Anweisungen zu befolgen. „Dieses anarchische und diese freche Art und Weise des Humors passt zum Alter der Kinder, die mit vier Jahren in dieser Phase sind, sich selbst ihren Weg zu bahnen. Die Eltern haben da auch ein Gespür dafür, dass es eigentlich eine gute Sache ist, sie zu bestärken und zu sagen: Naja, dann sag ruhig nein, wenn du das nicht willst und das nicht machen willst“, so Christine Müller vom Weiten Theater in Berlin, die zusammen mit Annegret Geist als Schauspielerin und Puppenspielerin die Tiere im Buch auf der Bühne zum Leben erweckt.

Im rosaroten Land der Träume

Die Geschichte beginnt im Herzwald, wo das kleinste und jüngste Einhorn zu allem immer nein sagt. Die Einhornfamilie in dieser heilen Welt ist irritiert, denn das Neinhorn passt nicht in dieses rosarote Land der Träume, in dem es Konflikte eigentlich nicht gibt. Es wird zum Außenseiter und macht sich auf den Weg ins Nirgendwo. Dort trifft es zuerst einen Waschbär, der nach jedem Satz „Was“ fragt. Zusammen reisen sie weiter und nehmen unterwegs einen Hund mit, der immer nur „Naund“ sagt, weil ihm alles egal ist. Sie kommen schließlich zu einem Turm und befreien die eingesperrte Königstochter, die auf jedes Nein „Doch“ antwortet.

Nein, doch, ja, naund

Mit einem sehr spielerischen Ansatz wird im Buch thematisiert, wie die Figuren das eigene Ich entdecken, sich zur Wehr setzen und ihre eigene Persönlichkeit entwickeln. Aber auch die Sprache selbst wird mit den Wörtern „Nein, doch, ja, naund“ zur Entdeckungsreise, beschreibt Müller, wie die Kinder anfangen zu verstehen, dass man die Sprache auch abändern, verdrehen und anarchisch benutzen kann. „Durch einen Buchstabendreher kann man eine Emotion reinlegen, diese Entdeckung der Sprache hat auf jeden Fall Potenzial.“ Was bei Marc-Uwe Kling beim Wortspiel bleibt, wird im Puppentheaterstück aber genauer betrachtet. Mit viel Humor wird die Geschichte erweitert und erklärt, was die Beweggründe der jeweiligen Figuren sind, „nein“ zu sagen oder „doch, naund und was“. Die Hauptdarsteller „Neinhorn, Wasbär, Nahund und Königsdochter“ und die Einhornfamilie aus dem Buch werden als Plüschtiere gespielt und von zwei Feen (Feelicitas und Feeodora) ergänzt, die als Erzählerinnen in einer offenen Spielweise die Figuren bewegen und gleichzeitig in das Neinhorn-Universum integriert sind. Mit dieser Ebene der Feen, den zusätzlichen Figurenbeschreibungen, Live-Musik und Slapstick wird das eigentlich recht dünne Kinderbuch zum Theaterstück ausgerüstet. Jedes Tier hat ein Lied, das von den Schauspielerinnen mit Banjo und Akkordeon begleitet gesungen wird.

TheaterGeist & Das Weite Theater Berlin: „Das Neinhorn“ 
(nach dem gleichnamigen Buch nach Marc-Uwe Kling und Astrid Henn)
ab 4 Jahren
18.10., 15 Uhr
Dauer: ca. 50 min 
Kammgarn, Hard 
www.kammgarn.at

Weitere Theaterproduktion zum „Neinhorn“:
Komiktheater der GHG Sonnenhalde Tandem
28.10., 14 Uhr
Komiktheater, St. Gallen
www.komiktheater.ch