Die Wiener Noise-Rocker Bulbul sind als Band live bei einer Liquid Loft-Produktion beim tanz ist Festival dabei (Foto: Stefan Hauer)
Silvia Thurner · 12. Feb 2023 · Musik

Pforte Kammerorchester Plus – Falke, Sturm und großer Gesang

Fünfundzwanzig Jahre „Musik in der Pforte“ ist eine Erfolgsgeschichte, die auf starken Beinen steht und durch inspirierende Ideen immer wieder neu erlebbar ist. Zur Eröffnung des Jubiläumsjahres versammelte Klaus Christa Musiker:innen der Iberacademy aus Kolumbien, des Bochabela String Orchestras aus Südafrika und Studierende der Stella Musikhochschule Feldkirch im Pforte Kammerorchester Plus. Vom Konzertmeisterpult aus leitete Pawel Zalejski das Orchester mit Werkdeutungen von Beethoven und Bruch sowie einer Uraufführung von Verena Zeiler. Als Solisten bereicherten der Klarinettist Matthias Schorn und Klaus Christa an der Bratsche die Darbietungen. Was beim Auftritt im Ritter-von-Bergmann Saal in Hittisau geschah, kommt selten vor und kann nur in Superlativen beschrieben werden: Alle zusammen musizierten sich in einen mitreißend freudvollen Taumel und faszinierten die Zuhörenden mit leidenschaftlich energiegeladenen Interpretationen.

Eine intensive Probenwoche war den ersten Abonnementkonzerten in Feldkirch und Hittisau vorausgegangen, in der sich junge Musiker:innen aus Kolumbien, Südafrika und Vorarlberg (wieder) begegneten. Dieses Mal leitete der in Vorarlberg bestens bekannte Musiker Pawel Zalejski als Konzertmeister die jungen Orchestermusiker:innen. Das große Einverständnis und die Freude am gemeinsamen musikalischen Gestalten waren von Beginn an spürbar und ergaben einen regen Austausch zwischen den Stimmgruppen.

Einen mitreißenden Drive entwickelt

Die Ausgelassenheit und das Wissen darum, dass es der letzte Auftritt nach einer intensiven Vorbereitungszeit war, mag mit dazu beigetragen haben, dass jeder und jede Einzelne besondere Energien freisetzte und einer ausgelassenen Spielfreude ihren freien Lauf ließ. So wuchsen die Musizierenden im Laufe der Darbietungen über sich selbst hinaus und es entwickelte sich eine Eigendynamik, die mit der Werkdeutung der 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven in einem fantastischen Höhepunkt gipfelte. Sogleich im Eröffnungssatz zelebrierten die Orchestermusiker:innen die aufstrebenden Gesten präzise aufeinander abgestimmt. Mit großer dynamischer Spannbreite kam der energetische Fluss zwischen auf- und vorwärtsstrebenden musikalischen Phrasen sowie innehaltenden Passagen zur Geltung. Ruhe und einen ausgeglichenen Orchesterklang mitsamt schön entfalteten Holzbläserstimmen bestimmten das Allegretto. Spätestens im dritten Satz, Presto, spielten sich die Musiker:innen in einen mitreißenden Flow. Die quirligen Trillermotive wurden prägnant in den Raum gestellt, die mit wirkungsvollem Bordun versehenen Seitenthemen schufen Gegenpole und erhöhten die Spannung. Dass ein gemeinsamer musikalischer Atem zu wahren Höhenflügen führen kann, war im Finale zu erleben, in dem sich alle Musizierenden hineinsteigerten und so die tänzerische Rhythmik herzhaft entfalteten.

Feinfühlende Uraufführung

Das reichhaltige Konzert beinhaltete auch eine Uraufführung des neuesten Werkes der niederösterreichischen Komponistin und Pianistin Verena Zeiner. Ihre Komposition für Klavier und Orchester deutete mit dem Werktitel „An Observation of things“ bereits die musikalischen Wesensmerkmale an. Ein einstimmig vorgetragener musikalischer Gedanke erklang zum Einstieg in ein poesievolles, aber etwas überlanges Werk. Vorsichtig stimmten die Orchesterinstrumente mit kreisenden Bewegungen ein und schichteten unterschiedliche Patterns übereinander. Im Mittelteil wollte zwar der rhythmisch konzipierte Klangfluss mit jazzigem Touch nicht so recht in Schwung kommen, doch mit der Solokadenz des Klaviers stellte sich ein stringenter Sog ein, nach dem die rhythmischen Formeln in einem farbenreichen Klangteppich verwoben wurden.

Solisten im einvernehmlichen Dialog miteinander

Klaus Christa und Matthias Schorn interpretierten das selten zu hörende Doppelkonzert op. 88 für Viola und Klarinette von Max Bruch. Der Wiener Philharmoniker Matthias Schorn ist bei der Pforte längst zu einem guten Freund und sehr gerne gehörten und gesehenen Gast geworden. In feinsinnigem Zusammenspiel zelebrierten die Solisten die mitteilsame Musik. Eine hoch romantische Klangsprache und kommunikative melodische Dialoge zwischen den Soloinstrumenten und dem Orchester lenkten die Aufmerksamkeit auf sich. Anklänge an jüdische Melodien verliehen dem Mittelteil einen besonderen Touch. Im Finale erklangen virtuos ausgeformte Signalmotive und Tongirlanden, die in einen vielgestaltigen dynamischen Fluss eingebettet erklangen. Klaus Christa und Matthias Schorn formten ihre Parts vielsagend aus und die Orchestermusiker:innen wirkten als „begleitende“ Partner:innen sehr präsent.

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