Die Berliner Band „Milliarden“ beim Poolbar Festival (Foto: Darius Grimmel)
Walter Gasperi · 05. Feb 2023 · Film

„niemandsland oder der Mann ohne Namen" – Premiere von Christian I. Peintners Computer-Animationsfilm am Spielboden Dornbirn

In Einzelarbeit und ohne Förderungen entwickelte der gebürtige Dornbirner Christian I. Peintner während der Pandemie am Computer Kurzfilme, die sich inhaltlich an seinem 2007 erschienenen Roman „niemandsland oder Mann ohne Namen" orientieren. Die Premiere am Spielboden stellte aber nur eine Zwischenstufe dieses Projekts dar, denn 2025 soll ein Langfilm und 2027 eine interaktive Version folgen.

Die Idee von einem Niemandsland im Bodensee, in dem ein Künstlerkollektiv einen unabhängigen Staat errichtet, entwickelte der 1965 in Dornbirn geborene Maler und Bildhauer Christian I. Peintner schon 2003. 2007 baute er diesen Ansatz zum Roman "niemandsland oder der Mann ohne Namen aus". Auf dieser Grundlage entwickelte er während der Pandemie zunächst zwei Kurzfilme, die für die Premiere am Spielboden um acht weitere Episoden zu einem etwa 90-minütigen Programm erweitert wurden.

Auf den Spuren von „Avatar"

Die einzelnen Teile fügen sich zwar nicht zu einer stringenten Geschichte und unüberschaubar bleibt aufgrund zahlreicher und abrupter Schauplatz- und Personenwechsel auch die Handlung um die Hauptfigur Mario, dennoch beeindruckt, was Peintner in zweijähriger Arbeit am Computer entwickelt hat. Keine ausgefeilten, detailreich geschilderten Welten und Charaktere, in die man eintauchen kann, wie beispielsweise in „Avatar" darf man freilich erwarten, denn es stecken auch keine Millionen Dollar und Hunderte Mitarbeiter:innen in diesen Filmen, sondern ohne Budget und in Einzelarbeit entstand "niemandsland".
Spürbar ist aber in jedem Kurzfilm, wie viel Zeit und Einsatz der Künstler in sein Werk investiert hat. Mehrfach musste während des Arbeitsprozesses der Computer gewechselt werden, da dessen Leistung nicht mehr ausreichte, immer perfekter wurden die Avatare im Lauf der vier Generationen. Nicht auf vorgefertigte Bausteine aus dem Internet griff Peintner dabei zurück, sondern jede der rund 25 Figuren und 30 Settings entwickelte er selbstständig.
Statt von einem großen Budget leben diese Animationsfilme vom Einfallsreichtum seines Regisseurs. Lustvoll spielt der 58-Jährige so mit Motiven des Thrillers und bricht die Handlung auch immer wieder durch TV-Nachrichten zu den Ereignissen auf. Geschickt werden auch mit Bildern von dem Festspielhaus, einem Bregenzer Fischersteg oder einem Blick über den Bodensee Versatzstücke der Realität in die Fiktion eingebaut. Der Musikeinsatz hätte allerdings bei einzelnen Kurzfilmen reduzierter ausfallen können.

Work in Progress: Vom Kurzfilm zur interaktiven Version

Ganz offensichtlich geht es Peintner weniger um eine klare Narration als vielmehr um ein spielerisches Austesten der Möglichkeiten der Computeranimation. Entstanden ist so nicht nur ein spannender Grenzgang zwischen Kunst und Film, sondern auch eine im Vorarlberger Filmschaffen singuläre Produktion, deren Einsatz und Wagemut man bewundern muss.
Beendet ist das Projekt freilich mit den Kurzfilmen nicht. Vielmehr soll im Jahr 2025 ein Langfilm zu dem Thema folgen, bei dem die Geschichte aus der Perspektive des Künstlerkollektivs erzählt wird. Und auch dieser Film soll nur eine Zwischenstufe sein, denn abgeschlossen werden soll "niemandsland" etwa 2027 mit einer Augmented Reality-Version, in der sich die Filmfiguren direkt unter die Zuschauer:innen mischen und mit ihnen interagieren können. Wie dies aussehen kann, demonstrierte Peintner schon in der Spielboden Kantine und auch das 12-minütige youtube-Video bietet einen anschaulichen Einblick in das Projekt.