Prinz Grizzley erzählte musikalisch eindrucksvoll die Geschichte seiner Großeltern. (Foto: Daniel Furxer)
Michael Löbl · 26. Sep 2026 · Musik

Next Level Blasmusik

„Blasmusik goes Hollywood“ hieß es am Freitagabend in der Kulturbühne AmBach.

Wo Thomas Gansch draufsteht, ist immer Folgendes drin: Musikalische Qualität, Humor, Entertainment und ein ausverkauftes Haus. So auch diesmal. Mit seiner „Blasmusik Supergroup“ gastierte er in Götzis.

Der Trompeter Thomas Gansch ist eine der schillerndsten Figuren der österreichischen Musikszene. Im Zentrum seines musikalischen Tuns steht „Mnozil Brass“, die längst weltbekannte Mischung aus Bläserseptett und Musikkabarett, eine Formation, die er mitbegründet hat und die 2027 ihr 35-jähriges Jubiläum feiern wird. Daneben gibt es unzählige weitere Ensembles von und mit Thomas Gansch wie „Gansch & Roses“, „Gansch & Breinschmid“, „Wieder, Gansch & Paul“ oder „Alpen & Glühen“. Seine wegen des ungewöhnlichen Designs auf den ersten Blick identifizierbaren Instrumente „Ganschhorn“ und „Killer King“, die er gemeinsam mit der niederösterreichischen Instrumentenmanufaktur Schagerl entwickelt hat, sind so konzipiert, dass sie mit einer Hand bedient werden können. Was für diesen Abend durchaus Bedeutung hatte.

No Limits

Wenn man unter dem Namen „Blasmusik Supergroup“ durch die Lande tourt (aktueller Reiseplan: KKL Luzern – Götzis – Potsdam), muss man liefern. Und genau das tut diese Truppe auch. Thomas Gansch hat sich vor fünf Jahren seinen Traum erfüllt und eine handverlesene, zwanzigköpfige Eliteformation zusammengestellt, mit der er ohne Limits alles umsetzen kann, was ihm technisch, musikalisch und vom Repertoire her so vorschwebt. Die Mitglieder – ja, die Band ist ausschließlich männlich besetzt – kommen aus den verschiedensten musikalischen Richtungen wie Symphonieorchester, die Egerländer, Bigbands oder aus der Gruppe Federspiel. Das Ergebnis ist überwältigend. Die „Supergroup“ beeindruckt durch unglaubliche Power, Klangbalance innerhalb der Gruppen, perfekte Intonation und instrumentaltechnische Mühelosigkeit. Dazu die kluge Programmauswahl und ein ansteckender Enthusiasmus, der im Saal für Stimmung sorgt.
Die Besetzung ist „böhmisch“ und besteht aus Flügelhörnern, Trompeten, Tenorhörnern, Posaunen, Tuben, drei Klarinetten und Schlagzeug. Gespielt wird ohne Dirigent, Thomas Gansch gibt das Tempo vor und greift ein, wenn es das Stück verlangt. Durch sein spezielles Instrumentarium hat er die linke Hand frei, kann also Einsätze und Tempowechsel organisieren. Wenn es rhythmisch wirklich tricky wird, bei „Star Wars“ von John Williams beispielsweise, kommt dieses „Play & Conduct“-Konzept aber auch schon mal an seine Grenzen.

Die „Kuchen im Gesicht“ Polka

Im ersten Teil des seit Wochen restlos ausverkauften Konzertes stand die Plattensammlung von Thomas Ganschs Vater im Mittelpunkt, speziell die historischen Aufnahmen des Zentralorchesters der Tschechischen Armee. Aus diesem Repertoire gab es mehrere Stücke zu hören, alle erstaunlich originell und echte Raritäten. Der zweite Schwerpunkt war Filmmusik. Da ging es von den 1950er Jahren bis in unsere Zeit. Die meisten Nummern waren hochvirtuos, Franz Waxmans „Ritt der Kosaken“ aus dem Film „Taras Bulba“ etwa. Natürlich durfte James Bond nicht fehlen, genauso wenig wie „Star Wars“ von John Williams oder lustige Soundtracks wie die „Pie in the Face Polka“ von Henry Mancini.

Auch ein Philharmoniker ist dabei

Eine spezielle Gruppe bildeten die drei Klarinetten rund um Matthias Schorn, den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker. Fast durchgehend waren sie mit halsbrecherischen Läufen, Akkordzerlegungen und Soli in der höchsten Lage konfrontiert, was die drei aber nicht sonderlich zu beeindrucken schien. Alles wurde absolut perfekt abgeliefert, man hat den Eindruck, doppelt so schnell und noch höher wäre auch kein Problem gewesen. Hut ab!
Das Publikum war aus dem Häuschen und erklatschte sich mehrere Zugaben, unter anderem einen „dekonstruierten“ Radetzky-Marsch von Johann Strauss Vater. Es war ein wirklich unterhaltsamer Abend in der Kulturbühne AmBach mit Blasmusik in Vollendung und dem begnadeten Moderator und Entertainer Thomas Gansch. Gerne wieder!

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