Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast. (Foto: Matthias Horn)
Silvia Thurner · 30. Jul 2023 · Musik

Neue Musik in fröhlicher Runde

Leicht verständliche Werke und mitreißende Musiker:innen

Ein unterhaltsames Vorabendkonzert gaben das Trio Frullato mit Stefan Tomaschitz (Flöte), Robert Gillinger (Fagott) und Ines Schüttengruber (Klavier) und dem Klarinettisten Alexander Neubauer als Gast im vorarlberg museum. Im Rahmen der traditionellen Reihe „Zeitklang im Museum“ spielten sie Werke von österreichischen Komponist:innen, darunter auch eine Uraufführung von Gerda Poppa. In feiner Atmosphäre und gelöster Stimmung glänzten vor allem die hervorragende Pianistin und die drei virtuose Musiker.

Den meisten Eindruck hinterließ das Werk „Wall Study III“ für Fagott solo der in Wien lebenden Komponistin Judith Unterpertinger. Von Fotografien diverser Mauerstrukturen beeinflusst, schuf sie für Robert Gillinger ein ‚atemberaubendes‘ Solostück, in dem über weite Strecken die Zirkularatmung für einen ununterbrochenen Klangfluss sorgte. Mit bewundernswerter Technik formte der Fagottist den melodischen Bewegungsraum mit unterschiedlichsten Tonqualitäten aus.

Als eine Art Psychohygiene kann das neueste Werk von Gerda Poppa bezeichnet werden, das sie im Auftrag des Trios Frullato komponiert hat. Unter dem Titel „O Stille, mein Verlangen“ beschäftigte sich die in Röthis lebende Komponistin mit der alltäglichen akustischen Umweltverschmutzung. Für ihre unterhaltsame Komposition sammelte sie Artefakte wie Pieps- und Signaltöne im Auto, Handyklingel- und Wecktöne sowie Tonfolgen, die sich beispielweise beim Wählen von Telefonnummern ergeben. In Form einer Collage erklangen die über weite Strecken signalhaft wirkenden Floskeln. Abwechslung und eine Erwartungshaltung weckte das Bass-Ostinato im Klavier. Im Laufe des dritten Abschnitts mit chromatischen Fortschreitungen, in dem sich die Musiker:in die motivischen Bälle zuspielten, verlor sich der musikalische Fluss etwas. Doch am Schluss kam der Humor in der Musik gut zur Geltung. Nach einem Fortissimo-Cluster des Klaviers forderten die beiden Holzbläser mit dem Zeigerfinger an den Lippen die Stille ein - und erhielten sie auch.

Auch das Werk „now for something different“ von Johannes Maria Staud kann als (Trotz)Reaktion während einer belastenden Zeit verstanden werden. Ganz seinem eigenen Kompositionsstil zuwiderlaufend, nämlich rein tonal und mittels Zitattechnik, schrieb Staud das Trio für Flöte, Fagott und Klavier und setzte den Untertitel „Bright Music for Dark Times“ hinzu. Das Entstehungsjahr 2020 und die Erinnerung an Corona-Zeiten gibt die Hörrichtung vor. Aus reinen Versatzstücken von Ragtime bis Schubert setzte er das Musikstück zusammen, das das Trio Frullato mit großem Vergnügen in den Raum des vorarlberg museums stellte.

Humor und Kurzweil bot auch das Trio „8 Polaroids“ für Flöte, Klarinette und Fagott von Christof Dienz. Die acht Miniaturen entfalteten musikalische „Stimmungsbilder“, von denen vor allem das dritte mit den minimalistisch verschobenen Klangwirkungen sowie das fünfte mit dem geschwätzigen Ausdruck und der abschließenden Frage „Was ist los?“ sowie das sechste mit den Slap Tongues amüsierten.

Manfred Welte führte mit Gerda Poppa sowie mit Robert Gillinger und Ines Schüttengruber informative und unterhaltsame Gespräche. So entfaltete sich ein Kammermusikabend in lockerer Atmosphäre, bei dem neue Kompositionen anregend präsentiert wurden.