Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker mit Eva Ollikainen. (Foto: Christian Lins)
Michael Pekler · 29. Jul 2026 · Film

Neu in den Kinos: „The Invite“

Zwei Paare, ein Abend und frischer Wind ins bürgerliche Apartment: In diesem starbesetzten Kammerspielfilm löst eine Einladung zum Dinner eine Kette von Bissigkeiten und Avancen aus. Neben einer dynamischen Inszenierung von Olivia Wilde überzeugt die Komödie vor allem mit dem zynischen Witz von Seth Rogen.

Zu den erfolgreichsten Kinofilmen der vergangenen Wochen zählen zwei von YouTubern gedrehte Horrorfilme sowie ein Historienspektakel, dessen Regisseur sich eine der berühmtesten Dichtungen der Antike als Vorlage nahm. Bemerkenswerterweise sind hier und dort Schauspielstars für den Erfolg nicht ausschlaggebend: Entweder sind sie, wie in „Backrooms“ und „The Obsession“, nicht vorhanden, oder ihre Namen werden, wie bei „The Odyssey“, von jenem des Regisseurs in den Schatten gestellt.
Ganz anders funktioniert hingegen „The Invite“ von Olivia Wilde, in dem die Regisseurin zugleich eine der vier Hauptrollen übernommen hat – in einem Kammerspielfilm, den man sich vornehmlich aufgrund seines hochkarätigen Starensembles ansieht. „The Invite“ ist ein Remake des spanischen Films „Sentimental“ (2020), der wiederum deutlich erkennbar auf einem Bühnenstück basiert und mit „Die Nachbarn von oben“ (2022) bereits eine missglückte Schweizer Neuverfilmung erlebte. Diesmal verbringen die zwei bislang nur flüchtig miteinander bekannten Paare zum ersten Mal einen gemeinsamen Abend, als Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) ihre Nachbarn zum Essen einladen. Nicht ahnend, dass Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) für die Gastgeber eine Überraschung bereithalten.

Geräusche und Giftpfeile

„One should always be in love. That is the reason one should never marry.“ Das dem Film vorangestellte Zitat von Oscar Wilde hat sich für Angela und Joe jedenfalls als richtig erwiesen. Nach fünfzehn Jahren ist ihre Ehe bestenfalls ein routiniertes Arrangement. Das Faltrad, mit dem Joe zu Beginn von der Arbeit nach Hause strampelt, um sein Hüftgold loszuwerden, ist selbstverständlich ein Geschenk der Gattin. Umgekehrt wäre ein wenig mehr Aufmerksamkeit von Joe für seine Frau in den letzten Jahren kein Fehler gewesen. Als biederer Musiklehrer trauert er noch immer seiner Rockband nach, mit der er vor zwanzig Jahren einen einzigen Hit landete. Bereits in den ersten Minuten erfährt man, wie ein Paar mittleren Alters nicht nur aneinander vorbeilebt, sondern genau weiß, wie man dem Partner und der Partnerin weh tun kann. Jedes Wort ist ein Giftpfeil und von Trennung natürlich keine Rede.
Wie sich bald herausstellt, hat Angela die Einladung ohne Joes Wissen ausgesprochen. Dem bietet sich nun aber wenigstens die Gelegenheit, die frisch liierten Pina und Hawk auf die eindeutigen und für ihn sehr lästigen Geräusche anzusprechen, die aus dem oberen Stockwerk zu vernehmen sind. Geräusche, an die sich Angela und Joe höchstens erinnern können. Doch die Psychotherapeutin und der zum Masseur umgeschulte Ex-Feuerwehrmann erweisen sich nicht nur als äußerst aufrichtig und sympathisch, sondern sprechen auch eine nicht uneigennützige Gegeneinladung aus – die nötige Aufgeschlossenheit vorausgesetzt kann Gruppensex wunderbar sein. Ein erfolgreicher Partnertausch an Ort und Stelle wäre die perfekte Vorbereitung aufs Kommende.

Planungsphase

Olivia Wilde kümmert sich in „The Invite“ in ihrer Rolle als vom Leben desillusionierte Ehefrau mit abgebrochenem Kunststudium nicht nur perfekt um den schönen Schein, sondern als Regisseurin auch um die überzeugende dynamische Inszenierung dieser Komödie. Kaum sind die üblichen Floskeln ausgetauscht, beginnen seitens Joe die kleinen Sticheleien, während die Gäste strategisch mit Komplimenten in die Planungsphase eintreten. Vor allem Wilde und Rogen harmonieren im Gegensatz zu ihren Figuren perfekt, und auch Edward Norton hat sichtlich Spaß an der Arbeit. Dass „The Invite“ als US-Remake an zahlreiche einschlägige Bühnenproduktionen und vor allem an Mike Nichols’ „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ erinnert, schadet nicht, sondern bestätigt am Ende nur den Verdacht: Beziehungen mögen sich über Jahrzehnte hinweg ändern und dieser Tage moderner sein, an alten Mustern kann man aber nach wie vor grandios scheitern. Auch ohne laute Nachbarn.

Ab 30.7., Cineplexx Hohenems (dF, OF am 5.8.)